Tiefdruck statt Bleistift: Warum diese Radierung die Albstädter Jury überzeugte

Die Künstlerin Majla Zeneli erhält den XI. Felix Hollenberg-Preis für zeitgenössische Radierkunst des Kunstmuseums Albstadt.
Majla Zeneli- Majla Zeneli erhält den „XI. Felix-Hollenberg-Preis für zeitgenössische Radierkunst“.
- Die Jury entschied sich einstimmig für Zeneli – nominiert waren insgesamt acht Positionen.
- Begründung: stringente Mezzotinto-Technik und starke Wirkung im kleinen Format.
- Direktor Kai Hohenfeld: historische Technik setzt neue Impulse, Werke wirken magisch.
- Preis umfasst Preisgeld, Kunstankauf und eine Ausstellung mit Katalog; Verleihung 2027.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wer bei Radierung an einen Radiergummi und Bleistift denkt, der sollte jetzt lieber weiterlesen, denn unter dem vermeintlich einfachen Namen verbirgt sich eine Tiefdrucktechnik. Hier wird nicht etwa Bleistift radiert, um kunstvolle Werke entstehen zu lassen, sondern mit Säure oder Schaben Zeichnungen im Metall hervorgehoben. Die Albanerin Majla Zeneli wurde jetzt vom Kunstmuseum Albstadt für die Anwendung dieser Technik ausgezeichnet.
Acht Stücke waren für den „XI. Felix-Hollenberg-Preises für zeitgenössische Radierkunst“ des Kunstmuseums nominiert worden. Die Jury – bestehend aus dem Künstler Mathias Hornung, der Kunsthistorikerin Dr. Julia Berghoff, dem Galeristen Dr. Günter Baumann und der Künstlerin Professor Bettina van Haaren – entschied sich einstimmig für Majla Zeneli.

Die Jury mit Werken der Preisträgerin Majla Zeneli (von links): Mathias Hornung, Dr. Julia Berghoff, Dr. Günter Baumann, Professor Bettina van Haaren.
Kai HohenfeldDie 1980 in der albanischen Hauptstadt Tirana geborene Künstlerin studierte an den Akademien in Breslau und Halle (Saale). Sie lebt und arbeitet heute in Berlin.
Die Nominierung von Zeneli geht auf den Juror Mathias Hornung zurück: „Die stringente Anwendung des Mezzotinto-Verfahrens und die Arbeit im betont kleinen Format haben mich überzeugt. Es ist erstaunlich, wie Majla Zenelis Arbeiten die Aufmerksamkeit fokussieren und sich selbst gegenüber raumgreifenden Formaten behaupten.“
Direktor Dr. Kai Hohenfeld sieht die Entscheidung der Jury als starkes Signal: „Auch in einer historischen Technik kann man neue Impulse aussenden. Majla Zeneli beweist, dass die Radierung auch in der Gegenwart ihre Relevanz behält. Bei der aufwendigen Mezzotinto-Technik wird aus tiefer Dunkelheit ins Helle gearbeitet. Die Blätter haben eine magische Atmosphäre. Abstrakte geometrische Formen manifestieren sich in der Dunkelheit. Ich freue mich sehr darauf, gemeinsam mit der Preisträgerin eine Ausstellung zu erarbeiten.“

Majla Zeneli, ohne Titel (Here, where light is.), 2023, Mezzotinto-Radierung,© Majla Zeneli
Majla ZeneliDer Preis ist benannt nach Felix Hollenberg (1868–1945), dem Pionier der Landschafts- und Originalradierung, dessen umfangreiches Archiv im Kunstmuseum Albstadt gepflegt wird. Seit 1992 vergibt die Stadt Albstadt den Felix-Hollenberg-Preis an Kunstschaffende, die sich auf dem Feld der zeitgenössischen Radierung verdient machen. Grundlage ist die Felix-Hollenberg-Stiftung, die 1991 von Dr. Erika Schad-Hollenberg und ihrem Mann ins Leben gerufen wurde. Der Preis umfasst ein Preisgeld, einen Kunstankauf sowie eine Ausstellung mit Katalog. Die eigentliche Preisverleihung findet im Rahmen der für 2027 geplanten Ausstellung statt.
Das Mezzotinto-Verfahren
Das Tiefdruckverfahren Mezzotinto wurde 1642 von dem Deutschen Ludwig von Siegen entwickelt. Es erlebte seinen Höhepunkt allerdings in der englischen Porträtmalerei im 17. und 18. Jahrhundert.
Der Unterschied zu anderen Tiefdruckverfahren besteht darin, dass beim Mezzotinto-Verfahren von Dunkel nach Hell gearbeitet wird, statt andersherum. Zunächst wird eine geglättete Kupferplatte so aufgeraut, dass ein gleichmäßiges Raster entsteht. Druckt man die Platte danach, entsteht ein samtiges Tiefschwarz. Auf dieser Fläche werden mit einem Schabeisen oder Polierstahl Flächen geglättet, an denen Helligkeit gewünscht wird.
Es ist ein Verfahren mit hohem Zeitaufwand, das sich für größere Gemälde eignet.
