Bergbahnwagen in Bad Wildbad: Bergbahnwagen gammelt weiter vor sich hin

Der Bergbahnwagen gammelt weiter vor sich hin.
Bernd Mutschler„Es ist ein Jammer und ich fühle mich nicht ernstgenommen“ – in der jüngsten Bad Wildbader Gemeinderatssitzung gab es doch eher ungewohnte Töne von CDU-Stadtrat Jochen Borg zu hören, als er – erneut – das leidige Thema Alter Bergbahnwagen am Stadteingang ansprach. „Da passiert nix, es wird immer schlimmer“, sagte er weiter. Er habe den Eindruck, dass man den Wagen „mit Absicht vor sich hin gammeln lässt, bis nix mehr zu machen ist“. Man könne den Wagen doch „nicht so verkommen lassen“, ereiferte er sich und machte klar, dass er ein Befürworter und der Bergbahnwagen ein „Highlight“ für die Stadt sei.
Er habe den Eindruck, dass Peter Buhl, der Geschäftsführer der Stadtwerke und damit auch zuständig für die Sommerbergbahn, „den Wagen nicht will, aber das geht so nicht. Wenn es der Stadtwerke-Chef nicht möchte, das kann es ja auch nicht sein“, so Borg.
Keine Mittel im Haushalt
Bürgermeister Marco Gauger antwortete, dass er für eine Erhaltung konkreter werden müsse. „Im Haushalt ist nichts drin“, so der Bürgermeister. Dem entgegnete aber Borg, dass es besprochen worden sei, dass es zwei Ausarbeitungen geben soll, was entweder eine Sanierung oder eine komplette Entsorgung inklusive Gleisen und Unterbau kosten, damit dann eine Entscheidung getroffen werden könne, ob der Wagen weg kommt oder wieder aufbereitet werden soll.
Auch Mathias Fey (AfD) sprach den Bergbahnwagen an: „Der gehört dringend hergerichtet.“ Fey machte den Vorschlag, Firmen anzusprechen oder den Wagen mit Jugendlichen über den Sommer herzurichten. Man müsse „schnellstens dran gehen“. Da platzte dann Rita Locher (FWV) der sprichwörtliche Kragen. Man habe den Haushalt für 2025 beschlossen. „Stellt doch bitte einen Antrag, liebe CDU, liebe AfD“, rief sie. Denn „es ist nicht unsere Aufgabe als Gemeinderat, das jedes Mal im Gemeinderat zum Thema zu machen.“
Die Wildbader Sommerbergbahn wurde 1908 in Betrieb genommen und in dieser Zeit natürlich mehrfach saniert. Die Gäste fuhren zunächst in offenen Wagen auf den Berg. Die dritte Generation wurde 1968 in Betrieb genommen und war dann mehr als 40 Jahre lang im Einsatz. Bei der erneuten Sanierung in den Jahren 2010 und 2011 wurden die alten, grün-weißen Wagen ausgemustert und durch die neuen, jetzt fahrenden ersetzt.
Seit April 2023 Thema
Bereits im April 2023 fragte der damalige CDU-Stadtrat Martin Keppler, was denn mit dem alten Bergbahnwagen geschehen solle. Wenn man den neuen Speisewagen anschaue und daneben den in die Jahre gekommen Bergbahnwagen, „da tut einem das Auge weh. Sollen wir das so lassen?“, fragte er. Er brachte als Alternativen ein Eisenbahnmuseum oder eine Renovierung ins Spiel. Nach einer Korrosionsuntersuchung wurde Buhl im Juli 2023 – ebenfalls im Gemeinderat – deutlich: Der Wagen sei „nicht mehr zu renovieren. Da ist es nicht mit Farbe getan.“ Das würde höchstens ein- bis eineinhalb Jahre halten. Es gebe ein massives Problem mit Kondenswasser, das den Rost immer wieder zum Vorschein bringe. „Sanieren ist hinfällig, das können wir vergessen“, so Buhl weiter.
Das wollte Borg schon damals so nicht stehen lassen. Er forderte dazu auf, „Wege zu finden, ihn zu enrthalten. Den Wagen zu entsorgen, wäre sehr, sehr schade. Das gefällt mir nicht.“
Als Antwort darauf sagte Gauger – in der Juli-Sitzung 2023 –, dass man das „im Zusammenhang aufarbeiten“ werde und die Kosten einer Sanierung denen der Entsorgung gegenüberstellen und dann im Gremium vorstellen wolle. Der Wagen werde „nicht über Nacht“ verschwinden, stellte er klar. Mit einem hatte Gauger recht: Der Wagen ist nicht über Nacht verschwunden. Ansonsten ist offenbar aber auch nichts passiert.
