Kirche in Heiligenzimmern
: Schäden sind größer als erwartet

Zimmerleute stehen vor großen Herausforderungen bei der Restaurierung des südlichen Staffelgiebels in St. Patricius.
Von
(red/pm)
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Blick auf die restaurierte Westseite der Bundachse 29 der Kirche St. Patricius

/Jens Schlehe

Die Sanierung des Dachtragwerks der neugotischen Pfarrkirche St. Patricius geht mit großen Schritten ihrer Vollendung entgegen. Bereits Ende April/Anfang Mai 2025 soll der Sakralbau wieder für Gottesdienste zur Verfügung stehen.

Der dritte große Sanierungsabschnitt umfasste die Restaurierung des südlichen Staffelgiebels zum Glockenturm hin. Auch an diesem war der Dachanschluss in den vorausgegangenen Sanierungen nicht fachmännisch verlegt worden.

Der dritte Sanierungsabschnitt war der herausforderndste: Direkt unter der zu sanierenden Bundachse am südlichen Staffelgiebel sitzt nämlich die große Orgel, deren Orgelprospekt dicht am gedrückten Spitzbogengewölbe entlangläuft.

Die Orgel machte die Sprießungen zu einem herausfordernden und sehr schwierigen Unterfangen: Das Gerüst musste um die Orgel herum gebaut werden.

Die Last von 16 Tonnen wurde über die doppelstöckigen Emporen der Pfarrkirche abgeleitet. Dies war möglich, da die Emporen statisch in einem guten Zustand sind. Um aber Risse und Brüche der Stuckdecken zu vermeiden, wurden die beiden Emporendecken an den Lastauflagepunkten zusätzlich unterstützt.

Der dritte Sanierungsabschnitt stellte die Zimmerleute vor weitere Herausforderungen: Die zu sanierende Bundachse 29, die am südlichen Staffelgiebel verortet ist, wurde beim Bau des Sakralbaus dreiseitig eingemauert.

Dies war erforderlich, um den südlichen Staffelgiebel und den angrenzenden Glockenturm in dieser Art und Weise errichten zu können. Der Glockenturm lastet somit zusätzlich auf dieser Bundachse.Auch die vor dem Start der Sanierung erfolgte, umfassende Schadenskartierung konnte durch die dreiseitige Einmauerung nur die Sichtseite der 174 Jahre alten Balken prüfen. Erst beim Ausbau offenbarte die Bundachse 29 ihren dramatisch schlechten Zustand.

Hausschwamm sorgt für große Schäden im Holz

Eindringendes Regenwasser bedingt schlechten Zustand

Entgegen der eigentlichen Planung war die weitgehende Demontage zwingend notwendig. Dieser Mehraufwand war erforderlich, da die Bundachse in einem derart verheerenden Zustand war, dass die Konstruktion allein nur noch durch die handgeschmiedeten Bolzen gehalten wurde. Beim Lösen dieser Bolzen rissen die Balken vielfach bereits aus, da die Substanz in weiten Teilen nicht im Ansatz mehr vorhanden war. Das massive und über viele Jahrzehnte eintretende Niederschlagswasser sorgte für diesen desaströsen Zustand.

Beim Ausbau wurde auch der für die Bausubstanz sehr gefährliche „echte Hausschwamm“ zwischen den beiden Kehlbalken entdeckt. Bereits alle angrenzenden Balken der Holzkonstruktion waren damit befallen. Zum Glück hat sich der Befall nicht auf das angrenzende Mauerwerk ausgebreitet.

Nur noch Bolzen halten Konstruktion zusammen

Nachdem alle zum Teil schwer beschädigten Holzbauteile ausgebaut und das historische Dachtragwerk am Bund 29 umfassend gereinigt wurde, konnte durch die Zimmerleute der Wiederaufbau der Bundachse 29 erfolgen. Auch die Steinmetze, Gipser, Flaschner und Maler haben ihr Können gezeigt und dem südlichen Staffelgiebel unter der Leitung von Architekt Timo Raible zu altem Glanz verholfen. Zudem wurde der nicht mehr ausreichend tragfähige, historische Dielenboden mit neuen Dielen belegt. Durch diese Vorgehensweise werden die alten, aus der Bauzeit stammenden Dielen erhalten.

Granatsplitter aus dem Zweiten Weltkrieg

Vor allem die Bundachse 29 wurde durch den Beschuss der Alliierten im Zweiten Weltkrieg schwer getroffen. Einzelne Einschläge durch Granatsplitter zeugen noch heute von diesem Beschuss. Durch die behutsame denkmalpflegerische Restaurierung werden die Zeitdokumente erhalten.

Im nächsten Schritt nehmen die Handwerker den vierten und letzten Sanierungsabschnitt im Chorraumdachtragwerk in Angriff.

ZAK News
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Zollernalbkreis Montag bis Samstag im kompakten Überblick.