Auftritt in Tübingen
: Der „Professor of Magic“ aus Jungingen

Ein Junginger hat sich seinen Kindheitstraum erfüllt: Er begeistert als hauptberuflicher Magier sein Publikum. Auf der Bühne nennt er sich „Professor of Magic“.
Von
Alexander Kauffmann
Oberndorf
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Miles Pitwell aus Jungingen ist der „Professor of Magic“.

Damian Pranay Werner

Miles Pitwell kommt aus Jungingen und er geht einem kuriosen Job nach: Er ist Magier. Wie ist der ausgerechnet an diesen Beruf gekommen? Das beantwortet er im Interview.

Jemand fragt: „Was machst Du von Beruf?“ Was ist Deine Antwort?

Ich bin hauptberuflicher Erfinder, Bastler, Tüftler, Lügner und Betrüger. Aber in allererster Linie: Magier mit einer Spezialisierung auf Varieté und Theater.

Steht „Miles Pitwell“ auch in Deinem Ausweis oder ist es ein Künstlername?

Ja, das ist mein echter Name. Der steht so auch in meinem Ausweis. Meine Mutter ist Engländerin und daher habe ich auch einen englischen Pass und natürlich auch einen englischen Namen. Doch leider ist der Name Miles Pitwell hier in Deutschland nicht so gängig und daher sprechen viele Menschen meinen Namen falsch aus oder können ihn sich sogar, gar nicht merken.

Auf der Bühne nennst Du Dich „Professor Of Magic“.

Ich hatte schon lange über einen Untertitel nachgedacht. Also setzte ich mich hin und schrieb an die hundert verschiedenen Titel für mich auf. Das ist so 10 bis 12 Jahre her. Diese habe ich dann mit Hilfe von Freunden, Kollegen und Familie ausgesiebt und am Ende blieben noch zwei Titel übrig: „Professor Of Magic“ und „Prince Of Magic“. Ich hatte mich dann für den werten Herrn Professor entschieden und hatte einen Online-Post dazu gemacht. Und ab da sprachen mich plötzlich alle, egal ob Freunde, Familie oder Kollegen, ja sogar Fremde mit „Professor“ an. Da wusste ich, dass war ein Volltreffer ins Schwarze. Heute bin ich sehr froh, dass es der Professor geworden ist und nicht Prince.

Was zeichnet den „Professor Of Magic“ aus?

Der Professor wird durch seine verrückte Frisur und seine charmant-freche Art ausgezeichnet. Ich habe ein stilvolles Auftreten, trage Doppelbrille und lasse, dank meiner Schauspielausbildung auf der internationalen Schauspielakademie Stuttgart sehr viel mehr Schauspiel als meine Kollegen in meine Shows mit einfließen. Ich liebe es, mit Theatralik zu arbeiten und mit sehr visuellen und originellen Kunststücken, welche perfekt auf die Musik abgestimmt sind. Dabei achte ich darauf, möglichst immer andere Kunststücke auszuwählen, als alle anderen.

Welche negativen Eigenschaften hat der Professor?

Der Professor hat auch eine dunkle Seite: „Professor Noctis“, sein alter Ego. Dieser ist gemein und ruppig. Ein Schlawiner und absolut schadenfreudig. Bei ihm werden keine klassischen Zaubertricks präsentiert sondern eher schockierende Sensationen. So wie Rasierklingen-Schlucken oder das Fangen einer Kugel aus einer abgefeuerten Pistole. Diese beiden Charaktere sind inspiriert durch die Erfolgsgeschichte Jeckyll und Hyde: Es gibt kein Licht ohne Schatten, kein Gut ohne Böse, kein Yin ohne Yang. Jeder Mensch trägt eine dunkle Seite in sich. Und in meinem Fall, lebe ich diese auf der Bühne aus. Komischerweise hat gerade der böse Charakter unglaublich viel Comedy-Potenzial. Ich vergleiche ihn ganz gerne ein bisschen mit dem Grinch.

Was unterscheidet den privaten Miles von seinem Bühnencharakter?

