41 Alpenpässe per Rad: Fünf Freunde wagen die große Tour

Das ist der Moment, in dem die Anspannung unbändiger Freude weicht: Thomas Ullsperger, Djuro Coskovic, Uwe Müller, Urs Gassmann und Jörg Dreger (von links) haben es geschafft und gönnen sich am Ziel in Nizza ein erfrischendes Bad.
privat- Fünf Rennradfreunde fuhren von Wien nach Nizza – 20 Tage, 2600 km, 38.000 Hm, 41 Pässe.
- Start war in Geislingen mit privater Anfahrt nach Wien, dann in einer 26er-Gruppe weiter.
- Berge fuhr jeder im eigenen Tempo, drei Leistungsgruppen mit Guides erleichterten die Tour.
- Wetterglück prägte die Fahrt, nur am Großglockner gab es Regen, Wind, Nebel und Sonne.
- Highlights: Col de Galibier, Stilfser Joch, Moosalp und der Col de Bonette vor der Abfahrt ans Meer.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Kaum hat man sich die Dimension der Tour halbwegs ausgemalt, kommt unwillkürlich die Frage auf, wer sich einer solchen Herausforderung stellt. Fünf Freunde haben es gewagt und sie in Angriff genommen.
Zum Quintett gehören neben dem Balinger Djuro Coskovic und dem Geislinger Uwe Müller der Schweizer Urs Gassmann sowie Jörg Dreger und Thomas Ullsperger, die in der Nähe von Frankfurt leben. Kennengelernt haben sich die Fünf über den Rennradsport. Ihre nunmehr dritte gemeinsame Radtour, die „Grand Tour“ Wien-Nizza, war nicht nur die bislang größte, sondern auch die anspruchsvollste.
Die persönliche Herausforderung meistern
Dass es kein Zuckerschlecken werden würde, war natürlich allen schon im Vorfeld klar. Schließlich lautet der Name des Rennrad-Reiseveranstalters nicht umsonst „Quäldich.“ Und beim Blick auf die Tourenbeschreibung, in der es als „verwegenes Vorhaben“ bezeichnet wird, den Alpenkamm in seiner gesamten Ausdehnung abzufahren, dürfte auch klar sein: Um hier mitfahren zu können, muss man gut trainiert sein.
Was treibt einen an, die Strapazen in Kauf zu nehmen? „Ich suche beim Sport die Herausforderung“, sagt Djuro Coskovic, der vor vier Jahren zum Rennradsport kam. Sportlich unterwegs war er schon vorher. „Ich war Läufer und bin viel gewandert“, erzählt er. Durch Knieprobleme - und nicht zuletzt seinen Freund Uwe Müller - kam er vom Laufen zum Fahrradfahren und betreibt diesen Sport seither mit viel Passion. Drei- bis viermal pro Woche ist er auf dem Rad unterwegs und bereitet sich intensiv auf die Touren vor. Den Berg zu sehen und zu sich selbst zu sagen, „ich will es, ich kann es“ - das sei nicht nur erfüllend, sondern „Luxus“, lässt Djuro Coskovic wissen. Gleichermaßen Vorbild wie Motivator ist für ihn Urs Gassmann, der mit seinen 73 Jahren nach wie vor topfit ist.
Sich immer wieder neue Ziele zu setzen, ans persönliche Limit und darüber hinauszugehen, ist indes nur eine Seite der Medaille. Was dem Balinger ebenso wichtig ist, ist die gemeinsame Zeit mit den Radsport-Freunden. Am Ende des Tages bei einem Bier die Strecke gemeinsam Revue passieren zu lassen und die Erlebnisse auszutauschen - „das gehört unbedingt dazu“, betont er.
Start in Geislingen
Ebenfalls dazu gehörte freilich die freudige Aufregung vor der „Grand Tour.“ Am 6. Juli war es dann soweit: Fünf Tage bevor das sportliche Abenteuer seinen Anfang nahm, schwangen sich die fünf Rennradsportler in Geislingen in den Sattel, um sich von der Sonnenstadt aus in Richtung Donaumetropole aufzumachen. Bei der privaten Extratour Geislingen-Wien saß Manuela Leeb am Steuer des Begleitfahrzeugs.

