Gasthaus in Dormettingen: „Rössle“ verschwindet noch dieses Jahr

Noch in diesem Jahr fällt das frühere Gasthaus Rössle der Spitzhacke zum Opfer.
SchweizerNach der Getreidemühle und der Dreschhalle kommt mit dem „Rössle“ ein weiteres ortbildprägendes Gebäude unter die Spitzhacke. Wenn auch seit über 30 Jahren kein Bier mehr über die Theke gegangen ist, fällt den Dormettingern der Abschied sicherlich nicht leicht.
Hochzeiten, Taufen, Erstkommunionen – nicht wenige Familien haben hier groß gefeiert, Jahrgänger und Cliquen trafen sich zum Kegeln, die Vereine hielten regelmäßig ihre Vorstandssitzungen und Hauptversammlungen ab, die Musiker am 28. Juli 1948 auch die Neugründung nach dem Zweiten Weltkrieg.
Insbesondere die Narren waren dem Lokal eng verbunden, denn vor dem Bau der Turnhalle wurden hier die Bunten Abende und 20er-Bälle abgehalten, und am Fasnetsdienstag stärkten und wärmten sich Klotzmesser und Fuchswadel zwischen und nach den Umzügen im Saal.
Nicht zuletzt wegen der legendären Brathähnchen kehrten auch viele Auswärtige ein. Die Wirtschaft verfügte zudem über Fremdenzimmer.
Zuschuss bewilligt
Der Abbruch ist schon lange beschlossene Sache, auf der freiwerdenden Fläche soll ein kleines Baugebiet entstehen. Nachdem mittlerweile auch der Antrag auf einen Zuschuss aus dem Ausgleichsstock bewilligt worden ist, kommt nach der Sommerpause das Baugesuch auf die Tagesordnung des Gemeinderats.
„Die Ausschreibung für den Abbruch erscheint nächste Woche im Amtsblatt“, informiert Bürgermeister Horst Lehmann, der am Donnerstag, 25. September, seine erste Sitzung leitet. Er geht davon aus, dass im November die Bagger anrücken. Wenn das Wetter mitspielt, könnte also noch dieses Jahr das „Rössle“ aus der Äußeren Dorfstraße verschwunden sein.
55 510 Euro fließen nach Dormettingen
Der Abbruch und die Wiederherstellung des Giebels an dem Gebäude, an das die Gaststätte grenzt, schlägt mit knapp über 165 000 Euro zu Buche. Die Finanzierung ist gesichert: Aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum fließen 55 510 Euro nach Dormettingen, und seit Anfang des Monats steht fest, dass aus dem Ausgleichsstock weitere 40 000 Euro kommen.
200 Jahre Geschichte
Das „Rössle“ kann auf eine über 200-jährige Geschichte zurückblicken. Im Heimatbuch „1200 Jahre Dormettingen – Geschichte eines Dorfes“ ist Johann Baptist Edelmann als Eigentümer im Jahr 1821 genannt. Sein Sohn Anton übernahm die Wirtschaft um das Jahr 1836. Von Anton Edelmann kaufte die Witwe von Meinrad Edelmann das „Rössle“ im Jahr 1848. Der Sohn Bonifaz Edelmann erwarb von seiner Mutter 1864 die Wirtschaft. Bonifaz, so steht geschrieben, bestätigte sich nebenbei noch als Chirurg. Nachdem Bonifaz Edelmann verstorben war, führte die Witwe das Lokal bis zu ihrem Tod im Jahr 1901 weiter.
Lorenz Pfaff übernahm 1954
Da die Ehe kinderlos blieb, verkauften die Erben das Gasthaus an einen anderen Dormettinger, an Anton Edelmann. Edelmann war aber nicht lange Wirt, ihm folgte der Bildhauer Ignaz Pfaff. 1937 übernahm dessen Sohn Lorenz Pfaff, der ebenfalls Bildhauer war und als Maskenschnitzer vielen Narrenfiguren im weiteren Umkreis ihre Gesichter gab, das „Rössle“. Pfaff verkaufte es 1954 dann an seinen Schwager Alfred Haile. Von 1958 bis Anfang der 1990er-Jahre führten schließlich Alfred Haile junior und seine Frau Hilda das Traditionswirtshaus.