Unternehmen in Jungingen: „Sein Lebenswerk lebt weiter“ – Trauer um langjährigen RIDI-Chef Richard Diez

Um den langjährigen RIDI-Chef Richard Diez wird getrauert.
RIDIGeboren wird Richard Diez am 31. Mai 1928 als zweiter Sohn von Anna und Friedrich Diez. Er wächst in Jungingen auf. Seinen Vater hat er nie kennengelernt, dieser starb im Jahr nach seiner Geburt.
Als Jugendlicher wird er noch zum Ende des Zweiten Weltkriegs eingezogen. Diese Erfahrung prägt ihn, ohne ihn zu verbittern, daran erinnert sich seine Familie. Nach dem Krieg wendet er sich entschieden dem Aufbau zu. Er wird Elektroinstallateur, bildet sich weiter zum Elektromeister und schließt 1952 seine Ausbildung ab. Drei Jahre später heiratet er seine Frau Anneliese, mit der ihn bis zu ihrem 70. Ehejahr im Mai 2025 eine tiefe Partnerschaft verbindet. Gemeinsam ziehen sie zwei Kinder groß, aus denen eine Familie mit mittlerweile drei Enkeln hervorgeht.
Die Anfänge
Am 1. August 1952 übernimmt Diez den kleinen Installationsbetrieb seines Stiefvaters. Aus bescheidenen Anfängen entsteht ein großes Unternehmen. Bereits 1957 beginnt Richard Diez, eigene Leuchten zu entwickeln und zu fertigen. Die ersten Modelle entstehen in der Garage, bald darauf folgt der Bau einer eigenen Produktionshalle. Die Nachfrage steigt, und mit ihr wächst auch der Betrieb.
Die Entwicklung
Die Firma RIDI Leuchten, deren Grundstein er in diesen Jahren legt, entwickelt sich unter seiner Leitung zu einem führenden Hersteller technischer Innenbeleuchtung in Europa. Heute beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 600 Mitarbeitende, produziert an drei Standorten in Deutschland und Polen und unterhält Niederlassungen in mehreren europäischen Ländern.
„Er ist kein Unternehmer, der sich auf Repräsentation beschränkt“, berichtet seine Familie. In der Anfangszeit übernimmt Diez Planung, Fertigung und Verkauf persönlich. Auch später bleibt er am liebsten nah am Produkt, dort, wo gefertigt wird, entwickelt wird, gesprochen wird. Für ihn zählt, was entsteht, nicht wie es genannt wird. „Sein Führungsstil ist kollegial, seine Präsenz verlässlich. Viele erinnern sich an einen Chef, der nicht vorgab, sondern vormachte, der zuhörte, anpackte und stets erreichbar blieb.“
1982 führt er den ersten Roboter in der Produktion ein. Seine Ideen zielen auf Funktionalität und Unabhängigkeit. Mit großer Konsequenz setzt er auf eigene Fertigungstiefe und Qualität. Aus der Fertigung von Wohnraumleuchten entsteht ab 1975 eine neue Ausrichtung auf technische Beleuchtung. 1987 stellt das Unternehmen das erste eigene Schnellmontage-Lichtbandsystem vor, eine Innovation, die neue Fertigungsflächen erfordert.
Da sich diese in Jungingen nicht realisieren lassen, gründet Richard Diez das Werk RIDI Nord in Rellingen bei Hamburg. 1989 wird die RIDI Leuchten GmbH gegründet. Sein Sohn Manfred Diez wirkt nach seinem Studium der Elektrotechnik in Berlin an seiner Seite tatkräftig mit, nescjroenz das
1991 folgt die Übernahme des ostdeutschen Leuchtenherstellers BERLUX in Berlin. Mit Blick auf neue Märkte und den europäischen Binnenraum wird ab 1992 die Expansion ins Ausland vorangetrieben. Die erste Niederlassung entsteht in Wien. Schritt für Schritt entwickelt sich aus dem einstigen Handwerksbetrieb eine Firmengruppe mit Standorten und Partnern in mehreren Ländern. Ab 2014 legt Richard Diez die Geschäftsleitung in die Hände seines Sohnes. Richard Diez bleibt auch im Rentenalter in der Firma und kümmert sich besonders um Fuhrpark oder Investitionen.
Der langjährige Einsatz
„Was Richard Diez auszeichnet, ist nicht allein die Neugier auf Technik, sondern die Nähe zu den Menschen“, beschreibt ihn seine Familie. Der Umgang mit Kunden, Lieferanten und Mitarbeitenden sei geprägt von gegenseitigem Respekt. „Sein Wort gilt.“ Viele schätzen demnach seine Klarheit, seine Bodenständigkeit und seine Offenheit. Bis ins hohe Alter ist er täglich im Unternehmen präsent. Er bleibt mobil, besucht Baustellen, fährt zu Terminen, bringt sich ein.
In Jungingen gründet er 2010 zusammen mit Partnern die Bio Energie Killertal. Das Heizkraftwerk versorgt die Firma RIDI ebenso wie weitere Betriebe im Gewerbegebiet mit CO₂-neutraler Wärme. Die Idee eines regionalen Energiekreislaufs begeistert ihn, weil sie sinnvolle Lösungen schafft. Das Projekt begleitet er bis zu seinem Tod.
Neben der Firma bleibt ihm Zeit für das, was er liebt. „Die örtlichen Vereine wissen ihn stets ansprechbar. Seine große Leidenschaft gehört dem Wassersport“, beschreibt es seine Familie. Zunächst verbringt er mit seiner Familie viele Wochenenden am Bodensee, mit Motorboot und Wohnwagen. Später steigt er auf das Segelboot um. Der Bodensee wird ihm mit der Zeit zu klein, und es zieht ihn hinaus auf die Ostsee. Später entdeckte er seine Liebe zu Wohnmobilen und unternimmt mit seiner Frau ausgedehnte Reisen durch Europa. Auf vielen dieser Fahrten werden Niederlassungen besucht, Geschäftskunden getroffen oder langjährige Partner kontaktiert.
Die Auszeichnungen
Für seine Verdienste um die Wirtschaft des Landes wird Richard Diez im November 1998 mit der Wirtschaftsmedaille Baden-Württembergs ausgezeichnet. Doch es sind andere Auszeichnungen, die ihm mehr bedeuten: das Vertrauen seiner Mitarbeitenden, die langjährige Treue seiner Geschäftspartner und der Umstand, dass sein Lebenswerk weitergetragen wird.
Seine Enkel erleben ihn als technikbegeisterten Großvater, der mit Freude Gabelstapler fährt, Boote ausprobiert und jedes neue Fahrzeug mit leuchtenden Augen erkundet. Noch mit 95 Jahren steigt er auf ein Elektroauto um.
In Erinnerung
Seine Familie trauert um ihn, behält ihn in liebevoller Erinnerung: „Sein Lebenswerk lebt weiter, in der Firma, in der Familie, in den vielen Spuren, die er hinterlassen hat. Jungingen und die gesamte Region wären ohne ihn ein anderer Ort.“