Humboldt-Projekt: Kinder sind dem Biber im Schlichemtal auf der Spur

Viel Spaß hatte die Gruppe beim Forschen.
Alexandra Kischkel-BahloIn der letzten Osterferienwoche fand das dreitägige Projekt „Kinder forschen wie Humboldt“ rund um den Ratshausener See statt. Das Gewässer, das vom Fischerverein Schömberg-Balingen bewirtschaftet wird, liegt zwischen Hausen am Tann und Ratshausen.
Zehn Kinder im Alter zwischen neun und dreizehn Jahren waren für das Projekt angemeldet, um mit Alexander von Humboldts Forschungsmethoden den Lebensraum des Bibers zu erkunden. Der berühmte Feldwissenschaftler erfasste schon vor über 250 Jahren die Natur mit einfachen handwerklichen Methoden und hielt seine Entdeckungen in Tagebüchern fest.
Diesen kindgerechten Naturzugang nehmen sich die Stiftungsmitarbeiter Alexandra Kischkel-Bahlo und Hannes Schurr laut Mitteilung seit vielen Jahren zum Vorbild, um Jungforschern in Gummistiefeln und wetterfester Kleidung nachhaltige Naturerlebnisse zu ermöglichen.
Ein Lebensraumgestalter mit Konfliktpotenzial
Der Biber ist seit vielen Jahren im Zollernalbkreis an Seen und Fließgewässern heimisch. Rund um das über zwei Hektar große Stillgewässer konnte die Kindergruppe die Folgen seiner Landschaftsgestaltung in einem Projektbuch dokumentieren: eine Biberburg, umgestürzte Bäume, Wasserrutschen und viele Nageplätze.
Doch die mit Draht ummantelten Laubbäume am Wasser gaben erste Hinweise, dass die Ansiedlung einer Biberfamilie auch Probleme mit sich bringt. Denn der Arbeitseifer von Castor fiber, wie der europäische Biber mit wissenschaftlichem Namen heißt, ist groß: „Die tierischen Tunnelarbeiten im Uferbereich des über die Donau eingewanderten Nagespezialisten ließen ein unkontrolliertes Auslaufen des Sees und damit die Gefahr eines massenhaften Fischsterbens befürchten. Das Problem wurde durch den Fischerverein vorerst mit einer Verdrahtung der Uferböschung gelöst“, heißt es in der Mitteilung.
Kleinlebewesen im See
Dass sich auch andere Lebewesen im Fischersee tummeln, davon konnten sich die Jungforscher am zweiten Tag der Entdeckertour überzeugen. Mit Sieben und Keschern fingen die sieben Mädchen und drei Jungen seltsam aussehende Kleinlebewesen wie die Larven von Köcherfliegen, Libellen und Schwebfliegen. Letztere verbringen das Kinderstadium als sogenannte Rattenschwanzlarven in sauerstoffarmen Gewässern.
Unter dem Bildschirmmikroskop des Umweltmobils Donnerkeil konnten die Kinder das Atemrohr am Hinterteil des ungefähr vier Zentimeter langen Tieres genau erkennen. Damit können die Tiere, so Stiftungsökologe Hannes Schurr, sogar in Güllegruben überleben.
Die Wasserqualität steigt mit dem Sauerstoffgehalt
Am letzten Exkursionstag stand die Untersuchung von Kleinlebewesen in der Schlichem auf dem Programm. Das kleine Fließgewässer verläuft parallel zum Ratshausener See. Ein großer Staudamm vor einer kleinen Brücke zeugte auch hier vom Schaffensdrang des großen Nagetieres.
Die Jungforscher sammelten im Wasser Bachflohkrebse, Eintagsfliegenlarven und viele Dreieckkopfstrudelwürmer. „Die gefundenen Arten gaben Hinweise auf eine sehr gute Wasserqualität.“
Naturbeobachtungen machen glücklich
Beim gemeinsamen Rückblick am Veranstaltungsende waren die Stiftungsmitarbeiter beeindruckt, wie viele Naturentdeckungen die Kinder gemacht hatten. Alexandra Kischkel-Bahlo und Hannes Schurr sind überzeugt, dass die drei Projekttage den Blick der Kinder für das Netz des Lebens, wie Alexander von Humboldt die Wechselbeziehungen zwischen Natur und Umwelt beschreibt, geschärft haben.