Albstädter: Akkus im Hausmüll – warum kleine Geräte Großbrände auslösen können

Die Freiwillige Feuerwehr Albstadt war am Dienstagvormittag (28. Juli) bei der Firma Korn Recycling in Ebingen im Einsatz. (Archiv)
Jannik Nölke- Korn Recycling warnt: Falsch entsorgte Akkus können Abfallbrände auslösen und Anlagen gefährden.
- Beispiele reichen von E-Zahnbürsten bis Einweg-E-Zigaretten – oft sind Energiespeicher versteckt.
- Brände in Reutlingen und Friedrichshafen zeigen die Wucht solcher Ereignisse und die Risiken für Anwohner.
- Das Unternehmen nutzt BatterySort mit Röntgentechnik, um Akkus frühzeitig aus dem Abfall zu entfernen.
- Tipp für Haushalte: Akkus separat abgeben, Elektrogeräte prüfen, Asche auskühlen lassen, Chemikalien trennen.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Eine elektrische Zahnbürste, ein blinkender Kinderschuh oder eine Einweg-E-Zigarette: Was im Abfall zunächst harmlos aussieht, kann einen gefährlichen Lithium-Ionen-Akku enthalten. Landet dieser im Restmüll, im Gelben Sack, im Sperrmüll oder im Altpapier, kann er bei der Sammlung und Verarbeitung beschädigt werden, sich stark erhitzen und einen Brand auslösen.
Gerade während sommerlicher Hitzeperioden ist besondere Aufmerksamkeit gefragt. Container, Metallteile und dunkle Oberflächen können sich bei direkter Sonneneinstrahlung auf 60 bis 70 Grad aufheizen. In größeren Abfallmengen kann sich Wärme zudem über längere Zeit stauen. Hitze allein setzt einen Abfallhaufen zwar nicht automatisch in Brand. Sie verschärft jedoch die Bedingungen, unter denen ein beschädigter Akku, eine chemische Reaktion, heiße Asche oder eine andere Zündquelle zum Auslöser werden kann.
Brände werden zur Gefahr für ganze Standorte
Wie gravierend Brände in Entsorgungs- und Recyclingbetrieben werden können, haben aktuelle Ereignisse in Baden-Württemberg gezeigt. Ende Juni brannte eine Werkshalle eines Recyclingbetriebs im Reutlinger Industriegebiet Mark West vollständig aus. Es entstand ein Schaden in Millionenhöhe. Als Ursache wurde später ein technischer Defekt in einem Stromverteilerkasten ermittelt.
Anfang August standen bei einem Großbrand in einem Müllverwertungsbetrieb in Friedrichshafen große Mengen gelagerter Abfälle in Flammen. Rund 260 Einsatzkräfte waren vor Ort. Ein Übergreifen auf weitere Lagerflächen und ein Tanklager konnte verhindert werden. Die Bevölkerung wurde aufgrund der starken Rauchentwicklung zeitweise aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten.
Batterien und Akkus sorgen für Brände
„Solche Ereignisse zeigen, welche Dimension ein Brand in kürzester Zeit erreichen kann“, sagt Alexander Korn, geschäftsführender Gesellschafter von Korn Recycling. „Die Ursachen können sehr unterschiedlich sein. Bei vielen vermeidbaren Brandereignissen in der Entsorgungsbranche spielen jedoch falsch entsorgte Batterien und Akkus eine entscheidende Rolle. Jeder einzelne Fehlwurf bringt Menschen, Fahrzeuge und Anlagen in Gefahr.“
Der Unternehmer weiß, wovon er spricht. Auch der Albstädter Standort ist immer wieder von solchen Bränden betroffen. Korn entwickelte ein System zur Früherkennung. Auch, weil 2009 das komplette Unternehmen einem Brand zum Opfer gefallen war.
Auch das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass falsch gesammelte lithiumhaltige Batterien und batteriehaltige Elektrogeräte vermehrt mit Bränden in Abfallentsorgungsanlagen in Verbindung gebracht werden. Batterien und Akkus dürfen deshalb keinesfalls über den Hausmüll, den Gelben Sack, den Sperrmüll oder andere ungeeignete Abfallströme entsorgt werden.
Der Akku steckt oft dort, wo ihn niemand vermutet
Das Problem: Akkus sind längst nicht mehr nur in Smartphones, Laptops oder Werkzeugen verbaut. Sie stecken unter anderem in elektrischen Zahnbürsten und Rasierapparaten, Spielzeugen, blinkenden Schuhen, singenden Grußkarten, kabellosen Kopfhörern, kleinen Ventilatoren sowie Einweg-E-Zigaretten. Werden solche Gegenstände in Müllfahrzeugen verdichtet, in Sortieranlagen gepresst oder von einem Schredder erfasst, kann der Akku beschädigt werden. Ein Kurzschluss oder sogenanntes thermisches Durchgehen kann dazu führen, dass er sich innerhalb kürzester Zeit stark erhitzt, brennt oder explosionsartig reagiert. Papier, Kunststoffe und andere trockene Materialien in der Umgebung beschleunigen die Ausbreitung zusätzlich.
