„Natur nah dran“: Biodiversität hat auf vier Projektflächen in Albstadt Vorrang

Eine Projektfläche von „Natur nah dran“ befindet sich am Trafo-Häuschen in der Ebinger Langwatte.
Benjamin RothAn der Trafostation in der Ebinger Langwatte weisen Hinweisschilder seit Kurzem auf eine Fläche hin, die im Rahmen des NABU-Projekts „Natur nah dran“ mit Wildpflanzen insektenfreundlich umgestaltet wird. Das ist nur der Anfang. Später sollen die Hinweisschilder, die kurz und knapp erklären, warum Baggerarbeiten stattfinden oder Substrat aufgeschüttet wird, durch feste Infotafeln ersetzt werden, die auf die wertvollen Lebensräume für die biologische Vielfalt hinweisen. Darüber informiert die Stadtverwaltung in einer Pressemitteilung.
Die im Rahmen von „Natur nah dran“ umgewandelten Flächen liegen neben jener in der Langwatte beim Kinderspielplatz in der Lembergstraße auf dem Hohberg in Onstmettingen, auf Stiegel-Heuberg in Tailfingen und in Ebingen am Busbahnhof Mazmannplatz.
Im nächsten Jahr blüht es
Was geschieht auf den Projektflächen? Diese, so schreibt die Verwaltung in der Mitteilung weiter, werden zum Teil ausgebaggert und mit einem Gemisch aus Schotter und Kompost wieder aufgefüllt. Dies sei nötig, damit die Wildblumen und Wildstauden dort gedeihen können – sie benötigen einen sehr mageren Boden, um optimal wachsen zu können.
„Die Flächen sehen für ein paar Wochen natürlich zunächst recht grau aus. Doch keine Bange: Schon im nächsten Jahr blühen hier die ersten Wildpflanzen für Tiere wie Mauerbienen, Stieglitze oder Schachbrettfalter“, wird NABU-Projektleiter Martin Klatt zitiert. „Es braucht jetzt etwas Geduld, aber in den nächsten ein bis zwei Jahren werden sich die Flächen immer mehr zu wertvollen und langjährigen Lebensräumen entwickeln.“
Maßnahmen auf Örtlichkeit angepasst
Ein weiterer Grund für den teilweisen Bodenaustausch ist, dass so die im Boden schlummernden Samen von weniger erwünschten und sich schnell ausbreitenden Pflanzen wie Melde, Knöterich oder Weißklee entfernt werden. An manchen Standorten wird die Erde an Ort und Stelle belassen, umgegraben und dann mit Wildpflanzen bestückt. Diese Methode ist weniger aufwendig, es dauert aber länger bis sich die Wildpflanzen großflächig etablieren. Die mit „Natur nah dran“ durchgeführten Maßnahmen sind individuell an die Gegebenheiten vor Ort angepasst.
Albstadt hat mithilfe von Naturgartenplanerin Melanie Klemp ein geeignetes Konzept erarbeitet, das nun umgesetzt wird. Ab Anfang Oktober werden oder wurden bereits Wildstauden gepflanzt; zudem Wildblumenzwiebeln in den Boden gesteckt und Wildblumensamen eingesät.
Nicht mit Schottergärten verwechseln
Die „Natur nah dran“-Flächen seien indes nicht mit Schottergärten zu verwechseln, die für Insekten und Vögel nutzlos sind. Bereits in diesem Frühjahr hatte die Stadtverwaltung Kritik, beispielsweise für die Bepflanzung des Kreisverkehrs am Ortseingang Truchtelfingen von Ebingen herkommend, einstecken müssen. Auch dort wurde mit Schotter und Wildpflanzen gearbeitet.
Zwar komme bei den nun betroffenen Projekt-Flächen ebenfalls Schotter zum Einsatz, aber immer in Kombination mit feinen Anteilen, wie Sand oder Schluff, die gewährleisten, dass die Samen ausreichend Bodenkontakt haben und Wurzeln sich ausbilden können. Ergänzt wird das mineralische Substrat durch Grünschnittkompost. So können Wildpflanzen gedeihen, die in einem Schottergarten kaum eine Überlebenschance hätten, heißt es in der Mitteilung weiter.
Gefördert von Landesministerium
Das Kooperationsprojekt „Natur nah dran“ von NABU und Land wird gefördert durch das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. Ziel ist es, Städte und Gemeinden dabei zu unterstützen, Grünflächen im Sinne der Biodiversität umzugestalten. Von 2022 bis 2027 werden jährlich 15 Städte und Gemeinden gefördert. Seit 2016 wandelten 136 Kommunen bereits über 290.000 Quadratmeter naturnah um.
