Gotthilf Baumann ist tot: Vom Schneidermeister zum Dekan des Kirchenbezirks Balingen

Das Bild zeigt den Verstorbenen bei einem Vortrag im Jahr 2010 in Oberndorf-Aistaig, wo er über seinen Lebensweg vom Schneider zum Pfarrer erzählte.
ArchivDer frühere Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Balingen, Gotthilf Karl Baumann, ist am 2. Juli im Alter von 87 Jahren gestorben. Acht Jahre lang, von 1994 bis 2002, leitete er das Dekanat.
Dekan Michael Schneider erinnert sich an den Verstorbenen: „Er war eine beeindruckende Persönlichkeit, ich bin froh, ihn kennengelernt zu haben.“
Denn Baumann, geboren am 7. November 1937 in Backnang, kam über Umwege zum Dienst am Altar. Ursprünglich hat er das Schneiderhandwerk gelernt, trug sogar den Meistertitel. Durch das Landesgewerbeamt Stuttgart wurde er in den Arbeitskreis für Rationalisierung berufen, und entwickelte rationelle Verarbeitungsmethoden für Handwerk und Industrie, die bis heute angewendet werden.
Ehrenringträger der Gemeinde Bitz
Auf dem zweiten Bildungsweg wurde er schließlich Pfarrer „aus Überzeugung“, wie Dekan Schneider erzählt. Sein Weg bei der evangelischen Kirche begann im Alter von 30 Jahren: Von 1968 bis 1970 war er Pfarrverwesen von Boll/Oberndorf. Von 1970 bis 1987 war er Pfarrer in Bitz. „Mit Einsatz, Wärme und Weitsicht prägte er unsere Gemeinde nachhaltig.
Er war Seelsorger, Mittler und Impulsgeber – in Kirche und Gesellschaft. Sein Engagement reichte weit über die Kanzel hinaus: In der Schule, den Bitzer Vereinen und Organisationen war er ein geschätzter Ansprechpartner. „Seine offene Art baute Brücken, sein Gespür für Menschen schuf Vertrauen“, schreibt die Bitzer Bürgermeisterin Raphaela Gonser im Nachruf der bürgerlichen Gemeinde. Als Zeichen der Anerkennung für sein Wirken erhielt er 1987 den Ehrenring .
Von 1994 bis 2002 war er Dekan
Als nächstes führte ihn sein Weg nach Langenau im Alb-Donau-Kreis, wo er bis 1994 Pfarrer war, ehe er als Dekan im Kirchenbezirk Balingen eingesetzt wurde. In dieser Zeit habe er mehrere Bauvorhaben umgesetzt, das Gemeindehaus generalsaniert, Nasszellen im Haus Bittenhalde eingebaut, den Anbau im Dekanatsamt realisiert und das Verwaltungsgebäude in der Ölbergstraße umgebaut. Außerdem hat er die Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle in der Diakonischen Bezirksstelle geschaffen und eine Stelle zur Armutsberatung eingerichtet. Balingen blieb auch im Ruhestand seine Wahlheimat.
„Baumann war von einer tiefen Frömmigkeit geprägt, und er war Gott dankbar dafür, dass er ihn uns seine Familie wunderbar geführt hat. Seine offene kommunikative Art baute Brücken“, erinnert sich Dekan Schneider.
Organisationstalent mit Weitblick
Der frühere Dekan war ein Organisationstalent und hatte bei Entscheidungen den nötigen Weitblick. Er hat sich besonders bei der Deutsche Ostasienmission engagiert und war von 1967 bis 2002 der Vorsitzende der DOAM Württemberg. Im Evangelischen Missionswerk in Süddeutschland war er im Finanzausschuss. Im Zollernalbkreis war er maßgeblich an der Gründung der „Amsel – Selbsthilfegruppe für MS-Kranke“ beteiligt. Der Evangelische Blinden- und Sehbehindertendienst, dessen Vorstandsvorsitzender er viele Jahre lang war, war eine besondere Herzensangelegenheit des Verstorbenen.
Baumann hinterlässt seine Frau Sigrid, seine zwei Kinder und zwei Enkelkinder.
Der Trauergottesdienst mit anschließender Beisetzung findet am Freitag, 11. Juli, ab 13 Uhr in der Balinger Friedhofskirche statt.