Städtische Homepage
: Wie barrierefrei ist Bad Herrenalb im Internet?

Für Nutzer mit Einschränkungen haben Webseiten manche Hürde: Die Kurstadt arbeitet daran, sie zu beseitigen. Vieles ist technische möglich, für anderes dennoch der Aufwand zu groß.
Von
Verena Parage
Oberndorf
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Seit rund einem halben Jahr hat Bad Herrenalb eine neue Internetseite. Die bietet zusätzliche Möglichkeiten in Sachen Barrierefreiheit.

Jana Heer

Mit der Barrierefreiheit ist es in einem Städtchen im Schwarzwald so eine Sache: Ohne steile Straßen und enge Kurven geht es fast nicht. Barrierefreiheit hat sich Bad Herrenalb trotzdem vorgenommen, und zwar auf der städtischen Internetseite. Das muss die Stadt auch, wie Christian Siebje, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, erklärt.

Siebje verweist auf das „Landesgesetz zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen“, das seit 2014 in Kraft ist. Darin heißt es, dass öffentliche Stellen ihre Internet- und Intranetseiten so gestalten, dass „sie von Menschen mit Behinderungen grundsätzlich uneingeschränkt genutzt werden können“. Und weiter: „Dies erfordert, dass sie zugänglich, wahrnehmbar, bedienbar, verständlich und robust sind.“

Neue Seite und Agentur bieten neue Möglichkeiten

Diese gesetzliche Vorgabe habe die Stadt Bad Herrenalb in großen Teilen auch bereits auf ihrer alten Webseite umgesetzt. Die neue Homepage ist sei etwa einem halben Jahr online, seither wird die Seite von der Webagentur Hitcom betreut. Durch diese Agentur ist die Stadtverwaltung nun „auch in der Lage, Nutzern mit eingeschränkten kognitiven Fähigkeiten weitere Angebote“ zur Verfügung zu stellen.

Siebje zählt auf, dass beispielsweise Videos in Gebärdensprache eingebunden, aber auch mithilfe von künstlicher Intelligenz erzeugte Beschreibungen von Fotos auf der Seite oder barrierefreie pdf-Dateien zur Verfügung gestellt werden könnten. Wer etwa auf der Startseite unter „Neues aus Bad Herrenalb“ die Terminankündigung für den Vortrag zum Thema insektenfreundlicher Garten auswählt und dann zweimal das dazugehörige Foto anklickt, der bekommt solch eine Fotobeschreibung zu lesen: „Ein kleiner, orangefarbener Schmetterling sitzt auf einer pinken Blume inmitten einer Wiese mit weißen Blüten“, steht dann plötzlich über dem Bild. „Das ist wichtig, weil Menschen mit Sehbehinderungen Texte oft nicht gut oder gar nicht lesen können, Fotos nur schlecht erkennen und sich dann mit auf ihrem Rechner installierter Software die Texte und Beschreibungen vorlesen lassen können“, erklärt Christian Siebje. Deshalb gebe es im Übrigen auch das Video in Gebärdensprache, erläutert der Stadtsprecher. Das wirkt auf den ersten Blick tatsächlich kurios: Denn Taubstumme können in aller Regel ja einfach lesen, was auf der Internetseite steht. Welchen Mehrwert bietet das Video also?

KI fertigt Beschreibung von Fotos an

Was die größte Hürde ist, ist von Fall zu Fall verschieden

„Die Gesten sind für einige Menschen deutlicher erkennbar als Schrift“, erklärt Christian Siebje. „Zudem sind solche Videos, von denen nach und nach noch mehr kommen werden, ebenfalls eine gesetzliche Vorgabe.“ Die Frage, was die größten Hürden für Nutzer der Bad Herrenalber Internetseite sind, lässt sich indes nicht so einfach beantworten. Das hänge ja von den individuellen Behinderungen ab. „Für manche Sehbehinderte reicht es, wenn sie Texte mit dem Browser einfach auf 120 Prozent vergrößern, andere können so schlecht sehen, dass sie die Vorlesefunktion brauchen“, erläutert Siebje. „Erfahrungswerte diesbezüglich haben wir aber keine, weil bisher keine Rückmeldungen bei uns eingegangen sind.“

Barrierefreiheit darf auch Grenzen haben

Übrigens: Wer auf der Internetseite nach unten scrollt, findet rechts unten Links zur Seite in leichter Sprache, aber auch zu dem Video in Gebärdensprache und einer Erklärung zur Barrierefreiheit – zudem praktischerweise den Link zum „Fehler melden“-Formular.

Allerdings gibt es auch Grenzen der Barrierefreiheit: Etwa, wenn die Umsetzung für eine öffentliche Stelle zu einer „unverhältnismäßigen Belastung“ führen würde, wie es im Landesgesetz heißt. Dabei spielt etwa die Größe einer Stadtverwaltung eine Rolle. Im Fall von Bad Herrenalb stellt die nachträgliche barrierefreie Gestaltung „alter“ pdf-Dateien eine Aufgabe darf, die „tatsächlich enorm aufwendig und zeitintensiv wäre“, wie Siebje erläutert. Sie kann folglich nicht geleistet werden.

„Natürlich bleiben wir aber gemeinsam mit unserer Agentur am Thema Barrierefreiheit dran und versuchen, alles was machbar ist umzusetzen, um allen Menschen einen optimalen Zugang zu unserer Webseite zu ermöglichen“, teilt der Stadtsprecher mit.

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