Nun, ich würde sagen, dass ich auf der Bühne ein sehr überspitztes Ich spiele. Aber manchmal bin selbst ich über gewisse Aktionen oder Antworten, welche meine Charaktere geben, überrascht. Außerdem achte ich auf der Bühne sehr viel mehr auf meine Worte, Bewegungen und mein Auftreten. Dadurch kreiere ich eine ganz bestimmte Spannung. Ich versuche also nicht, die Grenze zwischen mir, der Bühne und dem Publikum aufzuheben, sondern eher ganz klar, eine Grenze zu setzen. Dadurch erst kann eine gewisse Theatralik entstehen. Und in diese Welt ziehe ich dann mein Publikum. Das mag ich.

Der „Professor of Magic“ ohne Kostümierung

Foto: PanrayPhotography

Zurück zum Berufswunsch Zauberer: Wie bist Du darauf gekommen?

An meinem 18. Geburtstag schleppte mich meine Mutter zu einem Zauberer im Bayrischen Wald. Sein Name ist Waltini. Er hat mich damals mit dem „Zauber-Virus“ infiziert. Damals hatte ich im Herzen gespürt: Das will ich auch können. Das werde ich lernen und mein ganzes Leben lang tun. Und wenn man etwas so sehr von ganzem Herzen möchte, dann schafft man das auch. Zwei Tage später hatte ich mein erstes richtiges Zauberbuch. Von da an trainierte ich täglich 3 bis 7 Stunden.

Wie schuldig an Deinem Berufswunsch war Dein Vater, der ja auch als Künstler bekannt und tätig ist?

Nicht nur mein Vater. Auch meine Mutter. Ich habe schon immer eine unglaubliche Unterstützung meiner Eltern genossen. Sie haben mir Auftritte besorgt und mich auch dorthin gefahren. Sie waren immer mein erstes Testpublikum, haben mich mit der Musik in Kontakt gebracht und wie man sich auf der Bühne verhält. Sie haben mir bei meinen Kostümen geholfen und meinen Texten. Niemand hat so viele Shows von mir gesehen wie meine Eltern und sie haben etwas gesagt, das ich nie vergessen werde: „Miles, wir sind stolz auf dich. Du kannst alles tun, was du möchtest. Aber mach es richtig!“

Junginger Magier

Werdegang
  Miles Pitwell hat Kindergarten und die Grundschule in Jungingen besucht. Er besuchte danach die Werkrealschule Burladingen und wechselte im 9. Schuljahr auf die Hauptschule Hechingen. Danach besuchte er die dreijährige Kaufmännische Schule in Hechingen. Nach der Schulzeit absolvierte Pitwell eine Schauspielausbildung, danach machte er sich selbstständig. Von da an dauerte es zehn Jahre bis er davon leben konnte, weshalb er sich zwischenzeitlich auch als Kellner oder Einlasser im Kino finanzierte. Sein erstes richtiges Varieté-Engagement hatte Pitwell in der Schweiz. Seit 2011 ist er hauptberuflicher Zauberer und lebt ausschließlich von der Kunst, Menschen zu verzaubern.

Show in Tübingen
  Zusammen mit seiner Frau, die er während seiner Studienzeit auf der Schauspielschule kennenlernte, spielt er die Theater-Zauber-Show mittlerweile in einigen angesagten Theatern, in ganz Deutschland: Leipzig, Dresden, Frankfurt, Pforzheim und nun auch in Tübingen. Dort schlüpft er in die Charaktere Professor Of Magic und Professor Noctis. Der Zauberer-Kollege „Simon-Thomas“ wird in Pitwells Show ebenfalls auftreten. Er ist gelernter Pantomime und ein Meister der Mentalmagie.

Über die Show
sagt Pitwell: „Ich habe eine große Vorliebe für die vergangene Zeit und habe mich für meine Tische, Requisiten und Kostüme nicht wenig von Figuren wie Sherlock Holmes inspirieren lassen. Meine Show ist mystisch, theatralisch, ein bisschen gruselig, doch in allererster Linie magisch.“

Termin und Tickets
Miles Pitwell gastiert am Samstag, 18. Oktober, von 20 Uhr an im Großen Saal des Sudhauses Tübingen (Hechinger Straße 203). Karten gibt es beispielsweise über die Plattform Reservix im Internet.

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