Digital Hub Days in Albstadt: Wirtschaft in der Krise – KI als Retter für den Industriestandort?

Was ist für eine wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft in Deutschland nötig? Darüber haben jüngst Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (von links), Helmut Link, Geschäftsführer von Interstuhl sowie Heinrich Schmid von der gleichnamigen Reutlinger Firma in der Technologiewerkstatt diskutiert.
RothDie Wirtschaft in Deutschland befindet sich das dritte Jahr in Folge in der Rezession. Über die aktuelle Lage der Unternehmen in der Region sprach die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut jüngst in der Technologiewerkstatt im Rahmen der Digital Hub Days. Sie skizzierte herausfordernde Rahmenbedingungen für die Industrie am Standort Deutschland: „Hohe Energie- und Lohnkosten, Bürokratie und die hohe Steuer-Abgabenlast belasten die Unternehmen“, betonte die Ministerin.
Doch, und das stellte Hoffmeister-Kraut voran, sei sie überzeugt davon, dass es der deutschen Wirtschaft gelinge, sich aus eigener Kraft aus dieser Krise herauszuarbeiten.
Nur wie? Dabei setzt die Wirtschaftsministerin viel Hoffnung auf die Karte Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Gerade für kleine und mittelständische Familienunternehmen, derer es zahlreiche in der Region Neckar-Alb und Sigmaringen gebe, sei daher „der Technologie-Transfer in der Fläche so wichtig“.
Indien und China sind auf der digitalen Überholspur
Genau hierfür ist im Jahr 2019 der Digital Hub Neckar-Alb und Sigmaringen an den Start gegangen. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, Unternehmen niederschwellig mit Infoveranstaltungen, Workshops und Beratungen in die digitale Zukunft zu begleiten. So finden diese Woche erneut die Digital Hub Days in der Technologiewerkstatt in Tailfingen statt. Ein großes Lob hatte die Ministerin diesbezüglich für deren Hausherr Daniel Spitzbarth übrig: „Die Technologiewerkstatt setzt Maßstäbe.“
Dass in Sachen Digitalisierung im Land noch viel zu tun sei, bestritt Nicole Hoffmeister-Kraut nicht. Eine Dienstreise nach Indien und China habe ihr vor Augen geführt, dass dort die digitale Entwicklung mit einer immensen Dynamik vorangetrieben werde. „Das was wir tun, ist da nur das Mindestmaß.“

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut sprach über die aktuelle Lage der Wirtschaft.
Foto: RothHausaufgaben gab die Balingerin aber auch der Politik. So müsse die Landesverwaltung stärker auf Künstliche Intelligenz setzen: „Digitalisierung hilft uns auch bei der Bürokratie.“ Beispielsweise Bauanträge könnten so schneller bearbeitet werden. Denn: Entscheidend für den Erfolg der Wirtschaft sei auch, wie effizient die Verwaltung arbeite.
Hinzu komme, dass die Infrastruktur auf dem Land – Stichwort Mobilfunk und Glasfaser – besser werden müsse. Überzeugt zeigte sich die CDU-Politikerin zudem davon, dass mit ihrer Parteikollegin Katherina Reiche das Bundeswirtschaftsministerium die Rahmenbedingungen für Unternehmen verbessere. Einige Maßnahmen wie die Reduzierung der Netzentgelte ab 2026 seien schon auf den Weg gebracht worden.
Baubranche ist von der Industrie abhängig
Von einem gewissen Druck, insbesondere in der Baubranche, berichtete Heinrich Schmid von der gleichnamigen Firma aus Reutlingen. „Wir hängen natürlich an der Industrie. Das sind unsere Kunden.“ Schmid nahm, anschließend an den Impulsvortrag von Hoffmeister-Kraut, an einer Pendeldiskussion mit der Ministerin und Helmut Link, Geschäftsführer der Tieringer Firma Interstuhl, teil. Link appellierte an die Unternehmer, nicht nur von der Politik bessere Rahmenbedingungen zu fordern, sondern wieder deutlicher die Selbstverantwortung in den Fokus zu rücken. Leichter arbeite es sich natürlich mit Rückenwind, sprich: wenn die Wirtschaft gut läuft. Nun müsse man aber bei Gegenwind hart arbeiten, um die Lage wieder zu verbessern.

Das Publikum hört der Ministerin gespannt zu – darunter auch Oberbürgermeister Roland Tralmer (erste Reihe rechts) und Daniel Spitzbarth (erste Reihe links), Innovationsmanager in der Technologiewerkstatt.
Foto: RothDas bestätigte auch Hoffmeister-Kraut: Durch die Sofort-Hilfsprogramme für von der Pandemie stark gefährdete Branche habe sich bei vielen Unternehmen eine gewisse Staatsgläubigkeit entwickelt. „Der Staat kann aber nicht alles richten.“
Grundsätzlich hat sie den Optimismus nicht verloren: In Baden-Württemberg finde man in einem kleinem Radius für nahezu jedes technische Problem eine Lösung. Die Menschen seien dank der guten Berufsausbildung sowie der Hochschulen hoch qualifiziert. Ja, die Wirtschaft in Baden-Württemberg stehe unter Druck. Aber: „Jede Krise kann auch eine Chance bieten. Lasst uns diese ergreifen“, appelliert die Wirtschaftsministerin.
