Keine einzige Tasse mehr
: Weihnachtsmarkt in Ebingen voller denn je

Nur Schnee hat gefehlt beim Weihnachtsmarkt des Handels- und Gewerbevereins Albstadt-Ebingen und der Stadt Albstadt am Wochenende. Aber ganz ehrlich: Keine Flocke hätte mehr Platz gehabt, um zu Boden zu fallen, so gut war die Innenstadt besucht.
Von
Karina Eyrich
Oberndorf
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Da hätte keine Maus mehr dazwischen gepasst: Beim „Winter City Open Air“ auf dem Kurt-Georg-Kiesinger-Platz zu Höhepunkt des Albstädter Weihnachtsmarktes in Ebingen feierten Tausende, darunter Oberbürgermeister Roland Tralmer und seine Frau Kristina Gabler.

Karina Eyrich

Wenn Oberbürgermeister Roland Tralmer so kurz nach den schauerlichen Ergebnissen des Kassensturzes so glücklich lacht und feiert wie am Samstagabend beim „Winter City Open Air“ – traditionell der Höhepunkt des Albstädter Weihnachtsmarktes –, dann muss es gute Gründe haben. In diesem Fall waren es gleich zwei: Zeit zu zweit mit seiner Frau Kristina Gabler und eine Innenstadt, die vor Besuchern aus allen Nähten zu platzen schien.

Ob Marktstraße, Bahnhofstraße oder Kurt-Georg-Kiesinger-Platz, wo der Gospelchor „Voices, Hearts and Souls“ und „Südlich von Stuttgart“ mit seinen Gaststars fantastisch schöne Musik machten: Überall tummelten sich so viele Gäste, dass kaum ein Durchkommen war. Florian Früholz vom Handels- und Gewerbeverein Albstadt-Ebingen hatte schon am frühen Samstagabend keine andere Wahl mehr als ausnahmsweise die Nutzung von Pappbechern freizugeben – alle rund 6500 Glühwein- und Punschtassen waren samt und sonders in festen Händen.

Das Schlaraffenland hat eine neue Exklave

Dazu ließen sich die Besucher Leckereien schmecken, die aus so vielen Nationen stammten wie die 46 000 Albstädter selbst: Vom feurigen Chili-Burger über deftiges Spanferkel und kross frittierte Spiralkartoffeln bis zum türkischen Gözleme und Spezialitäten vom Balkan reichte das Angebot im Schlaraffenland. Waffeln in allen Variationen, Mini-Donuts, Schokofrüchte und gebrannte Nüsse und Mandeln lockten süße Zähne – es war ein Weihnachtsmarkt zum Anbeißen, begleitet von Düften, die wahre Weihnachtsstimmung aufkommen ließen, wenn schon Frau Holle auf der faulen Haut lag.

Was dazu noch fehlte, besorgte die Musik: Auf Albstadts grünstem Alleinstellungsmerkmal, der Weihnachtspyramide am Hotel Linde, wechselten sich die vielen Musikkapellen und Chöre ab, welche die größte Stadt des Zollernalbkreises auch zur klingendsten machen, und auf der Bühne tummelten sich echte Profis.

Starke Stücke über den kleinen König

Der Gospelchor „Voices, Hearts and Souls“ war – grippebedingt – zwar etwas kleiner als üblich, doch dafür sangen die Aktiven unter der Leitung von Juandalynn R. Abernathy doppelt stark: all jene schönen Weihnachts-Gospels, die von Mary und ihrem Sohn, dem „tiny King“, der kleinen König Jesus, erzählen, verpackt in selten hörbare Melodien, die sich so wohltuend abheben vom ewigen „Last Christmas“ aus der Konserve auf Weihnachtsmärkten anderswo.

„Südlich von Stuttgart“ hatte mit Stammsängerin Annette Kienzle, Eva Leticia Padilla und Karl Frierson zwar gleich drei Stimmwunder auf der Bühne, doch das Publikum – vorgerückt bis zur Bühnenkante – sang trotzdem kräftig mit. Songs wie „White Christmas“, „Winterwonderland“, das fröhliche „Let it snow“ und Chris Reas Ohrwurm „Driving Home for Christmas“ waren doch eine viel zu große Versuchung.

Optisch merkwürdig – stimmlich dafür erstklassig

Platz zum Tanzen? Keine Chance! Doch das Grooven und Mitswingen ließen sich selbst die Zuhörer an den engsten Stellen nicht nehmen, und einige Kinder machten es sich auf dem historischen Brunnen bequem, wo sie einen Logenplatz und freie Sicht auf die gut gelaunte Band mit Schlagzeuger Christian Baumgärtner, Gitarrist Ralf Gugel, Bassist Johannes Killinger und Pianist Ralf Schuon hatten. Dass Karl Frierson wegen des Glühweins gekommen war, wie er sagte, nahm ihm niemand ab – zu offensichtlich gut gefällt es ihm und seinen Kolleginnen beim Winter City Open Air – zumal seine Füße in warmen, wenn auch optisch merkwürdigen Kuhfell-Schuhen steckten.

Am Rathausturm brennt kein Licht

Luft zum Durchatmen hatten alle, denen es irgendwann zu eng wurde, auf dem Bürgerturmplatz im Weihnachtsdorf, wo das Angebot durch Qualität statt durch Quantität besticht – unter dem künstlichen Firmament eines Zeltdachs aus Licht.

Einzig am Rathausturm fehlte dasselbe – was einige bedauerten. Ob es daran liegt, dass Oberbürgermeister Roland Tralmer Kassensturz gemacht und festgestellt hat, dass die Stadt es sich nicht leisten kann, verschwenderisch zu beleuchten? Egal: Ebingen leuchtete am Wochenende auch ohne Strom vom Rathausturm, und zwar um die Wette mit Roland Tralmer und seiner Frau, die nach einem harten Jahr endlich Zeit zum Feiern hatten.

Viele weitere Fotos unter www.schwarzwaelder-bote.de

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