Café Baier in Schömberg
: So hält sich die Bäckerei seit 150 Jahren

Als Johann Baier, der Ur-ur-ur-Großvater von Heiko Baier den Familienbetrieb mit seinem Sohn Josef in Schömberg gegründet hat, regierte in Deutschland noch der Kaiser. Das Café Baier mit Bäckerei und Hotel feiert in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen.
Von
Beate Marschal
Oberndorf
Jetzt in der App anhören

Heiko Baier führt gemeinsam mit seiner Frau Gabi das Café Baier- Das Bild zeigt sie mit ihrer Mitarbeiterin Heike Binder, die eine Neckar-Alb-Torte in den Händen hält.

Marschal

Dass die Bundesbürger ihre Backwaren, Brot, Brötchen und die Brezel lieben zeigt allein schon, dass die deutsche Brotkultur seit 2014 immaterielles Weltkulturerbe ist. Gleichzeitig gibt es immer weniger inhabergeführte Bäckereien, die Fußgängerzonen sind dominiert von Bäckereiketten. Doch auch diese haben es heute schwer, was nicht zuletzt die Häufung an Insolvenzen von Großbäckereien in der Region wie zuletzt Sternenbäck und Krachenfels zeigten.

In Schömberg gibt es eine Bäckerei, welche die Jahrzehnte übersteht. Eine, in der die Zeit scheinbar stillsteht, und die sich doch stetig weiterentwickelt. Das Café Baier an der Schömberger Ortsdurchfahrt feiert in diesem Jahr sein 150-jähriges Bestehen. „Und hoffentlich nochmals 150 Jahre“, sagt Heiko Baier schmunzelnd, der die Bäckerei mit Café, die doch viel mehr ist als das, gemeinsam mit seiner Frau Gabi in sechster Generation führt. Der 49-Jährige ist quasi in der Backstube groß geworden und hat die Geschäftsführung 2014 von seinem Vater Dieter Baier übernommen. Der 85-jährige Seniorchef ist aber noch sehr präsent zwischen Backofen und Verkaufstresen.

„Wir leben Tradition und Leidenschaft“

Doch wie schaffen es die Baiers, in einer von Kostendruck dominierten Zeit, in der viele Kunden auf günstig und schnell verfügbar setzen, weiter zu bestehen? „Wir leben Tradition und Leidenschaft“, erklärt der Bäcker- und Konditormeister. „Und ich glaube, das schätzen die Leute.“

Die Baiers haben ein Team, das die Wünsche der Kundschaft kennt.

Foto: privat

Viele der Menschen, die den urigen Verkaufsraum betreten, sind Stammkunden. Sie werden mit Namen begrüßt und Gabi Baier und die Verkäuferinnen, die teilweise seit vielen Jahren in der Bäckerei arbeiten, kennen die individuellen Kundenwünsche. „Das Persönliche ist viel wert, das suchen die Leute“, meint Baier und betont, dass das Zwischenmenschliche in Bäckerei und Café ein hohes Gut ist. „Ein Haus lebt von einer Seele und da ist ein familiäres und gesundes Klima wichtig“, so der Chef weiter. „Das ist mitunter unser Erfolgsgarant.“ Die Nähe zu den Kunden zeige sich auch darin, dass er und sein Team versuchen, auf die individuellen Wünsche einzugehen – etwa wenn es um spezielle Torten zu besonderen Anlässen geht. Bis vor einigen Jahren habe sogar noch eine Schömbergerin ihren eigenen Teig in die Backstube gebracht, der dort dann extra für sie ausgebacken wurde.

Mehrere Standbeine

Baier gibt zu, dass auch das Café Baier wie viele Handwerksbetriebe mit den Herausforderungen der aktuellen Zeit zu kämpfen hat. Die Preise für Energie, Backzutaten und beispielsweise Kaffee seien in den vergangenen Jahren enorm gestiegen, außerdem belaste die ausufernde Bürokratie. Dennoch hält sich das Familienunternehmen wacker, auch weil es neben dem traditionellen Bäckerhandwerk auf mehrere Pferde setzt. Zu der Bäckerei mit Café gehört auch ein Hotel. Das Baier bietet Frühstücksbüffet an und kreiert Torten, die wahre Kunstwerke sind.

