Southside 2026: Stürmischer Beginn für das heiße Festivalwochenende

Das Festivalgelände musste am Abend aus Sicherheitsgründen zwischenzeitlich geräumt werden.
Silas Stein/dpaAuch wenn die Vorfreude bei den Besuchern sicherlich riesig war: Gestürmt wurde das Festivalgelände am Freitagnachmittag nicht. Kein Wunder, ließ es sich bei 30 Grad plus doch nur schwerlich in der prallen Sonne aushalten. Mancher zog da ein kühles Bier auf dem Campingplatz vor.
Mit Sonnenschutz und einer beachtlichen Energie nach dem kräftezehrenden Warm-up am Donnerstag ausgestattet, wagten sich dann aber doch einige Hartgesottene zu den ersten Acts.
Insgesamt werden knapp 60.000 Musikfans erwartet
Knapp 60.000 Festivalbesucher sind es insgesamt in diesem Jahr. Dass manchem in diesem Jahr trotz großer Namen ein richtiger Kracher im Line-up fehlt, davon ist bei diesem Auftakt nichts zu spüren. Stattdessen füllen sich bereits am frühen Abend die Wege zwischen den Bühnen. Auf dem Campingplatz und dem Festivalgelände herrscht ausgelassene Stimmung. Outfitmäßig scheint zumindest am Freitag Praktikabilität vor Ausgefallenheit zu gehen. Das Deutschland-Trikot heben sich einige sicher für diesen Samstag auf, wenn die WM-Partie gegen die Elfenbeinküste ansteht – auch wenn es beim Southside kein Public Viewing geben wird, wie der Veranstalter mitgeteilt hat. Das lässt sich jedoch angesichts des musikalischen Programms verschmerzen.

Der Gewerbepark in Neuhausen ob Eck gleicht einem riesigen Campingplatz.
Foto: Frank EngelhardtFeiern auf Sparflamme? Kommt trotz Hitze nicht in Frage. Schon die ersten Acts am Freitagnachmittag drehen die Lautstärke jedenfalls ordentlich auf und machen klar, wohin die Reise an diesem Wochenende geht. Mit Skindred gibt es eine geballte Ladung „Metal meets Reggae“, bevor The Butcher Sisters mit ihrer Deutschrap-Metal-Hardcore-Mischung Vollgas geben.

Am Nachmittag war die Welt noch in Ordnung und es herrschte beste Feierlaune.
Foto: Frank EngelhardtAm Abend dann aber die Ernüchterung: Aufgrund aufziehender Gewitter gingen die Veranstalter auf Nummer sicher: Das Festivalgelände wurde geräumt, das Konzertprogramm unterbrochen. Die Besucher wurden gebeten, sich in ihre Fahrzeuge zurückzuziehen. Kurz nach 22 Uhr sollte das Programm dann weitergehen.
Festival wird am Freitagabend unterbrochen
Auf dem Programm standen am Freitagabend unter anderen Billy Talent, die ihr erfolgreichstes Album „Billy Talent II“ mit Songs wie „Red Flag“ und „Fallen Leaves“ zelebrieren wollten, das in diesem Jahr 20. Geburtstag feiert. Genauso lang gelten sie auch als sichere Bank in Sachen Stimmung.
Weitere Acts, die am ersten Abend auf der Bühne stehen sollten, waren unter anderen Clueso (konnte nicht mehr auftreten) und Provinz, aber auch Leony, Urheberin einiger Radio-Ohrwürmer. Zwischen Stärke und Verletzlichkeit bewegt sich US-Star Halsey, die Pop in allen Facetten bietet. Und auf Empire of the Sun dürften sich insbesondere Indie- und Electro-Pop-Fans gefreut haben.

Mit bester Laune und jede Menge Gepäck geht es ins Festivalwochenende.
Foto: Frank EngelhardtNach diesem Auftakt mit Hitze, Gewitter und starken Konzerten müssten die Energiereserven bereits angegriffen sein. Bleibt die Hoffnung, dass die Festivalfans in der Nacht Kraft für den nächsten Tag sammeln können. Der hat es mit Energiebündeln wie den Donots und Headliner Kraftklub nämlich ebenso in sich. Und was könnte besser zur Hitze passen als Italo-Schlager mit Roy Bianco & den Abbrunzati Boys zu nächtlicher Stunde? Für Punkrock-Fans älterer und jüngerer Generation gibt’s ebenfalls zwei Leckerbissen: The Offspring bringen mit Songs wie „Pretty Fly for a White Guy“ die 90er und 2000er zurück, während Southside-Neuling Yungblud mit rohen, ehrlichen Texten und der Energie einer neuen Rockgeneration beweist, dass das Genre noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Ehe sich das Festival dem Ende zuneigt, wird mit Acts wie Papa Roach und Finch am Sonntagabend nochmal ordentlich aufgedreht. Für magische Festivalmomente sorgen Florence + the Machine. Und beim Finale liegt es an den Twenty One Pilots, nochmal alles einzufordern, bevor die Festivalgänger Neuhausen ob Eck dann wieder wehmütig den Rücken kehren müssen. Doch jetzt geht es erst einmal los.

Auch abseits der Konzerte wird es nicht langweilig.
Foto: Frank EngelhardtAufgrund der hohen Temperaturen hat der Veranstalter die Zahl der Schattenplätze und Sitzgelegenheiten im so genannten Infield, dem riesigen Konzertgelände, deutlich erhöht. Auch Sonnenschutz gibt es umsonst für die Festivalbesucher: Ein Werbepartner stellt Sonnencremespender zur Verfügung. Außerdem stehen auf dem Gelände kostenlose Trinkwasserstellen, an denen Besucher ihre Flaschen auffüllen können. Leere Trinkflaschen dürfen laut Veranstalter mit auf das Festivalgelände genommen werden.
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) erwartet für das Festivalwochenende die bislang heißesten Tage des Jahres in Baden-Württemberg. Vor allem im Süden des Landes sind Temperaturen von mehr als 35 Grad möglich. Nach den Prognosen könnte es auch nachts ungewöhnlich warm bleiben. Besonders auf den Campingplätzen könnte die Hitze zur Belastung werden. Dort gibt es tagsüber nur wenig Schatten.