Rezept-Serie „Urlaub auf dem Teller“: Im Land des Kibbeling und der Bitterballen

Die friesische Senfsuppe mutet vom Namen her ungewöhnlich an, schmeckt aber wunderbar würzig.
Vera Bender- Reisebericht über Friesland in den Niederlanden – Natur, Wasserstraßen und kulinarische Eindrücke.
- Motorboot-Charter ohne Führerschein möglich, Häfen liegen oft zentral in den Städten.
- Küche: Borrelhapjes wie Kibbeling und Bitterballen, große Portionen, Apfelmus zu Fleisch.
- Besonderheit Frühstück und Snacks: weiches Brot mit Hagelslag, viele frittierte Speisen.
- Rezepttipp Mosterdsoep: Lauchzwiebeln, Butter, Mehl, Brühe, Crème fraîche und Senf, dazu Brot.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Natur pur: Das ist Friesland. Und schon beginnt die Verwirrung. Friesland in den Niederlanden, aber nicht in Holland. Denn Holland ist selbst eine Provinz der Niederlande. Wir reden also vom Gebiet im Norden der Nachbarn, die bekannt sind für Tulpen und Käse. Von einer Provinz, die von Wasserstraßen durchzogen ist und in der wahrscheinlich mehr Menschen ein Boot besitzen als ein Auto. Hier ist es durchaus empfehlenswert, die Gegend mit einem Motorboot zu inspizieren, das man bei unzähligen Charterfirmen auch ohne Bootsführerschein mieten kann.
Riesiges Netz aus Wasserstraßen
Nach ersten Erfahrungen als Käpitän und Matrosin auf Kanälen im Elsass, wo man eigentlich ständig am Schleusen ist, haben mein Mann und ich es in diesem Jahr schließlich gewagt, mit einem perfekt ausgestatteten Boot durch das Tjeukemeer, das Slootermeer oder den Prinses-Margriet-Kanal zu steuern. Zwei Kabinen, ein geräumiges Bad, eine Toilette, Salon mit Sitzecke und Küche sowie vielen Annehmlichkeiten machen es einfach, eine Rundreise durch das Land zu unternehmen, da man eigentlich alles dabei hat. An kühlen Nächten wärmt die leistungsstarke Heizung den Innenbereich auf und an heißen Tagen lädt der offene Heckbereich zum Verweilen ein.

Ob quer durchs Naturschutzgebiet schippern oder in den friesischen Städtchen mitten im Zentrum anlegen und das geschäftige Treiben erleben, mit einem gecharterten Motorboot hat man alle Freiheiten.
Vera BenderBrötchen aufbacken im Backofen oder Kaffee zubereiten in der Kaffeemaschine ist auch während der Fahrt überhaupt kein Problem. Und währenddessen sieht man die abwechslungsreiche Landschaft vorbeiziehen. Hier grasen Kühe, Pferde oder Schafe, dort brüten Enten und Gänse und beim Anlegen schaut einem auch schon mal eine neugierige Katze zu. Ob man mitten im Naturschutzgebiet an einer sogenannten Marrekrite festmacht und den Strom aus den Bordbatterien nutzt, während man die Stille genießt, oder mitten im turbulenten Hafen anlegt und Landstrom hat, um auch einmal ein Waffeleisen anwerfen zu können – es ist das unglaubliche Gefühl von Freiheit. Den Fernseher an Bord benötigt man gar nicht. Der Blick aus den Fenstern rundum bietet so viel mehr und erdet jeden, der sich die Zeit dafür nimmt.
Borrelhapjes zum Feierabendbier mit Freunden
In den verschiedenen Häfen, bei denen man sich quasi mitten auf dem Marktplatz eines jeden Städtchens befindet, so als ob man mit dem Auto in der Altstadt parkt, gibt es unzählige Restaurants, in denen man die friesische Küche kennenlernen kann. Ich staunte nicht schlecht, als ich zum Roastbeef auch noch Apfelmus serviert bekam. Oder am Nachmittag statt Kaffee und Kuchen etwas aus der „Borrel“-Karte auswählte. Das sind Snacks zum Feierabendbier und dazu gehören beispielsweise Kibbeling (in Backteig frittierte Fischstücke) oder Bitterballen (frittierte Bällchen aus Fleischragout).

