Albverein Tailfingen: Was kommt – Auflösung oder Fusion?

Das Haus der Vereine in Tailfingen steht auf der Kippe – und die Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins ebenfalls.
Linda GurskiDie Krise kam mit Ansage: Bereits im April 2024 hatte sich das alte neue Vorstandsteam des Albvereins Tailfingen nur für die Dauer eines Jahres anstelle der üblichen vier wählen lassen – den betagten Würdenträgern war die Bürde längst zu schwer geworden; dass sie doch noch einmal in den Ring stiegen, lag allein daran, dass es keine potenziellen Nachfolger gab.
Seither sind elf Monate vergangen; wieder steht am Samstag, 15. März, eine Hauptversammlung an, und wieder sind keine Jüngeren da, die bereit wären, die Plätze auf der Kommandobrücke einzunehmen. Ein „Weiter so“ mit der bewährten Mannschaft wird es diesmal aber nicht geben – alle Posten stehen zur Disposition.
Das Durchschnittsalter ist ohne die Enkel noch höher
Doch wer soll sie besetzen? Fragt man Vertrauensmann Walter Buschbacher nach dem Durchschnittsalter der Ortsgruppenmitglieder, dann winkt er ab: „Ohne meine Enkel – 79!“ Und der amtierende Vorstand? „Ist grad so alt.“ Buschbacher weiß wohl, dass die Ortsgruppe Tailfingen nicht als einzige im Schwäbischen Albverein massiv überaltert ist; da sei keine, die nicht über Mangel an Mitgliedern und Aktivposten klage. Doch gebe es Unterschiede: „Je größer der Ort, desto größer die Probleme.“
In Burgfelden oder Bitz kenne man sich untereinander; davon profitierten die Vereine. In Tailfingen dagegen sei ihre Integrationskraft schon beträchtlich geringer.
Die Mitgliederzahl ist nur noch zweistellig
Für den Albverein gilt das in noch höherem Maß als für die sporttreibenden Vereine oder die Musik. Vor Jahresfrist war die Mitgliederzahl der Ortsgruppe Tailfingen noch dreistellig; jetzt sind noch 99 übrig – Tendenz fallend. Kundschaft, sprich: Teilnehmer der Wanderungen und Seniorennachmittage, gibt es laut Buschbacher nach wie vor, und zwar gar nicht so wenige. Aber all das will ja organisiert sein, und dafür braucht ein Verein Fahnenstangen, Leute, die anpacken.
Hinzu kommt das Standardprogramm: Wege ausschildern und freischneiden, Bänke instandhalten und reparieren, wenn mal wieder die Vandalen am Werk waren. 54 betreut der Albverein Tailfingen, und das Wegenetz ist 28 Kilometer lang, zu denen noch einige des Traufgangs Wacholderhöhe hinzukommen. Der Wegewart, der sich darum kümmert, ist noch gut bei Kräften, wird aber auch nicht jünger. Er heißt Walter Buschbacher und feiert in diesem Jahr runden Geburtstag. Den 80sten.
Zwei Optionen stehen derzeit im Raum
Wie soll es weitergehen? Zwei Optionen hat der Albverein Tailfingen laut der Analyse seines Vertrauensmanns: Er könnte sich, wenn bei der Hauptversammlung kein neuer Vorstand gewählt wird, bei einer weiteren, außerordentlichen im Frühjahr selbst auflösen – oder die Initiative zur Fusion mit einer anderen, womöglich vitaleren Ortsgruppe ergreifen. Buchstäblich „naheliegend“ und damit erste Wahl wäre die Ortsgruppe Onstmettingen, die etwa viermal so viele Mitglieder vorweisen kann und eine funktionierende Infrastruktur besitzt – das Tailfinger Haus der Vereine steht ja bekanntlich auf der Kippe. Erste Sondierungsgespräche von Ausschuss zu Ausschuss hat es bereits gegeben; ein kategorisches Nein war offenbar nicht zu vernehmen.
Ein freudiges Ja allerdings auch nicht. Walter Buschbacher und sein Onstmettinger Vorstandskollege Norbert Kühn betonen unisono, dass nichts vereinbart, nichts beschlossen, alles offen sei. Zunächst müssten die Tailfinger Mitglieder einmal ihre grundsätzliche Bereitschaft zu einer Fusion bekunden; danach müssten die Onstmettinger bei ihrer Hauptversammlung am Freitag, 28. März, dasselbe tun. Sie dürften sich die Sache gründlich überlegen: 54 Bänke und 28 Kilometer sind kein Pappenstiel; für diese Zusatzbelastung fehlte auch in Onstmettingen die Manpower.
Sollten aber beide Hauptversammlungen Ja sagen – was wie gesagt nicht ausgemacht ist – dann müsste immer noch eine dritte, gemeinsame einen förmlichen Fusionsbeschluss fassen. Außerdem müsste der Stuttgarter Hauptverein sein Plazet geben – seine Mühlen mahlen dem Vernehmen nach langsam. Sehr langsam.