Trockenheit im Zollernalbkreis: Streuobsternte fällt wohl gering aus – was sich im Anbau ändern könnte

ARCHIV - 07.09.2022, Hessen, Frankfurt/Main: Reife Äpfel wie diese können auf einer Streuobstwiese gepflückt werden. (zu dpa: «Land rührt Werbetrommel für bedrohtes Streuobst») Foto: Sebastian Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Sebastian Gollnow/dpa- Trockenheit mindert die Streuobsternte im Zollernalbkreis, Früchte bleiben klein und fallen ab.
- Blüte und Fruchtansatz wirkten zunächst gut, doch fehlender Regen schadet Entwicklung und Qualität.
- Längerer Regen wird nötig, kommt für die Ernte aber zu spät – Schäden lassen sich nicht ausgleichen.
- Standort- und Sortenwahl gewinnt an Gewicht, nord- oder ostexponierte Lagen können Vorteile bringen.
- Empfohlen sind robuste Sorten, starke Unterlagen, Regenwasserspeicherung und konsequenter Pflegeschnitt.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Hitze und fehlender Niederschlag haben den Streuobstbeständen im Zollernalbkreis zugesetzt. Die Folge: Die Ernte fällt wohl deutlich geringer aus. Gleichzeitig stellt sich die Frage: Wie können Streuobstwiesen langfristig an die sich verändernden klimatischen Bedingungen angepasst werden?
Die Erntemenge
Blütenintensität, Befruchtung und Fruchtansatz haben sich in den ersten Monaten 2026 zunächst vielversprechend entwickelt, wie das Landratsamt berichtet. Für den Zollernalbkreis zeichnete sich eine mittlere Erntemenge ab – zunächst. Durch fehlenden Regen leiden Entwicklung und Qualität der Früchte: Sie sind teils sehr klein, und fallen früher von den Bäumen als sonst. Durch die hohe Sonneneinstrahlung und die trockenen Bedingungen kann an den Früchten sogar Sonnenbrand entstehen.
Der Niederschlag
Ob und wie schnell sich die ausgetrockneten Böden erholen, hängt in erster Linie von der Niederschlagsmenge, aber auch von der Bodenart ab. Was die Bäume dringend benötigen, ist eine länger anhaltende Regenphase. „Für die bevorstehende Ernte dürfte ein solcher Niederschlag jedoch zu spät kommen. Die bereits entstandenen Schäden an Früchten und Bäumen lassen sich dadurch nicht mehr vollständig ausgleichen“, erklärt Achim Beck, Kreisfachberater beim Landwirtschaftsamt Zollernalbkreis.
Die Standortwahl
Die klimatischen Veränderungen stellen die bewährten Systeme im Streuobstbau auf die Probe. „Standortwahl sowie Sorten- und Unterlagenwahl werden künftig eine noch größere Bedeutung bekommen“, so Achim Beck. Während südwestlich ausgerichtete Hänge aufgrund ihrer guten Sonneneinstrahlung traditionell bevorzugt wurden, können unter heißen und trockenen Bedingungen Osthänge oder sogar leicht nach Norden ausgerichtete Standorte Vorteile bieten.
Die Sorten
Bei Neu- und Nachpflanzungen gelte es, auf robuste Sorten zu setzen. Sinnvoll sei es, stark wachsende Unterlagen zu wählen, da sie tiefreichende, weit verzweigte Wurzelsysteme entwickeln und den Bäumen damit ermöglichen, in trockenen Sommern Wasser aus tieferen Bodenschichten zu erschließen. Bei Jungbäumen brauche es mehrere Jahre, bis sich ein ausreichend leistungsfähiges Wurzelsystem entwickelt hat.
Zugleich wird das Auffangen und Speichern von Regenwasser an Bedeutung gewinnen, um für längere Trockenperioden ausreichend Reserven bereitzuhalten, so die Experten vom Landratsamt.
Die Pflege
Bei bestehenden Streuobstbeständen lassen sich Standort und Sortenauswahl nicht verändern. Doch: „Durch einen fachgerechten Erziehungs- und Erhaltungsschnitt können Stabilität, Vitalität und Gesundheit der Bäume gefördert werden. Ziel muss es sein, die vorhandenen Bäume bestmöglich zu unterstützen und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber zunehmenden Stresssituationen zu stärken“, erklärt Beck.
Die Zukunft
In der Forschung werden derzeit zahlreiche Möglichkeiten untersucht, wie Obstbäume besser an die veränderten klimatischen Bedingungen angepasst werden können. Gleichzeitig rücken – abhängig von der geografischen Lage – ungewöhnliche Obstarten wie Esskastanie, Maulbeere, Kaki, Mandel und Pistazie stärker in den Fokus der Landesforschungszentren.
Der private Garten
Im Hausgarten gelten andere klimatische Bedingungen als auf den Streuobstwiesen im Kreis. Zu bedenken sei: „Wir haben noch das Problem mit dem Spätfrost.“ Mit Aprikosen oder Pfirsichen könne im eigenen Garten getestet werden, wie gut sie in den veränderten Klimabedingungen gedeihen. „Man kann besser gießen, und Schädlinge werden frühzeitiger erkannt“, sagt Beck unserer Redaktion.
Es sei noch immer sinnvoll, klassische Obstsorten wie Boskoop, Jakob Fischer und Kaiser Wilhelm zu pflanzen, womöglich auch neuere Sorten wie Florina, die etwas resistenter sind. Beck: „Es geht hauptsächlich drum, dass man große Bäume pflanzt.“ Sie wurzeln besser. Die Standortfrage werde wichtiger, der Boden des jeweiligen Gartens müsse geprüft werden.
Obst- und Gartenfachwart
Wer beim Erhalt der wertvollen Streuobstlandschaft mitwirken und einen Beitrag zum Naturschutz leisten möchte, kann sich zum Obst- und Gartenfachwart ausbilden lassen. Interessenten können sich beim Landwirtschaftsamt Zollernalbkreis melden (Telefon 07433/92-1941 oder E-Mail an landwirtschaftsamt@zollernalbkreis.de).