Notfallpraxis in Albstadt-Ebingen: Bürgermeister wehren sich gegen Schließung

Der Notfallpraxis in Albstadt-Ebingen droht das Aus.
Bernd Weißbrod/dpaDie Oberbürgermeister, Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Städte und Gemeinden im Zollernalbkreis haben an diesem Dienstag einen offenen Brief an die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) veröffentlicht. Darin drücken sie ihre entschiedene Ablehnung der geplanten Schließung von Notfallpraxen aus.
Laut Mitteilung des Kreisverbands Zollernalb des Gemeindetags stößt die mögliche Schließung bei den Bürgermeistern auf erheblichen Widerstand“
Oliver Schmid: Schließung würde Versorgung beeinträchtigen
„In einer Zeit, in der das Vertrauen der Menschen in das Funktionieren des Staatswesens ohnehin schwindet, ist es unerlässlich, dass wir gemeinsam daran arbeiten, die grundlegenden Dienstleistungen aufrechtzuerhalten und zu verbessern. Notfallpraxen sind ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Gesundheitsversorgung. Ihre Schließung würde nicht nur die medizinische Versorgung erheblich beeinträchtigen, sondern auch das Vertrauen in das Gesundheitswesen weiter schwinden lassen“, schreibt Geislingens Bürgermeister Oliver Schmid, Sprecher der Bürgermeister im Zollernalbkreis, in dem Brief, der unserer Redaktion vorliegt.
Besondere Sorge bereitet den Bürgermeistern, dass die Schließung der Notfallpraxen zu einer Überlastung der Ambulanzen in den Krankenhäusern führen könnte, die bereits jetzt stark frequentiert sind.
Appell an die Verantwortlichen der Kassenärztlichen Vereinigung
Diese zusätzliche Belastung könnte die medizinische Versorgung insgesamt verschlechtern und längere Wartezeiten für die Patienten zur Folge haben, befürchten die Verfasser des Briefs.
Die Bürgermeister des Zollernalbkreises betonen, dass sie im Schulterschluss der kommunalen Familie sowohl die Große Kreisstadt Albstadt als auch alle anderen betroffenen Städte und Gemeinden landesweit unterstützen wollen.
„Es bedarf einer Lösung, die sowohl den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht wird als auch die Belastungen der Ärztinnen und Ärzte berücksichtigt. Eine sorgfältige Abwägung aller Faktoren und die Einbeziehung aller relevanten Akteure sind unabdingbar, um eine tragfähige und akzeptable Lösung zu finden“, so Schmid weiter.
Die Bürgermeister appellieren an die Verantwortlichen der KVBW, ihre Entscheidung zu revidieren. Die Sicherstellung einer flächendeckenden und zugänglichen Notfallversorgung müsse oberste Priorität haben.
Schon in den vergangenen Tagen war Kritik laut geworden, das drohende Ende der Notfallspraxis in Ebingen wurde bemängelt. „Das wäre eine unerfreuliche Entwicklung. Wer Hilfe benötigt und diese bei Hausärzten oder Notfallpraxen nicht erhält, ruft irgendwann den Rettungsdienst“, sagte etwa Dietmar Dieter, stellvertretender Vorsitzender des DRK Zollernalb. Es sei zu befürchten, dass die Zahl der DRK-Einsätze dadurch zunehme.
Hintergrund: Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) will Berichten zufolge bis zu 17 weitere derartige Praxen im Südwesten schließen – detailliert informieren will die KVBW allerdings erst am 21. Oktober, wie ihr Sprecher Kai Sonntag unserer Redaktion mitteilte.