Feuerwehr trainiert mit DRK: Explosive Mischung in Harthausen: Gas und hohe Flammen

Nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand rettet die Feuerwehr eine Person über eine Trage und die hohe Leiter.
Karina EyrichEin Großeinsatz – irgendwo anders – hat die Hauptübung der Gesamtfeuerwehr Winterlingen erst einmal ausgebremst. Die Mitarbeiter der Leitstelle waren mit dem echten Unglück derart beschäftigt, dass sie sich jetzt nicht um ein inszeniertes Stück kümmern konnten.
Dabei hatte sich – genau an der Stelle auf einem landwirtschaftlichen Anwesen auf der Scher – vor 16 Jahren ein tatsächliches Drama abgespielt: Durch Schweißarbeiten war laut Bernd Schley, dem Kommandanten der Feuerwehrabteilung Harthausen, 2009 tatsächlich ein Brand auf dem Gelände ausgebrochen. Ein Haus ist seitdem unbewohnt.
Was lag für die Feuerwehrleute also näher, genau dieses Szenario für ihre Hauptübung anzunehmen? „In einer Doppelgarage, die zwischen zwei Wohnhäusern und zwei Ställen steht, kommt es durch Schweißarbeiten zu einer unklaren Explosion mit Entstehungsbrand“, heißt es in der Beschreibung, die dann richtig explosiv wird: „Die Schweißarbeiten wurden mit Acetylen und Sauerstoff durchgeführt. Durch die Kraft der Explosion fallen die Flaschen um und liegen in der Nähe der Flammen. Mehrere Menschen und Mitarbeiter in der Umgebung werden zum Teil schwer verletzt. In der Garage befinden sich noch weitere Gasflaschen und brennbare Stoffe. Nachbargebäude sind teilweise beschädigt. Die Garage geht in einen Vollbrand über.“
Tatsächlich wird es beim Üben nicht ganz so heiß wie im Drehbuch: Zwar schlagen veritable Flammen hoch auf dem Hof, unweit einer Garage, doch es brennt in einem alten Grill. Trotzdem hat ein Jugendlicher es geschafft, sich fürchterliche Brandverletzungen zuzuziehen. Da hat die „Maske“, die Schmink-Delegation des DRK-Ortsvereins, ganze Arbeit geleistet. Scheinbar blutüberströmt, mit offenen Wunden, schleppt sich der Jugendliche zu den Rotkreuzhelfern, um sich verarzten zu lassen. Weiter hinten rettet die Feuerwehr zwei Verletzte aus dem Obergeschoss des Gebäudes über den Balkon und eine steile Leiter.
Ein wichtiges Element der Übung sei aber – neben der Personenrettung und dem Ablöschen des Brandes – auch der vorbeugende Brandschutz, erklärt Gesamtkommandant Michael Rieber, der – très chic in Neongelb – einen der neuen Sicherheitshelme der Winterlinger Wehr trägt. Und diesbezüglich kommt nicht nur dem „Multistar“, dem Winterlinger Feuerwehrfahrzeug mit der riesigen Drehleiter, eine enorm wichtige Rolle zu, sondern auch der Jugendfeuerwehr, auf die Bodo Erath – im Rathaus Hauptamtsleiter und Kämmerer, bei der Übung Zaungast – mächtig stolz ist.
20 Aktive, darunter fünf Mädchen, treffen sich in Winterlingen regelmäßig, um jenes Handwerkszeug zu erlernen, das sie in solchen heißen Fällen wie am Samstag in Harthausen brauchen. Dass ihr Fahrzeug Baujahr 1979 und ein knuffiger Retro-Oldtimer ist, stört die Jugendlichen nicht: Das machen sie mit Können und Fleiß wieder wett, spritzen aus allen Rohren und haben sichtlich Spaß daran.
Das haben auch die nur scheinbar schwer verletzten Darsteller, einer davon mit Herz-Kreislauf-Stillstand, die zahlreichen Zuschauer und die 45 Feuerwehrleute aller drei Abteilungen – Kevin Sieber und seine Benzinger sind ebenfalls ausgerückt – trotz der Hitze. Schließlich war es nur eine ungefährliche Zweitaufführung eines vormals echten Dramas, und den Ausfall der Rettungsleitstelle haben die Winterlinger ebenfalls kompensiert – und einfach über Funk alarmiert, wie in guten alten Zeiten. „Im Ernstfall“, sagt Rieber, „wäre natürlich alarmiert worden.“
Mit der Leistung seiner Einsatzkräfte und der Jugendwehr ist der Gesamtkommandant jedenfalls „sehr zufrieden.“