Gesundheit in Balingen
: Das ist das Zaubermittel gegen Stress

Mental-Coach Hans-Dieter Hermann verrät in Balingen viele Gegenstrategien, mit denen er auch bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft erfolgreich war.
Von
Katja Weiger-Schick
Oberndorf
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Mental-Coach Hans-Dieter Hermann

Weiger-Schick

Die To-do-Liste wird lang und länger. Überstunden stehen an, Oma muss zum Arzt, der Junior schreibt Mathe. Das alles verursacht Stress. Hans-Dieter Hermann, der einstige Mental-Coach der deutschen Fußballnationalmannschaft, wusste in Balingen Abhilfe.

Auch Müller, Klose und Götze waren ein Thema

Auch Müller, Klose und Götze waren Thema

Auf Einladung der DAK berichtete er im kleinen Saal der Balinger Stadthalle lebhaft und überaus unterhaltsam aus seiner Arbeit. Er zeigte anschauliche Praxisbeispiele auf, flocht kleine Anekdoten ein und plauderte aus dem Nähkästchen. Da ging es um den einstigen Bayern-Star Thomas Müller, um die Mannschaftsdienlichkeit von Miroslav Klose oder um Mario Götze. Dieser hatte Deutschland bekanntermaßen im Jahr 2014 durch sein Tor in Brasilien zum Weltmeister gemacht.

Hans-Dieter Hermann ließ keinen Zweifel daran, dass Sportpsychologie in jeden Trainingsalltag gehöre und dort immer genügend Platz da sein müsse für mentale Themen. Vor allem stellte der Fachmann jedoch eindrücklich unter Beweis, warum der Abend den Titel trug: „Stress? Nicht mit mir!“. Häufig, so erfuhren seine aufmerksam lauschenden Zuhörer, brauche es gar nicht viel, um aus einer stressigen Angelegenheit eine weniger stressige werden zu lassen. Das Programm dieses besonderen Abends war zweigeteilt. Zuerst gab es einen Impulsvortrag. Anschließend folgte eine kurze Talkrunde mit Moderator Manuel Schmoll.

Jeder definiert Stress anders

Hermann, unter anderem tätig am Institut für Sportwissenschaft der Eberhard-Karls-Universität in Tübingen, beschrieb anschaulich, warum sich immer mehr Menschen in ihrem Alltag gestresst fühlen. Und zwar permanent und unerheblich, ob 18-jähriger Student oder 45-jährige Angestellte.

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Menschen jeden Alters können Stress haben

Jeder, konstatierte der Referent, bewerte und definiere Stress anders. Sprich: Was für den einen unsagbare Hektik bedeute, sei für den anderen das reinste Vergnügen. Damit, so folgerte Hermann, sei Stress abhängig von subjektiven Erfahrungen und der Frage, wie man selbst Situationen einschätze. Ob als fiese Bedrohung oder willkommene Herausforderung, so der Referent.

Hermann zitierte in seinem Vortrag aus den Theorien des so genannten „Stressmodells“. Dieses beruht auf dem amerikanischen Psychologen Richard Lazarus: „Stress entsteht nach der Bewertung einer Situation.“ Hans-Dieter Hermann folgerte kurz und bündig: „Stress entsteht im Kopf.“

Das Zaubermittel gegen Stress

Ein Zaubermittel gegen Stress hat der Mental-Coach bereits ausgemacht: Resilienz. Dahinter steckt die Fähigkeit, komplexe Lebenssituationen zu bewältigen und sich davon zu erholen. Einfach erklärt: eine Art seelisches Immunsystem, das einen dabei unterstützt, Krisen zu meistern, handlungsfähig zu bleiben und dennoch optimistisch nach einer Lösung zu suchen.

Hans-Dieter Hermann selbst glaubt an das Gute: „Resilienz ist wie ein Muskel“, bekräftigte er, „jeder kann lernen, ihn zu trainieren.“ In Balingen definierte der bekannte Sportpsychologe zehn Resilienz-Strategien.

Die erste lautete: Identifiziere Deine Stressoren. Also: Finde heraus, was Dich stresst. Denn: „Wer seine persönlichen Auslöser kennt, kann im Alltag bewusst gegensteuern und neue Energie tanken.“ Eine weitere Regel: „Lade Deinen Akku auf.“ Ferner, so betonte Hermann, hätten Menschen, die sich entscheiden können, weniger Stress als jene, denen das nicht gelinge. Entscheidungsfreude minimiert laut Hermann Stress genauso wie guter Schlaf. Für den Schluss hatte sich der gebürtige Ludwigsburger eine besondere Regel aufgespart.

Und zwar die, idealerweise nichts halbfertig in der Pipeline hängen zu lassen: „Mach fertig.“