Gemeinderat Winterlingen: Mehr Platz für die Toten

Der demografische Wandel führt dazu, dass künftig mehr Menschen sterben werden. Die Gemeinde Winterlingen will darauf vorbereitet sein und erweitert ihre Leichenhalle um einen dritten Kühlraum.
Marcus BrandtWinterlingen wird künftig drei statt bisher zwei tote Körper in der Leichenhalle aufbahren können. Für einen entsprechenden Beschlussvorschlag hat der Gemeinderat in der jüngsten Sitzung einstimmig abgestimmt. Die Leichenhalle soll saniert und erweitert werden. Die Pläne und einen Kostenvoranschlag hat Architekt Daniel Hotz erstellt. Ganz ohne kritische Nachfragen lief die Abstimmung allerdings nicht ab. Vor allem die Notwendigkeit einer weiteren Lagerzelle wurde infrage gestellt.
Bisher gibt es auf dem Friedhof zwei Räume, in denen Leichen aufgebahrt werden können. Dabei wird nicht der ganze Raum heruntergekühlt, sondern nur der Sarg selbst. „Das ist vor allem im Sommer nicht schön, wenn sich Angehörige verabschieden wollen, und in dem Raum sind 35 Grad“, sagte Bürgermeister Michael Maier. „Ganz zu schweigen von den Mücken.“
Zudem habe es in den vergangenen Jahren immer wieder Probleme mit den Kühlelementen gegeben, vor allem in den warmen Sommermonaten. Ein weiterer Punkt: Die Leichenhalle in Winterlingen ist nicht ebenerdig zugänglich. Teilweise müsse man noch eine Rampe oder Treppe rauf. „Und die Bausubstanz ist auch nicht mehr toll.“ Eine ganze Reihe an Argumenten also, warum die Gemeinde handeln sollte.
Anbau mit Kühlräumen
Was ist konkret geplant? „Die Aussegnungshalle soll einen Anbau erhalten, der die notwendigen Kühlräume enthält“, heißt es in der Vorlage – die Erweiterung ist nötig, um Platz für drei, statt wie bisher zwei Räume zur Aufbewahrung der Leichen zu schaffen, sowie einen zusätzlichen Lagerraum. Der könnte bei Bedarf zu einem weiteren Kühlraum umgebaut werden, erklärte Maier. Die vier Räume werden rasterartig nebeneinander liegen. Die bisherigen Zellen im Bestandsgebäude werden ebenfalls zu Lagerräumen umfunktioniert.
Die Erweiterung wird im Norden an die bisherige Überdachung des Aussegnungsbereichs angebaut. Dadurch entstehe ein verhältnismäßig windgeschützter Bereich für Aussegnungszeremonien, heißt es in der Vorlage. Die Wiese, auf der die Erweiterung geplant ist, wurde bisher für Gräber genutzt. Die Kühlräume werden ebenerdig zugänglich sein.
Das Kühlsystem wird geändert: Statt wie bisher nur den Sarg in einem sogenannten Katafalken zu kühlen, wird künftig der ganze Raum heruntergekühlt. Das sei technisch nicht so einfach umzusetzen, was sich in den Kosten bemerkbar mache, erklärte Maier. Knapp 20.000 Euro kostet es, die Klimaanlage in allen drei Kühlräumen einzubauen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 320.500 Euro, davon werden 50.000 Euro aus dem Ausgleichsstock des Landes bezuschusst. Für die Gemeinde bleiben noch Kosten in Höhe von 270.500 Euro.
Rund 320 000 Euro
„Der Trend geht dahin, dass sich immer mehr Menschen verbrennen lassen. Die Kühlzellen sind notwendig, wenn die Leiche mehrere Tage liegt. Erdbestattungen werden immer weniger. Ist das sinnvoll, jetzt noch zu erweitern?“, fragte Roland Heck kritisch nach. Maier argumentierte dagegen: Auch vor dem Verbrennen müssten die Leichen gelagert werden. „Die Menschen wollen sich noch verabschieden.“ Nicht jeder tote Körper könne gleich ins Krematorium gefahren werden. Manchmal müsse ein Körper in der Leichenhalle zwischenlagern. Und Erdbestattungen gebe es nach wie vor.
Annika Rieber hakte nach, wie viele Kühl-Kapazitäten jeder Teilort habe. Sechs insgesamt, führte Maier aus, pro Teilort zwei Kühlzellen. Das macht sechs Kühlzellen auf rund 6500 Einwohner in Winterlingen, Benzingen und Harthausen. Das könne platztechnisch schon mal eng werden.
Emil Oswald erinnerte an Zeiten von Corona: „Damals hatten wir Sorge, dass uns der Platz ausgeht.“ Er zeigte sich verwundert über die kritischen Nachfragen zur Erweiterung der Leichenhalle: „Das war schon lange ein Thema, dass wir dringend etwas machen sollten.“ Zumal perspektivisch gesehen die Sterbefälle zunehmen werden, so Maier. „Wir haben schon ein Pflegeheim, bekommen künftig noch ein zweites.“ Gemeint ist der geplante Bau einer weiteren Pflegeeinrichtung mit 75 Plätzen zu den schon bestehenden 60 Plätzen in der Pflegeeinrichtung Kleebühl. Die demografische Entwicklung spreche ebenfalls dafür, dass die Sterbefälle zunehmen werden, sagte Maier.
Der Gemeinderat stimmte letztlich einstimmig für den Beschluss. Sobald der Bauantrag offiziell genehmigt wurde, kann die Verwaltung die Arbeiten ausschreiben.