Helferportal im Zollernalbkreis
: Pflege buchen wie einen Uber-Fahrer

Im Landratsamt wird bei der diesjährigen kommunalen Pflegekonferenz ein neues Portal vorgestellt. Ob es eingeführt oder genutzt wird? Diese Frage bleibt derzeit offen.
Von
Sebastian Buck
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Thomas Oeben stellte sein Helferportal bei der kommunalen Pflegekonferenz im Balinger Landratsamt vor.

Sebastian Buck

Akteure aus der Pflege waren in den Sitzungssaal des Balinger Landratsamtes eingeladen dieser Tage. Thema: ein Helferportal. Konkret ging es um das Helferportal von Thomas Oeben. Der Mann aus München hat im Jahr 2015 den örtlichen Hilfeverein „dein Nachbar“ aus der Taufe gehoben, als „Praxislabor für neue Versorgungs- und Engagementkonzepte“, wie es auf der Homepage der Plattform heißt.

Oeben selbst, sagt er im gut gefüllten Sitzungssaal des Landratsamts, kommt aus der Logistik und hat die Nachbarschaftshilfe zwei Jahre nach Gründung digitalisiert. Im Vorjahr folgte die Öffnung der Plattform für Gesundheits- und Sozialdienstleister. Aber auch Einzelpersonen können hier ihre Hilfe oder Dienste anbieten.

Aber der Reihe nach. Im Jahr 2031, so rechnete Oeben vor, werde es rund acht Millionen Pflegebedürftige geben, bis dahin fehlen aber rund eine halbe Million Fachkräfte. „Hier trifft ein Mangel auf unzureichende Koordinierung“, prognostiziert er. Es gebe zwar viele Angebote, auch aus der Nachbarschaftshilfe oder von Privatpersonen, doch meist seien das neben sich her existierende „Insellösungen“. Genau hier setzt sein Helferportal an. „Der Haupt-Benefit ist: Wir können so den Pflegemix optimieren“, sagt er.

Registrierung flexibelmöglich

Der Ablauf sieht wie folgt aus: Hilfesuchende oder Anbieter von Hilfeleistungen registrieren sich auf der Plattform, stellen ihren Bedarf oder eben ihr Angebot ein. Dann werden Hilfesuchender und Anbieter gematcht, wie es neudeutsch heißt, also zusammengebracht. Flexibel und niederschwellig sei das, erklärt Oeben, der es so formuliert: „Wir offerieren die Einsätze auf dem Silbertablett.“

ZAK News
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Zollernalbkreis Montag bis Samstag im kompakten Überblick.

Der Anbieter müsse dann nur noch zu- oder absagen, via gleichnamiger „Helferportal“-App auch am Smartphone möglich. danach folgt der Erstkontakt via Videocall. Wichtig: Die hinterlegten Anbieter müssen, wenn sie als Einzelpersonen auftreten, ein erweitertes Führungszeugnis hinterlegen, ebenso den Personalausweis. Eine Hürde, um eine gewisse Qualität der Helfer zu gewährleisten.

Abdeckbar sei über das Helferportal vieles, von der hauswirtschaftlichen Arbeit bis hin zur Fahrt zum Arzt. Verschiedene Filter und Angaben in den Formularen helfen, die Angebote und Gesuche genau aufeinander abzustimmen.

Das Ziel: „Die Hilfesuchenden sollen schnell wie beim Nutzen von Uber eine Leistung erhalten“, sagt der bayerische Unternehmer. Für Menschen, die Hilfe suchen, sei die Registrierung auf der Plattform übrigens kostenlos. Auch bei Einzelpersonen sei das so. Wie sich die Plattform dann finanziere?, kam die Frage aus der Teilnehmerrunde. „Wir müssen da puzzeln“, so die Antwort von Thomas Oeben. Beteiligt sich ein Träger, etwa eine Kommune, daran, dann würden aber 415 Euro je Monat fällig.

Bei größeren Einheiten wie einer Sozialstation müsste dann individuell verhandelt werden, kristallisierte sich im weiteren Verlauf heraus. Geschickter wäre es also, wenn etwa der Landkreis die Trägerschaft übernehme. Das jedoch, so die Auskunft der anwesenden Landratsamts-Vertreter, sei aktuell nicht angedacht. Die Veranstaltung zum Helferportal sei rein informativer Natur.

Konkurrenz für etablierte Anbieter?

Eine Sorge von den etablierten Sozialdiensten: Ein solches Portal würde diese Dienste „kaputtmachen“, so die Befürchtung. Eben deshalb, weil natürlich Einzelpersonen diverse Dienstleistungen günstiger anbieten könnten als ein mit ausgebildeten Fachkräften operierender Sozialdienst.

Es gebe doch sowieso zu wenige Anbieter, die Aufgaben übernehmen könnten, konterte Oeben daraufhin. Sein Einwand, in München etwa werde man als Anbieter von Aufträgen erschlagen, fand wenig Anklang. „Wir sind hier nicht in München“, bekam der Bajuware forsch zurückgemeldet.

Ein anderer Teilnehmer an der Pflegekonferenz konnte diese Sorge der Konkurrenz nicht teilen: „Wann hat die Sozialstation zum letzten Mal jemandem den Rasen gemäht?“, wollte der wissen. Logischerweise gibt es für solche Bedarfe keine Kapazitäten.

Und genau das meint auch Thomas Oeben, wenn er von „Pflegemix“ spricht – die Angebote sollen sich nach Möglichkeit ergänzen. Auch die kurzfristigen Anliegen, eine spontane Fahrt zum Bahnhof am Samstagmorgen könne über sein Helferportal so abgedeckt werden, warb Oeben um die Gunst der anwesenden Akteure aus dem Pflegesektor.

Kurios beim Thema Finanzierung: Registrieren kann man sich bereits, auch wenn es noch keinen offiziellen Träger im Zollernalbkreis gibt. Stuttgart komme als Stadt ab Oktober ins System, so Oeben. Auch Hannover oder der Kreis Hildburghausen in Thüringen seien an Bord.

Einige im Saal drückten den Wunsch aus, der Landkreis möge das zentralisiert in die Hand nehmen. Immerhin: Mit Davide Licht war ein Mitglied des Kreistages zugegen. Der Burladinger Bürgermeister machte sich eifrig Notizen – es wird sich zeigen, ob aus seiner Fraktion der Freien Wähler das Thema demnächst im Kreistag angesprochen wird.