55 Jahre bei Würzbacher Betrieb: Thomas Reichle denkt nicht ans Aufhören

Das Herz des 70-jährigen Zimmerermeisters Thomas Reichle schlägt nach wie vor für seinen Beruf und er denkt auch nach 55 Jahren im Betrieb noch nicht ans Aufhören.
Holzbau Reichle GmbHWenn man 55 Jahre im selben Betrieb tätig ist, darf man das mit Stolz feiern. Wenn man dann aber mit 70 Jahren noch immer regelmäßig einspringt, weil das Herz für den Beruf schlägt – dann verdient dieser Mensch ganz besonderen Respekt, sagt Geschäftsführer Christian Reichle.
Thomas Reichle ist der ältere Bruder von Seniorchef Andreas Reichle und damit Teil der neunten Generation der Firma Holzbau Reichle GmbH. Deren Gründung im 18. Jahrhundert wurde 2018 mit einem großen 300 Jahre-Fest gefeiert.
Große Leidenschaft für Holz
Schon als Kind war der Weg für Thomas Reichle klar: Sein Weg führt in den Holzbaubetrieb von Vater Erwin Reichle, die Leidenschaft für den Werkstoff Holz wurde ihm praktisch in die Wiege gelegt. Es war ihm bestimmt, die Zimmermannslehre beim Vater zu machen, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion erzählt.
Nach der Ausbildung übernahm er früh den Bereich Aufriss und Abbund. Damals wurde der Aufriss im Maßstab 1:10 noch mit der Hand aufs Papier gezeichnet, der Bedarf an Holz errechnet und das Ganze auf die Balken übertragen. „In einem viermonatigen Crash-Kurs“, wie er sagt, hat er 1979 die Meisterprüfung im Zimmererhandwerk absolviert.
1994, nach einem schweren Betriebsunfall von Vater Erwin, führte Andreas, ebenfalls Zimmerermeister, als alleiniger Geschäftsführer den Betrieb weiter, Thomas arbeitete weiterhin mit als Gesellschafter, es galt wirtschaftlich herausfordernde Jahre zu überstehen. Es wurde investiert in eine moderne Abbundanlage mit Hobeleinrichtung, an der Thomas den Abbund für ein Haus alleine an einem Arbeitstag bewältigen konnte. „Ich zeichne die einzelnen Hölzer und die Abbund-Pakete noch so, wie ich es gelernt habe mit römischen Zahlen aus“, erzählt Reichle. Das Althergebrachte vereinigt sich hier mit dem Aufriss am PC und der automatischen Arbeit der Abbundmaschine.
Spezialist für präzise Arbeitsvorbereitung
Über die Jahrzehnte war Thomas Reichle der Spezialist für die präzise Arbeitsvorbereitung und Maschinensteuerung. Mit seiner großen Erfahrung unterstützt er weiterhin, wenn er gebraucht wird, überall dort, wo es am dringendsten ist – mittlerweile an der neuen Abbundmaschine Hundegger K2i, mit der er so vertraut ist wie kaum ein anderer. Sein tiefes Fachwissen und seine ruhige, zuverlässige Art machen ihn auch heute noch zu einem unschätzbaren Teil des Teams. Immer dann, wenn Zeitdruck herrscht und die Arbeitsvorbereitung mit Abbund gleichzeitig gestemmt werden muss, steht Thomas parat, bestätigt Christian Reichle. „Für dieses außergewöhnliche Engagement, für seine jahrzehntelange Treue und sein großes Herz für den Betrieb sagen wir: Danke, Thomas!“
Zehnte Generation übernimmt Betrieb
Thomas Reichle hat noch nicht vor, ganz aus dem Arbeitsleben zu scheiden: „Solange ich gesund bin und das körperlich leisten kann, bleibe ich dabei.“ Es spricht auch Stolz aus seinen Worten, wenn er von der zehnten Generation, den vier Söhnen von Andreas spricht, die mittlerweile die Führung des Betriebs übernommen haben. „Die machen das gut, und mir macht die Zusammenarbeit mit den jungen Leuten Spaß.“ Gleichwohl genießt er es, auch etwas mehr Freizeit und damit Zeit für Unternehmungen, für die Familie und für seine zwei Enkel zu haben.