Künstliche Intelligenz fischt versteckte Akkus aus dem Abfall
Korn Recycling setzt deshalb bereits seit März 2025 auf eine weltweit erstmals in dieser Form eingesetzte Technologie. Das KI-basierte System BatterySort durchleuchtet den Abfallstrom mithilfe von Röntgentechnik, erkennt darin verborgene Batterien und Akkus und schleust sie automatisiert aus.
Die Technologie erkennt auch Energiespeicher, die unter anderen Abfällen verborgen oder fest in Geräten verbaut sind. Damit setzt Korn Recycling früher an als klassische Rauch- oder Wärmemelder: Gefährliche Gegenstände sollen entfernt werden, bevor überhaupt ein Brand entstehen kann. Das Unternehmen wurde für den Einsatz der Technologie 2026 mit dem Branchenpreis „Grüner Engel“ ausgezeichnet.
„Moderne Technik ist für uns ein wesentlicher Baustein der Brandprävention“, betont Alexander Korn. „Sie entbindet Verbraucherinnen, Verbraucher und Unternehmen aber nicht von ihrer Verantwortung. Die sicherste Batterie ist diejenige, die gar nicht erst im falschen Abfallstrom landet.“
Nicht nur Akkus können bei hohen Temperaturen gefährlich werden. Heiße Asche, Grillkohle und Zigarettenreste dürfen erst entsorgt werden, wenn sie vollständig erkaltet sind. Glut kann sich über viele Stunden im Inneren halten, obwohl das Material von außen bereits kalt erscheint.
Glas hat im Altpapier nichts verloren. Ungünstig geformte Glasscherben können Sonnenlicht unter bestimmten Bedingungen ähnlich wie eine Lupe bündeln. Dieser Brennglaseffekt gehört zwar nicht zu den häufigsten Brandursachen, verdeutlicht aber, wie wichtig eine saubere Trennung ist. Störstoffe verschlechtern nicht nur die Recyclingqualität, sondern können Maschinen beschädigen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verletzen und zusätzliche Brandrisiken schaffen.
Schadstoffhaltige Abfälle nicht in die Kanalisation kippen
Farben, Lacke, Lösungsmittel, Pflanzenschutzmittel und andere schadstoffhaltige Abfälle dürfen weder in den Restmüll noch in die Kanalisation gelangen. Für Privathaushalte im Landkreis Reutlingen ist unter anderem das Schadstoffmobil von Korn Recycling im Einsatz. Dort werden Problemstoffe im Rahmen der geltenden Annahmebedingungen sicher übernommen und anschließend fachgerecht transportiert und entsorgt.
Bei außergewöhnlich hohen Temperaturen können Touren angepasst, Termine verschoben oder Annahmen vorübergehend eingeschränkt werden. Dies dient dem Schutz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die im Schadstoffmobil mit unterschiedlichen Gefahrstoffen, Schutzkleidung und hoher körperlicher Belastung arbeiten.
„Brandprävention beginnt nicht erst in der Sortieranlage, sondern bereits vor der Mülltonne“, fasst Alexander Korn zusammen. „Wer beim Entsorgen einmal mehr hinschaut, schützt unsere Mitarbeitenden, die Einsatzkräfte, Fahrzeuge, Anlagen und die Menschen in der Nachbarschaft. Gerade bei großer Hitze kann ein kleiner richtiger Handgriff einen sehr großen Unterschied machen.“
Fünf Handgriffe, die Brände verhindern können
Akkus und Batterien separat sammeln: Auch vermeintlich leere oder sehr kleine Batterien gehören zu einer geeigneten Rücknahme- oder Annahmestelle.
Elektrogeräte nicht über den Hausmüll entsorgen: Vor dem Wegwerfen prüfen, ob ein Akku fest im Gerät verbaut ist.
Asche und Grillkohle vollständig auskühlen lassen: Im Zweifelsfall mehrere Tage in einem geeigneten, nicht brennbaren Behälter zwischenlagern.
Chemikalien niemals vermischen: Schadstoffe möglichst im Originalbehälter aufbewahren und fachgerecht abgeben.
Bei Unsicherheit nachfragen: Eine kurze fachliche Auskunft ist sicherer als ein gut gemeinter, aber gefährlicher Fehlwurf.







