6. Meßstetter Ferienwanderung
: Viktor Kapla erzählt: Mutiger Retter wurde selbst erschlagen

Von einer deutsch-französischen Begegnung der besonderen Art und einem tragischen Unglück haben rund 270 Teilnehmer der sechsten Meßstetter Ferienwanderung gehört.
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(red/pm)
Oberndorf
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Ungewohnter Platz für den Wanderführer: Nachdem gegen Ende der Runde die mitgeführte Technik – Mikro und Lautsprecher – den Dienst versagte, erzählte Viktor Kapla aus dem DRK-Begleitfahrzeug Wissenswertes über den Michenloch-Feldkreuz.

Stadt Messstetten/Volker Bitzer

Kaum Träger der Bürgermedaille der Stadt Meßstetten, hat Viktor Kapla die größte Wanderschar der Meßstetter Ferienwanderungen 2025 im großen Bogen um seinen Heimartort Hartheim geführt. Ideales Wanderwetter begleitete alle, die Ortsvorsteher Bodo Schüssler an der Festhalle begrüßte, wo er freudig auf die lange erwartete Erschließung des Wohnbaugebiets „Grund/Hülbenwiesen“ mit 64 Bauplätzen hinwies und die Hoffnung äußerte, die 1000-Einwohner-Marke zu knacken.

Der heimatverbundene und geschichtskundige Viktor Kapla führte die Teilnehmer in die Vergangenheit und auf den „Königsbol“, einen sanften Hügel und eine der Außenfeuerstellungen des Truppenübungsplatzes Heuberg. Der 80-Jährige erinnert sich noch gut an die Zeit, als die französischen Besatzer in Hartheim waren. Auf dem Königsbol platzierten die Soldaten Kanonen – große –, und von dort schossen sie in den Truppenübungsplatz hinein.

Eine Anekdote kommt Kapla stets in den Sinn kommt, wenn er dort vorbeikommt: „Ich war in der 7. oder 8. Klasse, da haben ein paar Kameraden und ich uns während eines Kanonenschießens von hinten dem Geschehen genähert. Wir wurden bemerkt, durften uns trotzdem nähern und mit einigem Abstand zusehen, wie Soldaten die Granaten in die Rohre schoben und abfeuerten.“

Riesiger Lindwurm vor den Toren Hartheims: 270 Teilnehmer zählte die sechste Meßstetter Ferienwanderung 2025 – das ist Jahresrekord.

Foto: Stadt Messstetten/Volker Bitzer

Die weitere Strecke tangierte einen Teil des Hartheimer Krippenweges, der 2024 Premiere hatte. Kapla erinnerte daran und warb dafür, denn die Hartheimer wollen wieder einen Krippenweg installieren: Von Anfang Dezemer bis zum Dreikönigstag werden Krippen zu bestaunen sein, Glühwein und heiße Leckereien für den guten Zweck angeboten.

Oft ein Zeichen gelebten Glaubens

Zweiter Stopp: das Michenloch, wo ein imposantes Feldkreuz steht. „Schon seit dem Mittelalter werden Feldkreuze als Zeichen christlichen Glaubens einzelner Personen, aber auch ganzer Familien aufgestellt.“ Die Beweggründe variierten: Manche seien Meineid- und Sühnekreuze zur Warnung und Wiedergutmachung von Untaten. Die genaue Geschichte des Michenloch-Feldkreuzes hat Kapla aber erst vor wenigen Wochen erfahren.

Wie bei so vielen Feldkreuzen verbirgt sich auch hinter jenem am Michenloch eine tragische Geschichte.

Foto: Stadt Messstetten/Volker Bitzer

Ein Brief in altdeutscher Schrift, der erst übersetzt werden musste, berichtet von Waldhüter Andreas Schreyeck, geboren am 30. Mai 1859, der auf Gemarkung Hartheim tätig war und im Gewann „Buchkraut“ mehrere Männer beaufsichtigte, die Bäume fällen sollten. Ein Mann geriet durch einen fallenden Baum in Gefahr.

Raus aus der Gefahrenzone – und mitten rein

Schreyeck warnte ihn und wollte ihn aus der Gefahrenzone bringen, geriet dabei selbst unter den Baum und wurde von der Tannenspitze erschlagen. Er starb am 18. Februar 1918 an der Unglücksstelle. In Erinnerung errichteten sein Sohn Johann Schreyeck, genannt „Waldhüter-Johann“, und sein Enkel Friedolin Schreyeck 1964 das Feldkreuz. Das alte Dokument, das dieses Ereignis festhält, ist im Besitz der Urenkelin des Verunglückten. Von Maria-Franziska Kleiner hat Kapla eine Abschrift bekommen und dankte ihr dafür, denn so bleibe die Geschichte hinter dem Michenlochkreuz lebendig.

Nur selten gab es kleine Steigungen bei der Hartheimer Tour. An der Spitze Wanderführer Viktor Kapla (links) und sein Kompagnon Wilhelm Eugen Butz.

Foto: Stadt Messstetten/Volker Bitzer

Die Schlussetappe bis zur Festhalle war nicht mehr lange und im goldenen Abendlicht kamen hungrige und durstige Wanderer ans Ziel. Vertreter der Hartheimer Vereine und das bewährte Verköstigungs-Team der Stadtverwaltung versorgten die Ankömmlinge mit Speis und Trank. Dazu spielten die Hartheimer Oldies, die Seniorenkapelle des Musikverins, zünftig auf.

Malen mit Blumen und Gräsern

Die Hartheimer Feuerwehr sorgte dafür, dass die Wanderschar immer heil über die Landesstraße kam. Beim Kinderprogramm zeigte Helga Maier den Jüngsten, wie man mit Blumen und Gräsern malen kann.

Die siebte und letzte Meßstetter Ferienwanderung 2025 führen am Mittwoch, 10. September, Manfred Fritz und Manfred Steidle vom Schwäbischen Albverein, Ortsgruppe Meßstetten. Start ist um 17 Uhr am Erwin-Gomeringer-Platz beim Rathaus.

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