Vesperkirche Ebingen: Hier speist man in guter Gemeinschaft

Das Marienheim in Ebingen war während der ökumenischen Vesperkirche wieder gut gefüllt. Der Besucherstrom wollte nicht abreißen.
Vera BenderWann trifft man schon mal über 100 gut gelaunte Menschen auf einem Fleck? Wenn ökumenische Vesperkirche in Albstadt ist! Schon am Sonntag startete das Projekt mit rund 150 Besuchern in die neue Saison. „So viele Gäste hatten wir noch nie“, hieß es von Veranstalterseite. Am Montag, der sonst eher schlechter besucht sei, waren es noch stolze 120 Besucher, und auch am Dienstag hatten die Leute Mühe, ein freies Plätzchen im Saal des Ebinger Marienheims zu finden.
Was die ökumenische Vesperkirche in Albstadt zu solch einem Besuchermagneten macht, ist die gute Organisation und die tolle Gemeinschaft, die hier vom 22. Februar bis zum 3. März herrscht. Das hörte man zumindest an den einzelnen Tischen heraus. Hier waren an diesem Mittwoch Schülerinnen und Schüler des Ebinger Gymnasiums im Einsatz. Das hat längst Tradition. Für die Jugendlichen der elften Klassen war es allerdings ein Novum. Völlig überwältigt vom Ansturm zeigten sich die Klassenkameradinnen Mia, Laura, Emma, Amelie und Nele. Sie hatten sich freiwillig für die Essensausgabe und Bedienung an den Tischen gemeldet.
Kennenlernen und einander helfen
„Wer nicht mithelfen will, muss nicht. Das ist alles freiwillig“, erklärt Laura. „Hier kann man neue Leute kennenlernen und einfach helfen“, erläutert Emma ihre Intention. Knapp 30 Gymnasiasten wuseln zur Mittagszeit durch den Saal. Nele freut sich: „Alle sind so freundlich und voll nett hier.“ Dieses Kompliment können die Gäste durchaus zurückgeben. Manche von ihnen sind bereits Stammgäste und merken sich jedes Jahr den Termin der Vesperkirche im Kalender vor. Andere sind zum ersten Mal zu Gast.
Und eine der Damen, die überhaupt das allererste Mal den Weg zur Vesperkirche im Marienheim gefunden hat, strahlt übers ganze Gesicht und schwärmt von der schönen Gemeinschaft: „Man setzt sich an den gedeckten Tisch und alles ist so schön hergerichtet. Das haut einen regelrecht um. Ich finde es toll, dass es diese Begegnungsstätte gibt. Alt und Jung sitzen gemeinsam an den Tischen und jeder strahlt. Man wird auch ganz toll begrüßt. Wo findet man das denn noch?“ Und dann erklärt die Besucherin etwas leiser: „Gerade für Leute, die keinen dicken Geldbeutel haben. Die können doch kaum in Gesellschaft essen.“
Schämen muss sich hier niemand. Hier sitzen Menschen, die sich das Essen im Restaurant leisten können. Und daneben oder gegenüber Leute, die tagtäglich zu kämpfen haben, dass das Geld für das Nötigste reicht. Doch das weiß man auch nur, wenn man die Menschen persönlich kennt. Denn hier trägt niemand ein Schild vor sich her oder hat einen Stempel auf der Stirn. Bei der Vesperkirche sind alle gleich. Und das ist ja auch das Wesen dieser Veranstaltung. Alle kommen miteinander ins Gespräch und freuen sich. Wer etwas ins Spendenglas werfen will, kann dies tun. Wer knapp bei Kasse ist, der ist einfach eingeladen zum Essen. Ohne sich irgendwie rechtfertigen zu müssen.
Köstliche Speisen und Kuchen
Heute gibt es Bratwürste – auch als Veggie-Version – mit Kartoffelsalat und Soße, verrät Diakon Michael Weimer, der vor dem gemeinsamen Essen auch noch einen geistlichen Impuls ausgibt. Niemand muss bei einem Tischgebet die Hände falten oder mitsprechen. Es geht einfach nur um einen stellvertretenden Dank an den Schöpfer und um etwas zum Nachdenken. Primeln zieren die Tische, die mit Tischdecken und Servietten in frühlingshaftem Hellgrün hergerichtet sind. Alle sind überaus gut gelaunt.
„Schön, dass Sie alle da sind“, begrüßt Elvira Di Valentino von der Caritas übers Mikrofon die muntere Gesellschaft. Zwei Beraterinnen der Diakonie stellen sich vor und erklären, wo genau sie an diesem Mittag sitzen und dass sie für alle ansprechbar seien. Ihr Fachbereich sei zwar die Suchtberatung, aber sie würden auch fachübergreifend Hilfe anbieten können.
Währenddessen zieht der Duft der Speisen durch den Raum und schmunzelnd denkt man: „Ja, dieses Gemeinschaftsmahl kann bestimmt auch süchtig machen.“ Aber eben im positiven Sinn.
Und schon bemerkt Diakon Weimer, dass das Kuchenbuffet um 12 Uhr geöffnet wird. Denn schon seine Großmutter habe immer gesagt: „Zuerst wird gegessen, was auf den Tisch kommt, und dann wird geschleckt.“ Und so hielt man es denn auch.