Auch wenn jeder seine persönlichen Ziele verfolgte: Die tolle Gruppendynamik wollten die Teilnehmer nicht missen.
privatIn der Donaustadt stießen sie zur offiziellen Gruppe, der insgesamt 26 Fahrer angehörten. War man auf der Ebene gemeinsam unterwegs, bezwang die Berge jeder in seinem eigenen Tempo. Denn so individuell wie das Leistungsniveau sind auch die Ziele der Teilnehmer. Und in einer von insgesamt drei Leistungsgruppen, jede mit eigenem Guide, konnten sie diese ganz ohne Druck verwirklichen.
Was macht Radsportlern mehr zu schaffen - die Höhenmeter oder das Wetter? Das ist eine Frage, die dem Laien auf den Nägeln brennt. Uwe Müller bringt noch eine weitere Option ins Spiel: die Länge der Strecke. „20 Tage lang Tag für Tag im Sattel zu sitzen, das ist hart“, sagt er. Gleichwohl sei natürlich auch das Wetter ein Faktor. „Da hatten wir wirklich Glück“, berichtet er. Einzig auf dem Großglockner galt es, einige Wetterkapriolen zu überstehen. „Innerhalb von 20 Minuten habe ich dort mehrere Wetterlagen erlebt. Von Starkregen über Wind und Nebel bis hin zu Sonne.“ Hinzu kamen krasse, höhenbedingte Temperaturunterschiede, die von 8 bis zu 40 Grad Celsius reichten.
Unterwegs auf der Tour-de-France-Strecke
Was bei der „Grand Tour“ auf die Teilnehmer zukommen würde, davon hatte Uwe Müller, der seit sechs Jahren Rennradsport betreibt und vorher auf dem Mountainbike unterwegs war, indes schon eine Ahnung. „Die meisten Pässe der Tour bin ich bereits vier-, fünfmal gefahren. Von der Strecke kannte ich deshalb schon vieles“, erzählt er. Gleichwohl hielt sie auch für ihn viele Highlights bereit. Eines war etwa die 2048 Meter hohe, individuell fahrbare Moosalp, die Teil seines persönlichen Ziels ist, 58 Alpenpässe über 2000 Meter zu meistern.
Auf seiner Facebook-Seite hat Uwe Müller die unzähligen Eindrücke der Tour Wien-Nizza in einer Art Rad-Tagebuch festgehalten - garniert mit Fotos von atemberaubenden Landschaften.
Mit „Mythischer Galibier“ hat er etwa die Strecke über den Col de Galibier überschrieben, einer der berühmtesten und am häufigsten befahrenen Pässe der Tour de France. Hier bildeten die Teilnehmer sozusagen die Vorhut für die Profis, die einen Tag später dort unterwegs waren, und wurden von unzähligen Campern und jubelnden Menschen am Straßenrand empfangen.
Nicht nur aus topografischer Sicht „ein absoluter Höhepunkt einer Alpenreise“: das Stilfser Joch, das die Beinamen „höchster Rummelplatz Europas“ und „Königin der Passstraßen“ trägt.

Was für ein Panorama! Die Anstrengungen der Tour wurden mit grandiosen Ausblicken belohnt.
privatKurz vor dem Ziel war die Freude über das Erreichte dann geradezu greifbar. „Nur noch ein letzter Tag im Rennradsattel trennt uns - nach zwei Wochen quer durch die Alpen - von der Mittelmeermetropole Nizza“, schreibt Uwe Müller. Das „letzte Hindernis“ war indes nicht irgendeines, sondern der höchste Punkt der Tourwoche: der 2715 Meter hohe Col de Bonette.
Die lange Abfahrt vom Pass, die direkt nach Nizza führt, konnten die Teilnehmer dann so richtig genießen. Und in der größten Stadt der Côte d'Azur - da winkte ein Bad im azurblauen Meer. Im Bild festgehalten ist der Moment, in dem die Fünf im knietiefen Wasser stehen und sich die ganze Anspannung der vergangenen Wochen in einem Freundenschrei entlädt.
Ein „unvergessliches Erlebnis“
„Man kann das alles erst im Nachgang verarbeiten“, sagt Uwe Müller, der sich mit Djuro Coskovic, Urs Gassmann, Jörg Dreger und Thomas Ullsperger einig ist: „Es war ein wunderschönes, unvergessliches Erlebnis.“ Die nächste Tour hat das Quintett bereits im Blick. Es soll auf den Balkan gehen. Den besten Guide haben sie mit Djuro Coskovic dabei direkt an Bord.
Auf dem Rad von Wien nach Nizza
Die vielfältigen Eindrücke der Tour Wien-Nizza hat Uwe Müller in einem Rad-Tagebuch festgehalten. Nachzulesen sind sie auf seiner Facebookseite: www.facebook.com/uwe.mueller2