Kirche Heiligenzimmern: Kunstvolles Turmkreuz wird demontiert

Flaschnermeister Alfred Stier (rechts) ist stolz auf sein Turmkreuz von 1981 (links Jens Schlehe, Gründer der Initiative zur Erhaltung des Kirchenschatzes in St. Patricius).
LohmüllerIm Rahmen der Sanierung des Dachtragwerks der neugotischen Pfarrkirche St. Patricius war in einer Voruntersuchung im vergangenen November das kunstvoll gefertigte Turmkreuz inspiziert worden. Anlass dafür war eine Schiefstellung des Turmkreuzes.
Die Pfarrkirche wurde 1847 auf einer eigens für das Bauwerk geschaffenen Anhöhe erbaut. Allerdings bringt diese exponierte Lage auch den Nachteil mit sich, dass das Gebäude und das Turmkreuz dem Wind direkt und ungeschützt ausgesetzt ist.
Die letzte umfassende Sanierung und Instandsetzung des Glockenturms wurde Anfang der 1980er-Jahre durchgeführt. Damals wurde in einer spektakulären Maßnahme der Turmhelm mittels eines Autokrans abgenommen, der Glockenturm bis unter die Turmuhren abgetragen und neu aufgemauert. Dies war notwendig, da der Turm infolge eines schweren Erdbebens erschüttert wurde, sich daraufhin starke Risse bildeten und das Mauerwerk drohte aufzubrechen. Im Zuge der damaligen Sanierung wurde auch das bis heute verbaute Turmkreuz aufgesetzt. Der Wetterhahn, der in 45 Metern Höhe die Bekrönung des Turmkreuzes darstellt, geht auf das originale Turmkreuz von 1850 zurück.
Das kunstvoll geschaffene Kreuz wurde 1981 von Alfred Stier aus Haigerloch-Gruol erschaffen. Der 92-jährige strahlte vor Freude, als er sein Turmkreuz direkt neben dem Hauptportal in der Pfarrkirche vorfand. Sichtlich stolz begutachtete er das Kreuz, welches er vor 43 Jahren das letzte Mal vor sich hatte. Die Kosten der Vergoldung des Wetterhahns von 1981 spendete damals der Adlerwirt Erich Wörz.
Einschusslöcher und Dellen im alten Wetterhahn
Das ursprüngliche Turmkreuz hat eine bewegte Geschichte: Ein Nachfahre erinnert sich, dass sein Vater Erwin Siedler aus Gruol nach seiner Lehre als Schlosser beim Schmied Hugo Kotz aus Heiligenzimmern gearbeitet hat. Die Pfarrkirche stand im zweiten Weltkrieg unter Beschuss, da im Glockenturm ein Spähposten vermutet wurde. Vermutlich wurde das originale Kreuz damals ebenfalls schwer getroffen und musste aufgrund von Kriegsschäden repariert werden. Diese Restaurierung erfolgte vermutlich beim Schmied Hugo Kotz. An die Montage konnte sich Erwin Siedler sehr gut erinnern. Diese Wiederanbringung des originalen Turmkreuzes erfolgte in der Zeit von 1946 bis 1950. Noch heute können Einschusslöcher und Dellen von Kugeln im alten Wetterhahn erkannt werden.
Das originale Turmkreuz ist dank drei engagierten Heiligenzimmernern heute noch erhalten. Die drei retteten das Turmkreuz vor einer unüberlegten Entsorgung und verwahren es seither sicher, bis es bald am Fuß des Turms wieder aufgestellt werden kann.
Sowohl das alte als auch das Turmkreuz aus den 1980er-Jahren ist bautechnisch an einem sogenannten Kaiserstiel befestigt. Dieser aus Eichenholz bestehende Balken verläuft senkrecht in der Mitte des Turmhelms und mündet in den Fuß des Kreuzes. Durch eindringendes Wasser ist der Kaiserstiel derart geschädigt, dass das Turmkreuz keinen richtigen Halt mehr aufweist und schief steht.
Zu wenig Platz für die Bearbeitung von Innen
Aus diesem Grund wurde das Turmkreuz vorsorglich abgenommen, um ein Herabstürzen des knapp 100 Kilogramm schweren Kreuzes auszuschließen. Im Rahmen einer ebenso spektakulären Aktion demontierten die Zimmerleute der Zimmerei Josef Kessler aus Hirrlingen Ende Juni in gut 43 Metern Höhe das Turmkreuz und brachten es sicher und unbeschadet zu Boden.
Um den geschädigten Kaiserstiel fachgerecht zu sanieren, muss der Turmhelm abgedeckt werden. Eine Bearbeitung von Innen ist durch die beengten Platzverhältnisse nicht möglich. Bis der Glockenturm saniert wird, findet das Turmkreuz seinen Ehrenplatz am Boden direkt über dem Hauptportal im Glockenturm.
Weitere Informationen sind unter www.pfarrkirche-st-patricius-heiligenzimmern.de zu sehen.