Friedrich Scholte-Reh sagt im Sommer Adieu: Wie aus sechs Wochen 34 Jahre in Balingen wurden

Friedrich Scholte-Reh in seinem Büro im Landratsamt
DickEs ist Ende Februar, wenige Tage vor dem Schmotzigen, als wir Scholte-Reh im Landratsamt besuchen. Wie alles hier begann? „Mit einer Initiativbewerbung“, sagt der gebürtige Rheinländer grinsend und lehnt sich im Schreibtischstuhl zurück. „Ich wollte immer weg von zu Hause, entweder nach Schleswig-Holstein oder nach Baden-Württemberg.“
Doch der Reihe nach. Nach Abi und Bundeswehr begann Scholte-Reh, Jahrgang ’59, Geologie und Geografie in Münster zu studieren. Danach Arbeit zu finden – das war Ende der 80er-Jahre – sei nicht gerade einfach gewesen: „Auf dem Arbeitsmarkt herrschte damals eine Akademikerschwemme.“
Und so strandete er zunächst in Weil am Rhein im Kreis Lörrach, wo er als Umweltberater arbeitete. Ein diebisches Lächeln huscht über sein Gesicht, als er sich an die Zeit dort im Dreiländereck erinnert: „Sonntagsmorgens bin ich immer mit dem Rad nach Frankreich und in die Schweiz gefahren, um Brötchen und Käse fürs Frühstück zu holen.“ Das klingt nach einer richtig guten Zeit – und trotzdem streute Scholte-Reh weiter Bewerbungen, bis ihn Landrat Heinrich Haasis 1991 ins Abfallwirtschaftsamt nach Balingen holte. „Der Zollernalbkreis“, sagt er lachend, „ich wusste davor nicht mal, dass es den gibt.“
Freunde gaben ihm maximal sechs Wochen in der Behörde
Seine Freunde gaben ihm damals maximal sechs Wochen in der Behörde, dann wäre er dort wieder raus. Warum das? „Na wegen meiner Art“, meint er. Dass er öfter einen Spruch auf den Lippen hat, ist allseits bekannt. Aber vor allem seinen Mitarbeitern ist bekannt, dass er auch ein Arbeitstier ist. Als die Bisinger Narren am Schmotzigen das Landratsamt stürmen, sind seine Mitarbeiter als Totengräber verkleidet – ein Hyperlink auf das Ende der „Ära Scholte-Reh“ im kommenden Sommer. Das Arbeitstier Scholte-Reh, der „Ideenminister“, habe nämlich immer zwei, besser drei Projekte gleichzeitig am Laufen gehabt, erzählt eine Mitarbeiterin beim Narrensturm. „Er arbeitet viel, und er fordert viel von uns“, meint sie noch. Und er habe ein ungewöhnlich direkte Art, aber: „So wie er austeilt, so steckt er auch ein.“
Dennoch hat Scholte-Reh, wie er selbst sagt, drei Landräte „überlebt“, den aktuellen inklusive. Und seine Mitarbeiter lobt er indirekt: „Die sind wichtig und engagiert.“ Ohne sie gehe es nicht.
Die wichtigsten Meilensteine seiner Laufbahn stehen übrigens auch auf den Plakaten seiner „Totengräber“ am Schmotzigen: Die Einführung der Biotonne in 1991 als erster Landkreis Baden-Württembergs, 2001 die Einführung des Wiegesystems für Hausmüll, und auch den „Sperrmüll auf Abruf“ haben die Zollernälbler ihm zu verdanken – das war 2011.
Nur eines hat er nie kapiert
Die Schwaben lernte er im Laufe der Jahre zu mögen: „Ich mag die Ehrlichkeit und die Direktheit“, sagt er. Ihren Dialekt lernte er verstehen – der sei „interessant“, wie er schmunzelnd bekennt. Nur eines habe er nicht kapiert und nie teilen können: „Die Vorliebe der Schwaben für Linsen, Saitenwürschtle und Spätzle.“
Einer, der nie Überstunden scheute, der als Leiter der Abfallwirtschaft auch noch das Umweltamt erbte, der im Imkerverein wirkte und im OGV – was tut so einer nur im Ruhestand?
Viel Spaß und gute Laune“ – das hält gesund
Wer jetzt viele Pläne erwartet, wird enttäuscht: „Ich weiß es noch nicht“, sagt Friedrich Scholte Reh. „Ab 1. Oktober habe ich keine Termine mehr.“ Reisen sei auf jeden Fall nicht so seins. Jedenfalls nicht, wenn er auswärts übernachten müsste: „Ich bin ein Heimschläfer“, bekennt er grinsend. Das liege auch in den Familiengenen. Vielleicht arbeite er noch ein wenig in seinem bisherigen Bereich weiter – wie und wo, mal sehen.
Die Doppelfunktion als Leiter der Abfallwirtschaft und des Umweltamts jedenfalls wird nach seinem Ausscheiden wieder auf zwei Stellen aufgeteilt. Was er seinen Nachfolgern wünsche? „Viel Spaß und gute Laune“, meint er. Denn das halte gesund.