In Woudsend wurde eine Kirche in ein Restaurant mit dem passenden Namen "Ponkje", auf deutsch "Klingelbeutel", umgewandelt. Die Rechnung wird dann in selbigem "serviert".
Vera BenderIm niederländischen Friesland sind die Portionen groß und es werden oft Beilagen zusätzlich serviert, die so gar nicht auf der Karte stehen. In den Supermärkten gibt es bei den Kühlregalen riesige Abteilungen mit Borrelhapjes, quasi friesische Tapas. Man hat die Qual der Wahl bei “Kruidenroomkaas Rolletjes“, „Kaasblokjes“, „Katenspek“, „Zalm“ und vielem mehr – im Grunde kleine Schälchen mit Oliven, Käsewürfel, schinkenummanteltem Frischkäse, Krabben und dergleichen.
Süß, salzig oder bitter
Zum Frühstück macht man sich eine der vielen Sorten „Hagelslag“ auf das mit Butter grundierte Brot, das in Friesland sehr viel weicher, irgendwie knautschig, ist und auch schon mal fast schwarz aussehen kann, weil Färbemalz für die Optik zugesetzt ist. Beim Eis ist man mit ungewohnten Sorten wie Eierpunsch, Krokant, Kokosnuss oder Stroopwafel, die es natürlich auch als reines Gebäck gibt, und Namen, mit denen man nichts anfangen kann, leicht überfordert.

Idylle pur erlebt man bei einem Frieslandurlaub mit dem Motorboot. Hier kann man abschalten und neue Kraft tanken.
Vera BenderAnsonsten frittieren die Niederländer viel, was bedeutet, dass es oft Pommes Frites, Bitterballen, Kroket (panierte Rindfleischrollen), Kibbeling oder Frikandel (Brätstange) gibt. Wer Pfannkuchen liebt, bestellt sich Poffertjes. Bei unseren Nachbarn im Norden kommt so manches auf den Teller, was man hierzulande überhaupt nicht kennt. So auch die Senfsuppe. Meist isst man ein Stück Weißbrot oder Baguette dazu. Oft wird darauf Kräuterbutter gestrichen. Überhaupt isst man in Friesland die Suppen oft mit einem Stück Butterbrot. So wie zum Fleischgericht eben auch manchmal Apfelmus gereicht wird.
Auf alle Fälle lohnt es sich, einen Urlaub an der friesischen Küste zu verbringen, wo man auf interessante Dörfer und herzliche Menschen trifft. Und auf unendlich viele Brücken, die sich anheben, wenn man mit dem Boot durchfahren will. Dann steht auch mal der Auto-, Rad- und Fußgängerverkehr für einige Minuten still, bevor sich die Brücke wieder absenkt. Das gilt im Übrigen sogar für manche Eisenbahnbrücke und eine Autobahnbrücke. Für deutsche Urlauber ein echtes Phänomen.
So bereitet man eine friesische Senfsuppe (Mosterdsoep) zu
Einige Frühlingszwiebeln werden in feine Ringe geschnitten – sowohl das weiße wie ein Teil des grünen Stengels – und in einem Topf mit etwas Butter leicht angebraten. Etwas Mehl (ungefähr 2 Esslöffel) vorsichtig unter die Masse heben, damit die Suppe nachher schön sämig wird. Dann gießt man das Ganze mit Gemüsebrühe (zirka 0,75 bis 1 Liter) auf und lässt es etwas köcheln. Anschließend kommen noch ein Becher Creme Fraiche und etwa 4 Esslöffel voll Senf hinzu, bevor die Suppe mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt wird. Der Senf kann fein oder grob oder eine Mischung daraus sein. Allerdings schmeckt süßer Senf, wie man ihn zu Weißwürsten isst, nicht so gut in der Suppe. Am Schluss kann man die Suppe noch mit ein paar Ringen Frühlingszwiebeln dekorieren und Weißbrot dazu reichen.

Am Nachmittag bestellt man sich in den Niederlanden gerne Borrelhapjes, wie in diesem Fall Bitterballen, die man zu einem Glas Bier oder Wein oder einem Aperitiv isst.
Vera Bender

