Albstädter Band-Sommer
: Der Glanz der Goldenen Ära des Rock lebt auf dem Bürgerturmplatz auf

Eine Überraschung im Vorprogramm und alte Haudegen als Headliner: Der Freitag beim Band-Sommer war eine Offenbarung.
Von
Karina Eyrich
Oberndorf
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Die Fans feierten „Sixx“ auf dem Bürgerturmplatz.

Karina Eyrich

Schon nach dem zweiten Song schwitzt Marco Goldfuss aus allen Poren: Der Sänger von „Takeways“, die beim Band-Sommer ihr Debüt geben, hat seine Paderborner Studienkollegen mitgebracht, um den Albstädtern Indie-Rock aus der Oberliga zu servieren.

Der Sänger und Gitarrist, aus Balingen, Thomas Baum am Schlagzeug, Moritz Eickhoff an der Gitarre und Yul Köhler am Bass spielen seit 2020 zusammen, täten das gerne öfter auf Bühnen und schreiben ihre Songs alle selbst: mit harten Beats, trotzdem melodisch und mit originellen Texten. „Sometimes“ gibt’s schon im Internet anzuhören, „Sophie“ knallt voll rein, „Where U At?“ ebenfalls und „Circles“ ist der „schönsten Form, die es gibt“ gewidmet. Sie alle veredelt Goldfuss mit seiner Stimme, die bis in die hohen Höhen glasklar bleibt, und nicht wenige, die eigentlich nur vorbeikommen, bleiben stehen, um zu sehen, wer sich da so ins Zeug legt: der Auftritt von „Takeaways“ verlangt nach mehr, zeitigt vermutlich neue Fans – zusätzlich zu jenen, die mit der Band gekommen sind.

Fast wär’s schade, dass es nach einer guten Stunde schon vorbei ist – käme da nicht eine weitere Spitzen-Band auf die Bühne, die beim ersten Band-Sommer Pech mit dem Wetter hatte: „Sixx“ kommt mit neuem Lead-Sänger und „wäschekörbeweise Mucke“, wie dieser ankündigt. Okay – Philipp Pfitzer quasselt ein bisschen zu viel, und als Stand-up-Comedian müsste er verhungern, doch wer seine Witz-Versuche ignoriert und seiner Stimme lauscht, dem fehlt kaum noch ein Jota zum Original, das die Spezialität der Rocker ist: die Songs von „Status quo“. „In The Army Now“, „Whatever You Want“, „Rocking All Over The World“, „Backwater“, „What You’re Proposing“ und Co. servieren die reiferen Herren mit dem Jungspund am Mikro, der sich „zwischen denen hier so alt“ fühlt und „bei jeder Probe um einen Monat“ altert, wie er sagt, mit ebenso viel Hingabe und handwerklichem Können wie Songs von „Thin Lizzy“ und „The Doors“. Kernig und weit besser als solide.

Nur die In-Ohr-Kopfhörer spinnen

Alle fünf sind sie Besessene, wenn es um die goldene Ära des Rock geht: Neben Pfitzer, der beim Entstehen der Songs noch kein Gedanke seiner Eltern war, halten die Gitarristen Robby Krohmer und Thomas Müller, Bassist Helmut Geiselhart und Tommy Strobel am Schlagzeug mehr als mit, beweisen beste Kondition, wenn sie über die Bühne wirbeln und ihre Soli abliefern. Strobel trommelt sich – dafür ist er bekannt – die Seele aus dem Leib, kann vermutlich nach jedem Gig eine Kleidergröße kleiner tragen.

So hat alles gestimmt am vorletzten Abend des Band-Sommers. Bis auf die Unbeweglichkeit des Publikums vielleicht, dessen Feierlaune trotz brillanter Show zu wünschen übrig ließ. Und bis auf die neuen Monitor-Kopfhörer im Ohr der Musiker, die sich anfangs gegenseitig nicht hören konnten, weil die Dinger gesponnen haben. Pech: Sound-Profi Uwe Sessler von „Sound, Light and More“ hatte auf die mitgebrachten Utensilien keinen Einfluss – sonst hätt’s vermutlich funktioniert. Aber schon fürs zweite Set hatten die Jungs ihr Problem im Griff – und konnten gegenseitig hören, wie gut sie waren.

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