Glücksgefühle-Festival
: „Beschissenes Piss-Festival“: Campino äußert sich zur Alphaville-Ausladung

Beim Konzert in Münster haben die Toten Hosen Alphaville auf die Bühne geholt und die Veranstalter des Glücksgefühle-Festivals scharf kritisiert, die die Band ausgeladen hatten, um politische Botschaften auf der Bühne zu verhindern.
Von
Gunther Reinhardt
Hockenheim/Münster
Der Vorarbeiter der Toten Hosen: Campino am Samstag auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart

Campino von den Toten Hosen (hier beim Auftakt der Abschiedstournee in Stuttgart) hält nicht viel vom Glücksgefühle-Festival.

dpa/Christoph Schmidt
  • Campino kritisiert die Ausladung von Alphaville beim Glücksgefühle-Festival scharf.
  • Beim Konzert in Münster holte er Sänger Marian Gold auf die Bühne – gemeinsam „Forever Young“.
  • Er nannte die Absage „extrem fragwürdig“ und sprach von einer überschrittenen Grenze.
  • Veranstalter wollen ein „komplett unpolitisches“ Festival und untersagten politische Statements.
  • Donots widersprechen: Auf Instagram fordern sie, weiter klar gegen rechte Positionen aufzutreten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das haben sich der Ex-Fußballprofi Lukas Podolski und der Musikmanager Markus Krampe wohl anders vorgestellt. Kurz vor dem Start des Glücksgefühle-Festivals, das die beiden auf dem Hockenheimring organisieren, steht das Musikevent in der Kritik. An diesem Freitag und Samstag sollen dort zum Beispiel David Guetta, Ayliva oder SDP auftreten. Nicht aber die Band Alphaville, die ausgeladen wurde, weil die Veranstalter befürchteten, dass die Band das Festival als politische Bühne nutzen könnte.

Campino singt „Forever Young“

Zu den Menschen, die diese Entscheidung irritiert und beunruhigt, zählt Campino von den Toten Hosen. Beim Toten-Hosen-Konzert am Mittwoch in Münster kritisierte er nicht nur die Glücksgefühle-Festivalmacher, sondern holte auch Marian Gold, den Sänger von Alphaville, auf die Bühne und sang mit ihm den Alphaville-Hit „Forever Young“.

Vor 25.000 Fans sagte Campino in Münster: „Wir finden es extrem fragwürdig und auch absurd, jemanden auszuladen, der sich gegen die AfD oder Trump äußert, jemand, der stabil ist für die Demokratie. Ich finde, da ist eine neue Grenze überschritten und eingerissen.“ Und über Alphaville sagte er. „Sie sind so viel Millionen Mal größer als dieses beschissene Piss-Festival!“

Glücksgefühle-Festival versteht sich als unpolitisch

Die Macher des Glücksgefühle-Festivals hatten in einer Stellungnahme die Ausladung von Alphaville damit begründet, dass sie politische Statements bei dem Festival verhindern wollten: „Wir möchten den Menschen ein Wochenende ermöglichen, an dem sie den Alltag hinter sich lassen, abschalten und einfach eine gute Zeit haben können.“

Deshalb habe man darum gebeten, politische Äußerungen auf der Bühne zu unterlassen. „Darauf konnten wir uns mit Alphaville letztlich nicht einigen, weshalb es nicht zu einem Auftritt gekommen ist“, erklärten die Veranstalter: „Das Glücksgefühle-Festival ist komplett unpolitisch – und das gilt unabhängig davon, in welche politische Richtung eine Äußerung geht: für rechts, für links oder für jede andere politische Richtung.“

Nicht alle teilen diese Auffassung: Zum Beispiel die Band Donots, dessen Sänger am Mittwoch auch beim Konzert der Toten Hosen auf die Bühne geholte wurde. Auf Instagram postete die Band einen Beitrag, in dem es heißt: „Danke Alphaville. Es sind gruselige Zeiten, wenn plötzlich dafür gesorgt werden soll, dass vor und auf Bühnen niemand das Maul gegen braune Scheiße aufmacht. 100% stabil bleiben.“

Der Wunsch der Glückgefühle-Festival-Veranstalter, ein komplett unpolitisches Festival zu organisieren, scheint sich so jedenfalls nicht zu erfüllen. Es bleibt abzuwarten, wie sich andere für das Festival gebuchte Acts nun verhalten. Marteria oder Ski Aggu zum Beispiel schrecken sonst zumindest nicht unbedingt vor politischen Äußerungen zurück.