Neubau in Balingen: Eine Notunterkunft mit Vorgeschichte

Neubau in der Heselwanger Straße 19 – hier soll eine Notunterkunft für bis zu 20 wohnungslose Menschen und Geflüchtete entstehen.
Lea IrionEs war ein mehr oder minder spektakulärer Spatenstich, der diese Woche in der Heselwanger Straße 19 erfolgte. Der Anblick war gewohnt: Vertreter beteiligter Firmen traten nebst kommunalen Entscheidungsträgern an, um den Startschuss für ein Bauprojekt zu geben. Doch es war ein Startschuss, um den „durchaus auch gerungen wurde“, schickte Oberbürgermeister Dirk Abel vorweg. Mitte 2024 entschied der Gemeinderat, dass hier, in einer unscheinbaren Abzweigung im Balinger Norden, ein Neubau aufgezogen werden sollte. Nun kommt er – mit reichlich Verspätung.
Ursprünglich hatte die Stadt eine gemeinsame Notunterkunft mit der Kreisverwaltung geplant. Doch 2024 wurde ersichtlich, dass die sinkende Zahl an Geflüchteten ein Gemeinschaftsprojekt obsolet machte. Also einigte sich der Gemeinderat im Sommer 2024 darauf, selbst tätig zu werden und eine eigene Notunterkunft zu bauen. Die Idee dahinter war, einen Großteil selbst zu stemmen und auf Fördergelder des Landes zu hoffen.
Verwaltung warb für Geduld, das Gremium drängte
So weit, so gut – wäre der Fördertopf „Wohnraum für Geflüchtete“ zur damaligen Zeit nicht bereits leer gewesen. Die Stadt vertagte das Projekt in der Hoffnung, im Folgejahr an die Gelder zu kommen. Doch das Manöver war umstritten: 700.000 Euro kostet das Gebäude, auf 150.000 Euro Fördermittel pokerte die Stadtverwaltung. Stimmen aus dem Gemeinderat pochten darauf, im Falle einer erneuten Absage die Kosten alleine zu tragen. Wohnraum für bedürftige Menschen sei schließlich „Pflicht und keine Kür“, betonte Nathalie Hahn (SPD). Einige Notunterkünfte der Stadt galten da bereits als „menschenunwürdig“. Die Zeit drängte.
Schlussendlich erhielt die Stadt Balingen im Folgejahr die erhoffte Zusage. Im September 2025 gab der Technische Ausschuss grünes Licht. Doch die indes drastisch gesunkene Zahl an Geflüchteten sorgte stellenweise dafür, dass das Vorhaben einmal mehr auf den Prüfstand kam. „Wieso soll man in diesem Fall einen Neubau errichten und anderen Wohnraum leer lassen?“, fragte etwa Wolfgang Rehfuß (CDU). Die Antwort lag auf der Hand: Manche Bestandsgebäude, die die Stadt als Notunterkünfte nutzte, waren noch immer so marode, dass dort eigentlich keine Menschen wohnen konnten – oder sollten.

Startschuss in der Heselwanger Straße 19 – die Projektbeteiligten um Oberbürgermeister Dirk Abel (Mitte) setzen an zum Spatenstich.
Foto: Lea IrionAll das gehört nun der Vergangenheit an. Oberbürgermeister Dirk Abel betonte beim Spatenstich, dass der Wohnraum nicht ausschließlich für Geflüchtete genutzt würde. Es solle „Wohnraum für alle“ sein, die kein Dach über dem Kopf haben. In der Nähe der Heselwanger Straße 19 gibt es bereits seit einiger Zeit einen „Not-Container“. Der aber, fügte Abel an, sei lediglich für einige Stunden, maximal für eine Nacht als Unterkunft nutzbar. Die Polizei hat darauf Zugriff, um wohnungslose Menschen kurzfristig vor Kälte zu schützen. Das ändert sich mit dem Neubau.
131 bedürftige Menschen sind derzeit in Balingen
Maximal 20 Menschen finden darin auf 155 Quadratmetern Platz. Das Gebäude ist indes modular angelegt. Das bedeutet, dass die einzelnen Wohnungen gleich aufgebaut sind und bis zu zwei Menschen beherbergen können. Dank der einfachen Bauweise ließe sich das Gebäude innerhalb von bis zu drei Tagen aufziehen. Es ist obendrauf besonders energieeffizient, was wiederum die Stadt als Trägerin der Energiekosten freuen dürfte. Denn in der Regel sind Notunterkünfte ältere, umfunktionierte Gebäude – häufig mit schlechteren Energieeffizienzklassen.
Die Balinger Stadtverwaltung zählt im Moment 13 Gebäude, die als Notunterkunft genutzt werden, mit insgesamt 26 Wohnungen. In zwei Gebäuden sind Sammelunterkünfte für Männer und Frauen getrennt eingerichtet. 131 Menschen wohnen derzeit in solchen Unterkünften, davon 90 Geflüchtete.