Es wird auf Handarbeit gesetzt

Die Baiers leben die Tradition. Das Familienwappen aus dem 17. Jahrhundert ziert die Poloshirts der Verkäuferinnen ebenso wie die Servietten. Der Kaffee wird in filigranen Tässchen serviert, an den Wänden hängen Utensilien der Schömberger Fasnet, Urkunden des Seniorchefs fürs sportliche Leistungen, Meisterbriefe und Bilder der Familie. „Unser Café ist eine gute Stube, in der sich die Leute wohlfühlen sollen“, so Baier. In der Backstube wird auf Handarbeit gesetzt. Die Brezeln, für welche die Bäckerei bekannt ist, werden von Hand geformt.

Kreative Schoko-Kreationen

Dennoch steht die Zeit im Café Baier nicht still. Heiko Baier möchte mit der Zeit gehen und auf die Bedürfnisse der Menschen einzugehen. Im vergangenen Jahr hat er eine Eistheke integriert, in welcher der Eisbecher individuell zusammengestellt werden kann, im Winter hat er sich an der Trend-Süßigkeit Dubai-Schokolade versucht – und nennt sie „Du-Baier-Schokolade“.

In liebevoller Handarbeit kreiert Heiko Baier aufwändige Hochzeitstorten.

Foto: Marschal

Das Thema Schokolade ist Allgegenwärtig im Café Baier. Seit 2018 ist Heiko Baier Schokoladen-Sommelier – und davon gibt es nur wenige in Deutschland. Die Kreationen, die er aus Schokolade zaubert, sind nicht nur optisch beeindruckend. Aus Schokolade, Zucker und Creme kreiert der Zuckerbäcker beeindruckende süße Skulpturen. Ein Hochzeitskleid aus Schokolade hat er beispielsweise hergestellt, außerdem ist er Erfinder der Schokoladen-Laugenbrezel. Die Zimmer im Hotel Traube nebenan sind entsprechend des Schokoladen-Mottos ausgestattet.

Eine historische Aufnahme des Café Baier vor dem Umbau.

Foto: privat

Baier stellt verschiedenste Sorten an Pralinen her und kreierte die prämierte Neckar-Alb-Torte, das hiesige Pendant zur Schwarzwälder Kirschtorte, das den Geschmack der Region auf den (Kuchen-)Teller bringen soll.

Jubiläum feiert das Café Baier das ganze Jahr über. Am 12. April wird es eine Jubiläumssause geben – dann wird Heiko Baier nämlich 50 Jahre alt.

150-jährige Historie

Sechs Generationen
 Heiko und Gabi Baier führen die Bäckerei und das Café in sechster Generation. 2014 hat Seniorchef Dieter Baier die Geschäftsführung an seinen Sohn weitergegeben. „Aber es wurde immer generationenübergreifend gearbeitet“, erklärt Heiko Baier.

Die Anfänge
 Bäckermeister Johann Baier aus Aistaig bei Oberndorf hat das Geschäft vor 150 Jahren, im Jahr 1875, als eine Art Backhaus gegründet, das er gemeinsam mit seinem Sohn Josef führte. Die Schömberger haben ihr Getreide, Mehl oder den fertigen Teig gebracht und dort ausgebacken. Damals befand sich der Backofen noch im Gaberstall.

Jägerstüble
 1913 zogen die Baiers an die jetzige Adresse, um die Abstandsfrist zur Bäckerei Stopper im Ort zu halten. Damals führten die Baiers allerdings mit dem Jägerstüble eine Gastronomie.

Generation fünf
 Dieter und Zita Baier haben in den 60er-Jahren größere Umbaumaßnahmen am Gebäude unternommen. 1984 folgte ein weiterer Anbau, der die Bäckerei erweiterte und Fremdenzimmer beinhaltete. 1994 kam das Gästehaus hinzu. In den 1990er-Jahren sind die Baiers auf die Bäcker- und Konditorenschiene aufgesprungen.

Generation sechs
 Um den Jahrtausendwechsel besuchte Heiko Baier die Meisterschule für Bäcker und Konditor in Köln und Olpe. 2001 kam die Weiterbildung zum Betriebswirt des Handwerks dazu. seine Frau Gabi ließ sich im „Schweigertöchterseminar“ in Olpe zur Fachverkäuferin im Bäckereigewerbe weiterbilden ehe das Ehepaar 2001 in die Heimat zurückkehrte. Seit 2010 gehört auch das benachbarte Hotel Traube zum Café Baier. Im Jahr 2014 wurde Heiko Baier Geschäftsführer.

ZAK News
Montag - Freitag um 7.00 Uhr
Alles Wichtige aus dem Zollernalbkreis Montag bis Samstag im kompakten Überblick.