Gesundheit im Zollernalbkreis
: Immer mehr übergewichtige Kinder

Das Zollernalb Klinikum startet eine erneute Initiative gegen Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen. Das sagt Ernährungsberaterin Elvira Kalbacher.
Von
(mjd)
Oberndorf
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Ernährungsberaterin Elvira Kalbacher will Kinder und Jugendliche stärker für das Thema gesunde Ernährung sensibilisieren. Ab Mitte September bietet sie daher einen entsprechenden Präventionskurs an.

Zollernalb Klinikum

Gesund ernähren, aber wie? Bereits vor einigen Jahren hatte das Zollernalb Klinikum eine Initiative gegen Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen ins Leben gerufen.

Nun bietet Ernährungsberaterin Elvira Kalbacher Präventionskurse an, die den Kindern nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Tipps an die Hand geben.

Denn: Laut einem Bericht der Fachzeitschrift „The Lancet“ hat sich der Anteil der stark übergewichtigen Menschen in der Bevölkerung seit 1990 mehr als verdoppelt.

Bei Heranwachsenden im Alter von fünf bis 19 Jahren hat sich dieser Anteil sogar vervierfacht. Kalbacher spricht über diese Entwicklung und gibt Tipps, wie Eltern ihre Kinder stärker für das Thema Gesunde Ernährung sensibilisieren können.

Wie ist Kalbacher’s Einschätzung zu dieser Entwicklung?

Immer mehr Kinder und Erwachsene sind übergewichtig. Zu den Ursachen gehören Bewegungsmangel und unsere Essgewohnheiten“, sagt die Ernährungsberaterin. Dieses Problem bestehe nicht erst seit Corona, doch die Pandemie habe die Lage insgesamt noch verschlechtert. „Übergewicht und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen stellt ein zentrales Gesundheitsproblem dar.“

Warum fällt es vielen Kindern schwer, sich gesund zu ernähren und welche Rolle spielen hierbei die Eltern?

Dazu sagt die Ernährungsberaterin: „Wir sind von klein an auf ‚süß‘ programmiert, das heißt es ist evolutionär bedingt. Die Muttermilch ist süß, die Säuglingsmilch ist süß. Süßlicher Geschmack bedeutet, dass es für unseren Körper nicht schlecht sein kann – also verschimmelt oder nicht genießbar.“ Und weiter: „Die anderen Geschmacksrichtungen müssen von Kindern erlernt werden, indem man es ihnen anbietet. Neue Lebensmittel müssen manchmal bis zu 30-mal angeboten werden, vor allem bei den wichtigen Lebensmitteln, wie Gemüse und Vollkornprodukte.“ Die Eltern nehmen dabei eine wichtige Rolle ein: „Das Anbieten der Lebensmittel und natürlich in ihrer Vorbildfunktion. Denn die Kinder orientieren sich daran, was ihre Eltern sagen und tun.“

Was ist das Ziel des Kurses?

„Das Ziel des Kurses ist es, den jungen Teilnehmern ein bedarfsgerechtes und gesundheitsbewusstes Essverhalten näherzubringen“, so Kalbacher. Im Verlauf des Kurses werden die Kinder mit der Ernährungspyramide vertraut gemacht, lernen den Zuckeranteil in verschiedenen Softgetränken kennen und erfahren, was ein echtes Vollkornbrot ausmacht. Neben diesen praktischen Informationen wird gemeinsam mit den Kindern über zentrale Fragestellungen zum Thema Übergewicht gesprochen, um ein tieferes Verständnis für gesunde Ernährung zu fördern.

Welche Tipps hat die Expertin für Eltern parat, deren Kinder betroffen sind?

„Frühzeitig Hilfe holen. Bei zertifizierten Ernährungsberater oder auch durch einen Besuch eines Präventionskurses für Kinder und Jugendlichen.“ Denn: „In diesem Setting werden nicht nur die Kinder, sondern die ganze Familie unterstützt Erlerntes in den Alltag umzusetzen.“

Wie beurteilt Kalbacher es, wenn Süßigkeiten an der Supermarktkasse ausgelegt sind?

Kalbacher weiß: „Das Aufstellen von Süßigkeiten an der Supermarktkasse ist ein schon lang umstrittenes Marketinginstrument. Einerseits ziehen die bunten Verpackungen an der Kasse die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich, was dazu führen kann, dass sie um Süßigkeiten bitten. Für Eltern ist dies oft sehr frustrierend, besonders wenn sie versuchen, eine gesunde Ernährung für ihre Kinder zu fördern.“ Viele Eltern würden sich daher unter Druck gesetzt fühlen, den Wünschen ihrer Kinder nachzugeben, was die Herausforderung verstärkt, gesunde Essgewohnheiten zu vermitteln.

Wie beurteilt die Expertin die Pläne der Regierung, Regeln für Werbung abzuschaffen, die sich an Kinder richtet?

„Diese Pläne sind grundsätzlich positiv zu bewerten“, findet Kalbacher. „Werbung hat einen großen Einfluss auf das Verhalten und die Einstellungen von Kindern, die oft nicht in der Lage sind, die Absichten von Werbung kritisch zu hinterfragen.“ Regeln könnten dazu beitragen, Kinder vor manipulativen oder übermäßigen Marketingstrategien zu schützen.

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