Altbürgermeister unterwegs: Der Chef führt durch die Boysen-Welt

Rolf Geisel (links) erläutert den Besuchern die Ausstattung der Fahrzeuge in der „Boysen Welt“ mit der jeweils ausgestellten zugehörigen Abgastechnik.
Schabert. Bei Boysen in Simmersfeld ist ein ganz neues Museum und Informationszentrum entstanden, das auf besondere Art und Weise die Geschichte und Entwicklung der Firma bis in die Gegenwart dokumentiert. Der Chef des Unternehmens, Rolf Geisel, ließ es sich nicht nehmen, die ehemaligen Bürgermeister aus dem Landkreis Calw und ihre Partnerinnen anderthalb Stunden lang kurzweilig und Vieles erläuternd durch die neue Präsentation im Haus „Boysen Welt“ zu führen.
Der Manager setzt sich für den zum Weltunternehmen gewordenen Betrieb mit 27 Standorten und 5300 Mitarbeitern seit 50 Jahren ein. Elisabeth Boysen holte den 1972 ins Unternehmen Gekommenen 1985 in die Geschäftsleitung. Seit ihrem Tod 2006 ist Geisel alleiniger Geschäftsführer.
Beeindruckende Innovationen des Betriebs
Der Organisator der Vierteljahrestreffen der ehemaligen Rathauschefs aus dem Kreis Calw, Siegfried Luz aus Neubulach, fand am Ende des Rundgangs herzliche Dankesworte. Er sprach von beeindruckenden Innovationen des Betriebs und dessen großer Bedeutung für die Gemeinde Simmersfeld und ganze Region. Den informativen Nachmittag ließ sich auch die im April 100 Jahre alt gewordene Lotte Weiß, Witwe des ehemaligen Gechinger Bürgermeisters Otto Weiß (1916-2002), nicht entgehen; sie nimmt die Einladungen in den ihr vertrauten Kreis gerne an. Otto Weiß hat die Gäugemeinde aus schweren Zeiten heraus von 1946 bis 1978 entwickelt.
Die der Besuchergruppe präsentierte Ausstellung soll in absehbarer Zeit auch der Öffentlichkeit zugänglich werden, sobald die gemütliche Vesperstube im Zugangsbereich geöffnet ist. Diese wird neben der vorhandenen Bäckerei mit Café eines Calwer Betriebs das Angebot zur Einkehr in Simmersfeld ergänzen.
Ausgestellte Gegenstände führen in die Anfangszeiten zurück
Bildschirmpräsentationen und ausgestellte Gegenstände führen in die Anfangszeiten zurück, als Firmengründer Friedrich Boysen (1895-1975) in Leipzig 1921 seinen ersten „Vaccuum“-Schalldämpfer für Motoren produzierte. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte die Neugründung in Stuttgart, dann der Umzug an den Altensteiger Sitz im Bömbachtal.
Die Firmengeschichte erzählt Friedrich Boysen selber in einer der mittels moderner Digitaltechnik hergestellten zahlreichen Bildschirm-Präsentationen in Lebensgröße und erwähnt auch, wie Rolf Geisel 1972 eine Werkzeugmacherlehre bei ihm aufnahm. Es würde wahrscheinlich einen ganzen Tag und mehr füllen, wollte man alle an den vielen Bildschirmen zugänglichen Informationen von den Anfängen bis in die Gegenwart abrufen.
Umsatz auf mehr als drei Milliarden gesteigert
Grafiken zeigen, wie sich der Umsatz des mit einer Stiftung verknüpften Unternehmens allein seit 2021 von 2,4 Milliarden über 2022 mit 2,83 Milliarden im vergangenen Jahr auf 3,36 Milliarden Euro gesteigert hat. In den großen Glasvitrinen zu betrachten sind beispielsweise auch der in den Anfangszeiten einmal produzierte Kinderwagen mit Schwenkbügel oder der einst in großer Serie gefertigte, patentierte Benzinkanister mit eingebautem besonderem Einfüllstutzen.
Autofreunde kommen bei einer ganzen Reihe ausgestellter Fahrzeuge von Oldtimern bis zum modernen Pkw samt dem jeweils davor aufgebauten Abgassystem auf ihre Kosten. Aus alten Tagen sind BMW, Mercedes, NSU und Porsche - darunter auch eine Isetta mit Fronttür – zu sehen. Auf die Zukunft gerichtet ist Boysens laufender Bau einer Fabrik in Ungarn, die als erste keine Abgastechnik, sondern Batteriegehäuse fertigt. Der Großauftrag von BMW setzt den Auslandsstandort in der Nähe von dessen Werk voraus. Aber auch in Nagold wird gerade gebaut, und in Simmersfeld wurde im letzten Jahr Boysens eigenes Entwicklungszentrum für Wasserstofftechnologien gestartet, das verschiedene Produktentwicklungen verfolgt.