Kräuterkasten Albstadt
: Mit Stimmen und Klavier – „Und worüber lacht Ihr?“

Zum Lachen, aber auch zum Nachdenken verleiteten am Freitag Kantor Bruno Hamm und Sängerin Adelheid Fink mit Stimme und Klavier die Gäste im Kräuterkasten.
Von
Ute Büttner
Oberndorf
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Bruno Hamm und Adelheid Fink begeisterten ihr Publikum mit Klavier und Gesang.

Rainer Günther

Sie brauchen dazu keine KI, ihre eigene Intelligenz reicht vollkommen. Bruno Hamm betrachtet mit dem kritischen Blick eines nicht mehr ganz jungen Herren die heutige Zeit. Wenn schon gendern, dann richtig. Fand das Radfahren von Mann und Frau schon vor einer Stunde statt, dann muss es Radgefahrenhabende heißen.

Und welch ein Durcheinander, wenn Jugendliche sich angeblich unterhalten, da versteht man kein Wort. Hamm verdeutlicht das am Klavier, keine Melodie, nur ein Gewirr von Tönen. Damit zeigt er schon sein Können, Spiel mit Worten und Umsetzen des Gesagten in die richtige Musik.

Hamm ist acuh ein toller Schauspieler

Und er kann auch Wissen über Musik vermitteln. Das beweist er mit „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“. Klingt das bei Mozart leicht wie ein Scherzo, wird es bei Beethoven zum pathetischen Adagio, reihen sich bei Schönberg die Töne gleichberechtigt nebeneinander. Mit Marilyn Monroe wird es zum Chanson und dann rockt es durch die 70er- und 80er-Jahre.

Hamm ist nicht nur ein exzellenter Pianist, sondern auch ein toller Schauspieler. Wenn er die Arme hebt, sich langsam setzt, den Kopf senkt, in die Tasten greift, könnte man meinen, dass jetzt Lang Lang persönlich Beethoven spielen wird.

„I got rhythm, I got music“ bestätigt Adelheid Fink mit ihrem Gesang. Beide Künstler haben das Gespür für Gemeinsamkeit, achten aufeinander. Im Orchester ist das nicht immer so, zeigt Bruno Hamm spöttisch am Beispiel der Bratsche. Musik kann so schwierig sein und so einfallsreich. Wie ändert sich doch ein klassisches Motiv, wenn es etwa wie Chick Corea klingt.

Eine Singstimme kann geändert werden

Und eine Singstimme kann geändert werden. „I got plenty or nothing“, hier interpretiert nicht Porgy, sondern Fink mit ihrem Sopran, so mitreißend, dass einem selbst der ganze Körper in Bewegung gerät.

Nach der Pause wird es nachdenklicher. Dazu lädt Chick Corea ein, jazzig, aber nicht zu erregt, Zeit, um zur Ruhe zu kommen. Es geht jetzt auch um das Altern. „Wenn man sich jung fühlt, ist man nicht jung sondern alt.“ Man braucht eine neue Brille, man lernt Ärzte als neue Bekannte kennen, man ist als Mann schockiert, wenn einem im Bus ein Mädchen den Platz anbietet.

Hamm hat seine Erfahrungen in einem eigenen Lied zusammengefasst, erweist sich also auch noch als Sänger, sucht dann nach Befreiung, findet die mit Reinhard Mey „Über den Wolken“ und als Chordirigent bringt er die Gäste im Saal dazu, dass sie nicht nur zögerlich, sondern kräftig mitsingen. „Summertime“ beschreibt dann Adelheid Fink, lässt Zeit zum Betrachten, zum Besinnen, zum Hoffen „don`t you cry“.

Zum Abschluss Hanns Dieter Hüsch „Utopie“. Fink spricht den Text zuerst zur Klavierbegleitung, singt dann so, als komme auch ihr dieser Wunsch aus dem Herzen „dass jeder jeden in die Arme nimmt“. Nun, das können die Gäste jetzt gerade nicht, denn „no use complaining“, es gab sowieso keinen Anlass zum Klagen, und so brauchen alle ihre Hände an den Armen, um herzlich und dankbar Beifall zu klatschen für diesen Abend.

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