Woche der Militärmusik: Zwei Mal kennt die Begeisterung in Meßstetten keine Grenzen

Zum Bersten voll war die Hartheimer Festhalle. Für das Nachmittagskonzert im Rahmen der „Woche der Militärmusik“ war für 400 Gäste bestuhlt. Nur vereinzelt blieben Plätze frei. Und am Ende lieferte das Publikum stehende Ovationen.
Stadt Meßstetten/Volker BitzerMit kollektivem Pfeifen verabschiedete das Hartheimer Publikum am Ende eines mehr als einstündigen Konzertes die Musiker.
Vor allem Kenner vereinigten sich zum anerkennenden Pfeifkonzert und stimmten ein in den „Dompfaff“, mit dem das rund 20-köpfige Orchester auf der Bühne adieu sagte. In diesem Stück ist dem heimischen Vogel eine instrumentenlose Pfeifpassage gewidmet und hier waren die Hartheimer aufgerufen mitzumachen. Das ließen sie sich nicht zweimal sagen – die Begeisterung war immens. Nach dem Schlusstakt wandelte sich das Mit-Pfeifen dann auch schnell in frenetischen Beifall mit stehenden Ovationen.
Bodo Schüssler kommt ins Schwitzen: Das könnte ganz schön eng werden
Für 400 Leute war die Hartheimer Festhalle bestuhlt. Als sich um 14.30 Uhr die Halle wie im Handumdrehen füllte, war Ortsvorsteher Bodo Schüssler, der eine kurze Ansprache hielt, klar: Das wird eng. Tatsächlich sollte kaum ein Platz frei bleiben. Schweiß stand den Zuhörern und Musikern des Heeresmusikkorps Ulm bald auf der Stirn. Trotzdem spielte die Egerländer-Besetzung unter der Leitung von Hauptfeldwebel Johannes Mimler ohne Pause.
Der Orchesterchef erwies sich dabei auch als erheiternder Conferencier, erzählte zu jedem Stück eine Geschichte und erläuterte, was eine Egerländer-Formation ist. Der 28-Jährige, dessen Großvater aus dem Egerland stammt, kam schon als Kind zu diesem Musikstil, den Ernst Mosch und seine Egerländer Musikanten geprägt haben. Kraftvolle Märsche wechselten sich mit zünftigen Polkas und beschwingten Walzern ab. Herausragend bei den Soli war die Leistung des 19-jährigen Hauptgefreiten Benedikt Filzek.
Einen kompletten Stilwechsel erlebten die Zuhörer in der Interstuhl-Arena Tieringen. Allein schon das coole Ambiente war ein Erlebnis, und die moderne Musik passte dazu: Die Sieben-Mann-Formation des Marinemusikkorps Wilhelmshaven, „Plietsch7“ – plattdeutsch für „pfiffig“ eröffnete das Mittagskonzert mit „Let me entertain you“ von Robbie Williams. Die Bestuhlung reichte gar nicht aus, aber die Gäste wussten sich zu helfen. Nicht umsonst steht im Showroom des Büromöbelherstellers massenhaft schickes Sitzmobiliar zur Verfügung.
Klassiker und Ohrwürmer aus aller Welt
Das Marine-Septett spiele ebenfalls ohne Pause über eine Stunde lang Klassiker und Ohrwürmer aus aller Welt. Da erklang der Spät-50er-Hit „Tequila“ ebenso wie Mezzofortes „Gardenparty“ und „Downtown“, das Petula Clark unsterblich gemacht hat. Ein Medley mit Tom-Jones-Straßenfegern fehlte ebenso wenig wie Gloria Gaynors Discokracher.
Dass die „Plietsch7“-Truppe unter der Leitung von Stabsbootsmann Holger Becker sogar topmodern kann, zeigte sie mit einem Taylor-Swift-Medley. Mit „Sweet Caroline“ sagten die Profimusiker der Marine schließlich „Tschö“.
„Das war einfach fantastisch“ kommentierte Joachim Link das Gastspiel in seinem Haus. Der Interstuhl-Geschäftsführer würdigte i die Militärmusik als wertvolles Bindeglied zwischen Truppe und Bevölkerung. Gerade heute vor dem Hintergrund vieler Kriege und Konflikte spielten die musikalischen Botschafter der Bundeswehr eine wichtige Rolle spielen – national und international, so Link. „Seit 2022 sind wir mit der Bundeswehr bestens im Geschäft, haben schon über 200 000 Konsolen-Drehstühle geliefert – immer dasselbe Modell und in gleicher Farbe.“
Ortsvorsteherin Isabella Merkt verwies auf die Tieringer Grundschüler, die im Foyer Kuchen für die Klassenkassen verkauften und sich auch über die Spenden bei diesem Lunchkonzert freuen dürfen.
Der Erlös des Hartheimer Nachmittagskonzerts geht an den Musikverein, der die Gäste bewirtete.
Was ist eine Egerländer Besetzung?
Eine Egerländer Besetzung,
auch „Böhmische Besetzung“ genannt, zeichnet sich durch eine bestimmte Instrumentenzusammenstellung aus und ist heute auch in modernen Musikstilen zu hören. Zur Böhmischen Besetzung gehören in der Regel Flöte oder Es-Klarinette, B-Klarinetten, Trompeten, Flügelhörner, Tenorhorn, Bariton, Posaunen, Tuben und ein Schlagzeug. Sie kann aber, je nach Konzert oder interpretierten Stücken, leicht variieren.