Unfallbilanz 2025
: Gegen den Trend – Deutlich mehr Verkehrstote im Zollernalbkreis

Bei der Verkehrsunfallbilanz 2025 schwimmt der Zollernalbkreis gegen den Strom: Hier ist die Zahl der Verkehrstoten deutlich gestiegen.
Von
Hardy Kromer
Oberndorf
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Der folgenschwerste Verkehrsunfall des Jahres 2025 im Zollernalbkreis hat sich am 8. März auf der B 463 zwischen Haigerloch und Gruol ereignet. Ein fahrlässiges Überholmanöver forderte drei Menschenleben.

Wilfried Selinka

Im Raum Haigerloch erinnert man sich noch mit Schrecken an den 8. März 2025. An jenem Samstagmorgen waren auf der B 463 zwischen Haigerloch und der Abfahrt nach Gruol drei Menschen ums Leben gekommen. Ursache des fatalen Zusammenstoßes war Ermittlungen der Polizei zufolge das fahrlässige Überholmanöver eines 32-jährigen Mustang-Fahrers. Auf der Gegenspur kollidierte er mit einem Ford Tourneo, dessen Fahrer und zwei Mitfahrer den Aufprall nicht überlebten. Zwei weitere Insassen des Lieferwagens, der Mustang-Fahrer und sein Beifahrer erlitten schwere Verletzungen. Der Unfallverursacher wartet noch auf seinen Prozess wegen fahrlässiger Tötung.

Der schwerste von 4578 Verkehrsunfällen

Der Horror-Crash hinter Haigerloch war der folgenschwerste von insgesamt 4578 Verkehrsunfällen, die sich im Jahr 2025 im Zollernalbkreis ereigneten (1,2 Prozent weniger als 2024). Die Zahl geht aus der am Donnerstag veröffentlichten Verkehrsunfallbilanz des Polizeipräsidiums Reutlingen für 2025 hervor.

Zwölf Verkehrstote im Zollernalbkreis

Die alarmierende Aussage des Berichts lautet: Die Zahl der Verkehrstoten ist im Zollernalbkreis 2025 deutlich gestiegen. Zwölf Menschen verloren im vergangenen Jahr auf den Straßen des Landkreises ihr Leben. Das sind fünf mehr als im Jahr davor, drei mehr als 20e3 und sogar jeweils acht mehr als 2022 und 2021.

Damit konterkariert der Zollernalbkreis die leicht rückläufige Entwicklung der Zahl der Verkehrstoten im gesamten Bereich des Polizeipräsidiums Reutlingen (38 nach 40 im Jahr davor). Im Kreis Tübingen ging die Zahl der im Straßenverkehr Getöteten von sieben (2024) auf vier (2025) zurück, im Kreis Esslingen von 17 (2024) auf sieben (2025). Allein der Landkreis Reutlingen liegt auf einer Unglückslinie mit dem Zollernalbkreis. Dort stieg die Zahl der Verkehrstoten von neun (2024) auf 15 (2025).

Drei Pedelec-Fahrer unter den Toten

Unter den zwölf Verkehrstoten der Zollernalb waren drei Pedelec-Fahrer, drei Motorradfahrer, drei Autofahrer und drei Auto-Mitfahrer (eine Frau und zwei Männer).

Auch bei den Schwerverletzten sticht der Zollernalbkreis im Trend negativ heraus. Im Bereich der vier Landkreise, die das Polizeipräsidium betreut, gab es einen Rückgang um rund fünf Prozent auf 552 – was einem Fünf-Jahres-Tiefstand gleichkommt. Der landesweite Rückgang bei den Schwerverletztenzahlen spiegelt sich aber nur in den Landkreisen Esslingen, Reutlingen und Tübingen wider. Im Zollernalbkreis bleibt die Zahl mit 97 Schwerverletzten unverändert.

Erfreulich dagegen auch zwischen Meßstetten und Haigerloch: Die Zahl der im Straßenverkehr Verunglückten insgesamt ist mit 609 um 4,2 Prozent zurückgegangen.

Rasen bleibt eine wesentliche Ursache

Zu den Unfallursachen stellt das Polizeipräsidium fest, dass überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit eine wesentliche Ursache von schweren Unfällen bleibt. Mehr als ein Fünftel aller Unfälle, die Tote oder Schwerverletzte zur Folge hatten, ist aufs Rasen zurückzuführen. Bei den 35 tödlichen Unfällen war zu hohes Tempo in neun Fällen ursächlich oder mitursächlich. Rote Zahlen schreibt auch bei diesem Thema der Zollernalbkreis: Bei 176 Unfällen war die Geschwindigkeit unter den Unfallursachen. Das bedeutet eine Zunahme um 2,9 Prozent.

Bei ihren Tempokontrollen registrierte die Polizei im Bezirk 2025 mehr als 49.100 Verstöße. Für knapp 1100 Verkehrsteilnehmer hatten die Verstöße ein- oder mehrmonatige Fahrverbote zur Folge.

Die Folgen von Alkohol am Steuer

Alkohol am Steuer bleibt laut Bericht „bei der Verkehrstüchtigkeit der zentrale Risikofaktor“, auch wenn die alkoholbedingten Unfälle in den vier Landkreisen um 12,3 Prozent auf 405 zurückgegangen sind. Fast 44 Prozent der Alkohol-Unfälle hatten Personenschäden zur Folge. In einem Fall starb sogar ein Mensch. 44 Opfer von Alkohol-Unfällen wurden schwer verletzt, davon sieben im Zollernalbkreis.

Weniger Unfälle unter Drogeneinfluss

Die Zahl von Unfällen unter Drogeneinfluss ist im Reutlinger Präsidiumsbereich leicht rückläufig. Anders dagegen im Zollernalbkreis: 19 Unfälle unter Drogen machen ein Plus von 35,7 Prozent aus, neun davon mit Verletzungsfolge bedeuten gar einen Anstieg um 80 Prozent.

Verstöße wegen Fahrens unter Drogeneinfluss haben in den vier Landkreisen erheblich zugenommen – von 890 (2024) auf annähernd 1200 im Jahr 2025. Drei Viertel der Ertappten hatten Cannabis konsumiert. In 75 Fällen war Kokain im Spiel, in 40 Fällen Amphetamin, in 282 Fällen Mischkonsum.

Kein Kind unter den Todesopfern

Um 40 auf 246 gestiegen ist die Zahl der Verkehrsunfälle, in die Kinder (bis 13 Jahre) verwickelt waren. Die gute Nachricht lautet: Kein Kind starb bei einem Verkehrsunfall. 22 (und damit fünf weniger als im Vorjahr) wurden schwer verletzt. Gerade mal 21 Unfälle mit Kindern spielten sich im Zollernalbkreis ab. Dabei wurden drei Kinder schwer und 32 Kinder leicht verletzt.

Sämtliche Statistiken zum Verkehrsunfallgeschehen im Jahr 2025 im Bereich des Polizeipräsidiums Reutlingen gibt es unter https://ppreutlingen.polizei-bw.de/statistiken/

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