50 Jahre Landesklinik
: Zentrum für Psychiatrie Calw bietet ungewohnte Einblicke

Seit 50 Jahren werden auf dem Areal des Lützenhardter Hofs in Hirsau psychisch kranke Menschen behandelt. Das wird mit Tag der offenen Tür am Sonntag, 13. Juli, gefeiert.
Von
Verena Parage
Oberndorf
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Das ist das Zentralgebäude zur Anfangszeit.

ZfP Unternehmenskommunikation

Seit 50 Jahren gibt es das „Zentrum für Psychiatrie Calw, Klinikum Nordschwarzwald“, kurz ZfP. Vielen ist es noch unter dem alten Begriff Landesklinik geläufig. Die Einrichtung hat den Calwer Stadtteil Hirsau, auf dessen Gemarkung sie liegt, zum Synonym für die Klinik gemacht: Wenn jemand nach „Hirsau“ kommt, dann weiß fast jeder in der Region, was damit gemeint ist. Aber doch nicht so richtig. Das könnte der Tag der offenen Tür am Sonntag, 13. Juli, ändern. Von 11 bis 17 Uhr erhalten Interessierte Einblicke, die sonst Patienten und Mitarbeitern vorbehalten sind. Anlass ist das 50-jährige Bestehen des ZfP Calw.

Geschichte Um die psychiatrische Versorgung zwischen Karlsruhe und Stuttgart zu verbessern, hatte der baden-württembergische Landtag im März 1962 beschlossen, eine neue Klinik zu bauen. Diese sollte einen Standort im Grünen bekommen, wie Katharina Mauderer, die fürs ZfP Calw zuständige Referentin für Unternehmenskommunikation, berichtet. „Die großzügige Fläche des Lützenhardter Hofs unter anderem mit seinen Streuobstwiesen schien sehr geeignet zu sein.“

Das 40 Hektar große Gelände liegt auf einer Lichtung im Wald, weit oberhalb des Nagoldtals. „Zur damaligen Zeit und der damaligen entfernten Haltung gegenüber der Psychiatrie wurden die Standortpläne ,auf dem Berg’ dementsprechend gut angenommen“, erläutert Mauderer.

Mancher erinnert sich noch daran, dass einst Landwirte aus der Gegend im Sommer ihr Jungvieh zum Weiden auf den Lützenhardter Hof, einen Bauernhof, brachten. Eben dort erfolgte im Juli 1970 die Grundsteinlegung.

Der erste Patient wurde am 27. Januar 1975 aufgenommen. Das ist gut 50 Jahre her. Tatsächlich gebe es noch eine Mitarbeiterin, die den ersten Tag miterlebt habe. Die Frau hat dieses Jahr ihr 50. Dienstjubiläum gefeiert, erzählt Katharina Mauderer.

Heute Etwa 1400 Menschen sind im ZfP Calw inzwischen tätig – das macht die Einrichtung zu einem der größten Arbeitgeber im Landkreis.

In Calw sowie in zugehörigen Einrichtungen in Böblingen, Leonberg und Pforzheim werden laut ZfP jedes Jahr mehr als 7000 Patienten voll- und teilstationär behandelt.

Zuletzt wurde im vergangenen Jahr das neue „Zentrum für Seelische Gesundheit“ auf dem Gesundheitscampus Calw eröffnet und erst im Januar der Neubau der Forensischen Psychiatrie am Hauptstandort. Diese ist eine Einrichtung des Maßregelvollzugs, in der suchtkranke Straftäter untergebracht werden. Eine Außenwohngruppe der Forensik befindet sich in einem der ursprünglichen Gebäude des Lützenhardter Hofs auf dem Areal.

Jubiläum Seit Anfang des Jahres wird das Jubiläum gefeiert. So sind beispielsweise noch bis Jahresende im Erdgeschoss des Zentralgebäudes historische Fotos vom Klinikgelände zu sehen. Zudem läuft für Patienten und Mitarbeiter ein Kunstprojekt: Sie töpfern und gestalten bunte Kacheln. Diese sollen einmal auf einer bisher grauen Mauer hinter dem Hauptbau die Buchstaben ZfP und LKN (für Landesklinik Nordschwarzwald) formen. Und im Herbst findet ein wissenschaftliches Symposium statt.

Höhepunkt der Feierlichkeiten ist der Tag der offenen Tür am 13. Juli. Fast alle Abteilungen des ZfP Calw seien im Arbeitskreis, der diese Veranstaltung vorbereitet hat, vertreten gewesen. Besucher können „ganz viele Einblicke erhalten“, berichtet Katharina Mauderer. Los geht es um 11 Uhr, ab 11.30 Uhr hält Geschäftsführer Michael Eichhorst eine Eröffnungsrede. Anschließend können Interessierte auf einem Rundweg das Gelände erkunden – zu Fuß oder mit einem kleinen Zug, dem „ZfP-Express“.

Drei Stationen in der Forensik, der Allgemeinpsychiatrie und der Suchtmedizin können erkundet werden. Auch die Arbeitstherapien Textil und Gärtnerei sowie die Berufsfachschule für Pflege und das Gebäude für Freizeitangebote im Maßregelvollzug sind geöffnet.

Im Cafino, der Cafeteria am großen Brunnenplatz, gibt es Verpflegung. Im Obergeschoss des Cafino-Gebäudes werden ab 13, 14 und 15 Uhr Vorträge zu tiergestützter Therapie, zu Demenzerkrankungen und Musiktherapie gehalten. Derweil spielt auf dem Brunnenplatz die Band „Luxusdisko“, und junge Besucher können sich unter anderem auf Kinderschminken und Zöpfeflechten freuen.

„Es wird niemand ausgeschlossen“, sagt Mauderer, und meint dabei die Patienten. Auch sie können am Tag der offenen Tür teilnehmen, wenn sie das möchten. Und sollte es einem von ihnen zu viel werden, dann gebe es auf dem weitläufigen Gelände noch genug Bereiche, wo es auch am Sonntag ruhig zugeht.

Weitere Informationen zum ZfP Calw und zum Jubiläum finden sich unter www.kn-calw.de.

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