Southside 2026: Zwischen Sonnenbrand und Gänsehaut

Insgesamt feierten knapp 60.000 Musikfans, hier beim Konzert von Yungblud, der auf einer der drei riesigen Bühnen seine Southside-Premiere feierte.
Frank EngelhardtSonntagmittag: Über dem Festivalgelände flimmert die Luft, das Thermometer zeigt 31 Grad. Kurz darauf: sintflutartiger Regen, Blitze, Donnergrollen, Sturmböen und Hagel. Es scheint, als würde das Wetter dem abwechslungsreichen Musikprogramm nacheifern wollen. Wer am Sonntagnachmittag, als der Regen etwas nachgelassen hat, Richtung Bühnen zieht, hat bereits zwei schweißtreibende Tage hinter sich – mit gewittrigen Unterbrechungen.
Kraftklub-Frontmannmischt sich in die Mengeund verteilt Eis
Die Füße schmerzen, die Klamotten sind durchnässt, die Kräfte schwinden. Und doch drücken die Gesichter der Besucher vor allem eines aus: pure Freude. Denn ganz nach dem Motto „One Weekend, a Thousand Stories“ lieferte das Southside wieder unzählige Momente, die berührten, überraschten, mitrissen und lange in Erinnerung bleiben werden.

Von wegen früher war mehr Lametta – Kraftklub ließen es nicht nur musikalisch krachen
Foto: Robin HeidepriemOb das nun die schillernde Bühnenshow von Empire of the Sun nach der gewitterbedingten Zwangspause war – ein visuelles Spektakel ähnlich einer Kunstinstallation, von der man kaum die Augen abwenden konnte.

Und auch das war das Southside 2026: Am Freitagabend und auch am Sonntag zogen Gewitter auf.
Foto: Silas Stein/dpaOder Kraftklub-Frontmann Felix Kummer, der mitten im Set ins Publikum verschwand und Eis an die verschwitzten Fans verteilte. Der Moment, als The Offspring irgendwo zwischen „Staring at the Sun“ und „Hit That“ Taylor Swifts „Love Story“ spielten. Oder der, als sich nach dem Last-Minute-Deutschland-Sieg Fremde – manche streamten die letzten bangen Minuten auf dem Gelände an einen Bauzaun gekauert – erleichtert in die Arme fielen, während Kraftklub zum großen Finale anhob. Gefeiert wurde danach – wie könnte es anders sein – mit Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys, die mit jeder Menge Amore und Italo-Pop/Schlager-Songs wie „Bella Napoli“ das Gelände kurzerhand an die italienische Riviera verlegten.

Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys
Foto: Robin HeidepriemRohe Rockstar-Energie und Rotzigkeit: Yungblud war mit seiner explosiven Mischung aus Rock, Punk und Pop am Samstag Publikumsliebling von der ersten Sekunde an. Mit unbändiger Energie sprang der Brite über die Bühne und ließ Flammen und Feuerwerk in den Himmel schießen. Für Festivalgänger Patrick aus Stuttgart wurde der Auftritt sogar zum „Once in a lifetime“-Moment: Bei „Fleabag“ durfte er den Gitarrenpart übernehmen.

Bosse genoss seinen Auftritt in Neuhausen ob Eck sichtlich.
Foto: Robin HeidepriemPublikumsmagneten waren tags zuvor Billy Talent, die mit Songs wie „Red Flag“ und „Fallen Leaves“ am Freitag viel mehr als nur ein „Appetizer“ fürs Festivalwochenende waren. Auch Provinz bewiesen, warum sie inzwischen zu den größten Namen des deutschen Indie-Pops zählen.

Natasha Bedingfield
Foto: Robin HeidepriemAber auch am Sonntag warteten noch einige Leckerbissen auf die hartgesottenen Festivalgänger: Wer Pop aus den 2000er-Jahren liebt, für den war Natasha Bedingfield Pflichtprogramm. Und das Timing hätte besser kaum sein können: Pünktlich zum Start ihres Sets verzog sich der Regen. Statt „Feel the rain on your skin“ hieß es also „I got a pocketful of sunshine“. Rock- und Nu-Metal-Fans zog es später zu den „Last Resort“-Schöpfern Papa Roach.
Zum Finale gibt esAbriss und Eskalationmit Finch
Ein Garant für Gänsehaut-Momente sind Florence + The Machine, die nach rund zehn Jahren Pause wieder dabei waren. Fürs Kontrastprogramm mit Abriss und Eskalation war Finch zuständig. Als mit Twenty One Pilots schließlich die letzten Stunden des Festivalwochenendes anbrachen, lag hinter den Besuchern ein Wochenende voller Staub, Sonne und Schlafmangel – vor allem aber voller Geschichten, die nur ein Festival schreiben kann.

The Butcher Sisters (TBS) aus Mannheim
Foto: Frank EngelhardtDass diese Geschichten wohl überwiegend positiv blieben, zeigt zumindest auch die erste Bilanz der Einsatzkräfte. Größere Zwischenfälle blieben nach ersten Erkenntnissen aus. 2027 wird dann an gleicher Stelle weiter gefeiert: Der Vorverkauf startet bereits am Dienstag, 23. Juni, um 14 Uhr.