Ärztemangel: So steht es um die medizinische Versorgung in Schömberg

Aylin Öztürk und Mujahid Kahf stellten die Arztpraxis in der jüngsten Gemeinderatssitzung vor.
BreisingerZwar hat sich die medizinische Situation in Schömberg mit der Praxiseröffnung des Arzts Mujahid Kahf in den früheren Räumen der Praxis Weber zum 1. September verbessert, doch die Ärzteversorgung im Oberen Schlichemtal ist laut Schömbergs Bürgermeister Karl-Josef Sprenger weiter ausbaufähig.
70 000 Euro hat die Stadt Schömberg gemeinsam mit dem GVV Oberes Schlichemtal in eine Kampagne zur Anwerbung von Ärzten ausgegeben. „Nach einem zähen Beginn können wir mittlerweile in Teilen die ersten Früchte ernten„, verkündete Sprenger in der jüngsten Sitzung des Schömberger Gemeinderats. Doch mit der Werbekampagne wird längst noch nicht Schluss sein, denn es gebe noch Potenzial in der Stadt für weitere Ärzte, die mittelfristig auch benötigt werden. „Von daher werden wir dran bleiben und auch weiterhin alles versuchen, um den medizinischen Standort Schömberg zu stärken“, bilanziert Sprenger.
Umzug hinter die „Moste“
Zur Sitzung sind auch wesentliche Akteure der medizinischen Versorgung in Schömberg gekommen: Mujahid Kahf, der neben der Praxis in der Brunnenstraße auch in Tuttlingen und Trossingen praktiziert, ist mit seiner für die Praxisentwicklung zuständige Mitarbeiterin Aylin Öztürk gekommen, sowie dem Leiter für Netzwerkexpansion von Go Medicus Michael Füllemann und Nikolaus Schumacher von „Medizin vernetzt“. Der Medizindienstleiter Go Medicus hat die ehemalige Praxis Giesinger übernommen und zieht im Zusammenwirken mit dem Unternehmen „Medizin vernetzt“ in Erwägung, hinter die „Moste“ an der Bahnhofstraße zu ziehen, um auch barrierefrei erreichbar zu sein. Über die Möglichkeit eines Umzugs werde sich der Schömberger Gemeinderat in der Oktobersitzung befassen, kündigte Sprenger an.
Weitere Gesundheitsdienstleister
„Die momentan vorhandenen Immobilien erfüllen oftmals nicht mehr den Anforderungen der modernen Medizin“, macht sich Schumacher für neue Räumlichkeiten stark . „Unser Hauptanliegen ist es auch durch eine passende Infrastruktur eine gute Basis für die Medizin von Morgen zu schaffen und diesbezüglich wären diese neue Räumlichkeiten prädestiniert, um ein Medizinzentrum für die nächsten Jahrzehnte zu schaffen“, spricht sich auch der generative Leiter für die Region Neckar- Alb von Go Medicus Michael Füllemann für einen Umzug hinter die „Moste“ aus. In dem Ärztehaus könnten weitere Gesundheitsdienstleister angesiedelt werden.
„Go Medicus war ein Rettungsanker für Schömberg und wird auch zukünftig ein wertvoller Bestandteil des Gesamtportfolios der ärztlichen Versorgung in Schömberg sein“, meinte Sprenger.
Expansion vorstellbar
Kahf stellte sich vor, der in der Praxis von der Allgemeinmedizinerin Betul Aydeniz unterstützt wird. Er selbst ist immer Montags und Donnerstags vor Ort. Er berichtete, dass sich die Verhandlungen mit der Praxis Weber zur Übernahme der Räumlichkeiten sich als „sehr schwierig“ gestalteten. Die Praxis werde sich vorsichtig am Markt anpassen, er könne sich eine Expansion durchaus vorstellen.
„Die Resonanz war schon sehr gut“, zeigt sich die „Frau der Zahlen“, Aylin Öztürk euphorischer. „Ärzte sind auch Unternehmer und von daher brauchen Praxen auch Verwaltungsdirektoren wie mich“, ging Öztürk auf ihre Arbeit ein. „Wir hoffen auf ein partnerschaftliches Miteinander mit der Praxis von Kahf, denn gemeinsam lässt sich mehr erreichen, zumal die Ärztelage im Zollernalbkreis prekär ist, weil wir diesbezüglich unterbesetzt sind“, so Füllemann.