Engstlatt und Streichen
: Widerstand gegen Schließung – Petitionen für Balinger Freibäder laufen an

Der Technische Ausschuss berät über die Zukunft der Bäder in Engstlatt und Streichen. Vorab haben bereits Hunderte für den Erhalt der beiden Freibäder unterzeichnet.
Von
Julia Gern
Balingen
Jetzt in der App anhören
Freibad in Balingen-Streichen: Es wird nochmals sommerlich warm.

Freibad in Balingen-Streichen: Eine Schließung steht im Raum.

Gern
  • Balingen diskutiert über Schließung der Freibäder in Engstlatt und Streichen – Petitionen laufen.
  • Engstlatt-Petition fordert städtische Trägerschaft und Finanzierung der Sanierungen.
  • In Streichen übernimmt die DLRG die Badeaufsicht, die Stadt stellt die Technik sicher.
  • Unterzeichnet haben rund 1400 für Engstlatt und etwa 1100 für Streichen.
  • Ausschuss berät diese Woche, Entscheidung im Gemeinderat fällt Ende November.

Die Zusammenfassung wurde von einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt.

Die mögliche Schließung der Freibäder Engstlatt und Streichen schlägt in Balingen und darüber hinaus hohe Wellen. Kurz nach Bekanntwerden der für Donnerstag geplanten Beratungen im Technischen Ausschuss der Stadt Balingen wurden zwei Petitionen gestartet.

Die eine heißt: „Rettet das Freibad Engstlatt – Schließung stoppen!“ Knapp 2000 Einwohner zählt der Balinger Stadtteil. Auch Bürger von außerhalb können die Petitionen unterstützen. Am Sonntagnachmittag hatten bereits gut 1400 Menschen unterzeichnet.

Forderung: Schließungspläne vom Tisch nehmen

„Wir fordern den Gemeinderat der Stadt Balingen und Oberbürgermeister Dirk Abel auf, das Freibad Engstlatt in städtischer Trägerschaft zu belassen, die anstehenden technischen Sanierungen voll zu finanzieren und alle Schließungspläne endgültig vom Tisch zu nehmen“, wird in der Petition zu Engstlatt betont; als Initiatorin wird Simone Haas genannt.

Ein reiner Bürgerverein könne die anstehenden Großinvestitionen nicht allein stemmen. Im Gegenteil: Die Stadt müsse „die finanzielle Verantwortung für den jahrelangen Sanierungsstau tragen“.

Zollernalbkreis

Alles Wichtige aus dem Zollernalbkreis.

Zum Whatsapp Kanal

„Unsere Großväter haben das Freibad in Eigenleistung gebaut“

In rund 500 Kommentaren wird häufig für den Erhalt des Bades plädiert. Unter anderem: „Es ist ein wichtiger Treffpunkt für Kinder, Jugendliche, Familien und die gesamte Bevölkerung. Es bedeutet Lebensqualität, Gemeinschaft, Begegnung und ein Stück Heimat. Gerade solche Orte sollten erhalten und nicht aus rein wirtschaftlichen Überlegungen infrage gestellt werden.“

Oder: „Unsere Großväter haben das Engstlatter Freibad in Eigenleistung für sich und alle kommenden Generationen gebaut.“ Und: „Manche Einrichtungen sind einfach nicht geschaffen für Gewinne. Es ist staatliche Aufgabe, diese Einrichtungen dennoch aufrechtzuerhalten. Deshalb bezahlt man Steuern.“

DLRG Streichen übernimmt Badeaufsicht

Für das Streichener Bad wiederum sind seit Jahren Ehrenamtliche der dortigen DLRG-Ortsgruppe im Einsatz. In zahlreichen Stunden Eigenleistung sorgen sie dafür, dass im Sommer in einem großen Schwimmbecken sowie in einem Kinderbecken gebadet werden kann. Auch der dortige Kiosk wird von der DLRG betrieben.

Die „Petition zum Erhalt des Freibads Streichen in städtischer Trägerschaft“ hat derzeit rund 1100 Unterzeichner bei etwa 550 Einwohnern.

Initiiert wurde sie von der Streichener Dorfgemeinschaft. Betont wird: „Die DLRG-Ortsgruppe Streichen übernimmt zuverlässig die Badeaufsicht gegen eine Aufwandsentschädigung. Die Stadt beziehungsweise die Stadtwerke kümmern sich um die technischen und betrieblichen Rahmenbedingungen.“ Diese klare Aufgabenverteilung funktioniere seit Jahren und entlaste die Stadt erheblich.

Ein Unterzeichner schreibt: „Setzt den Rotstift bitte da an, wo sinnlos Geld verschleudert wird und nicht an diesem wunderbaren Herzensprojekt!“ Ein anderer: „Die Mitglieder opfern unzählige Stunden ihrer Freizeit für die Badeaufsicht, die Instandhaltung des Bades und dafür, unseren Kindern das Schwimmen beizubringen.“

Mehr Freibäder als in vergleichbaren Kommunen

Im Technischen Ausschuss wird diese Woche diskutiert, ob die städtische Trägerschaft der beiden Freibäder enden soll – spätestens zum Zeitpunkt der Inbetriebnahme eines neuen Kinderbeckens im Balinger Freibad.

Die Besucherzahlen lagen offiziellen Angaben zufolge zuletzt pro Jahr bei gut 48.000 in Balingen, bei rund 10.500 in Engstlatt und bei etwa 8200 in Streichen. Kostenschätzungen zeigen: Für das Balinger Freibad wird für aktuell umzusetzende Maßnahmen mit 5,4 Millionen Euro gerechnet, für Streichen mit 2,1 Millionen Euro, für Engstlatt mit 1,5 Millionen Euro.

Betont wird den Unterlagen zufolge, dass Kommunen vergleichbarer Größe weniger Freibäder betreiben als Balingen: So ist es beispielsweise in Hechingen, Albstadt oder Rottweil je eines. Durch die rein öffentliche Nutzung hätten die kleinen Freibäder Streichen und Engstlatt zwar „einen hohen Freizeitwert und einen hohen gesellschaftlichen und lokalpolitischen Stellenwert“. Für die „originäre kommunale Pflichtaufgabe der Daseinsvorsorge“ wiederum leisteten sie nur einen nachrangigen Beitrag, seien somit nicht zwingend erforderlich. Die endgültige Entscheidung fällt der Gemeinderat Ende November.