„Adams Acht“ im Kino: Rudern mit den Rechten

Auf dem Weg zu olympischem Gold: „Adams Acht“ (im Deutschlandachter v.l.n.r.: Leon Kleinschmidt als Walter Schröder; Leonard Kunz als Manfred Rulffs; Vito Wiesner als Willi Padge)
dpa/Majestic Bild/Tom Salt- Sportdrama „Adams Acht“ erzählt den Olympiasieg 1960 eines Außenseiter-Achters aus BRD.
- Im Zentrum steht Trainer Karl Adam, dessen NS-Verstrickungen der Film nur teilweise zeigt.
- Adam tritt 1933 der SA bei und 1939 der NSDAP – er wurde später „entlastet“.
- Der Film zeigt Aufbau des RC Ratzeburg, Konflikte mit Ruder-Eliten und traumatisierten Jugendlichen.
- Kritisiert wird die Stilisierung Adams zum Helden – aktuell wirkt das als warnende Parabel.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
„Entlastet“, verspricht der Stempel auf Karl Adams Entnazifizierungsakte. „Schwamm drüber! Weitermachen!“ Was sollte die junge BRD auch anderes machen? Die, die nicht gefallen waren, mussten ran beim Wiederaufbau, auch mit befleckter Weste. Fachleute mit Expertise wurden zur Ausbildung des unbescholtenen Nachwuchses gebraucht, so war das eben, zeigt Hannu Salonen im Sportdrama „Adams Acht“. Der 1976 verstorbene Karl Adam gilt heute als „Ruderprofessor“ des wissenschaftlich fundierten Wassersports, als Ausnahme-Trainer einer Mannschaft, die in den 1950ern von einer zusammengewürfelten Truppe zur Olympiamannschaft aufstieg und 1960 in Rom Gold gewann. Zu einer Zeit, in der die Deutschen aufgrund ihrer Verbrechen in internationalen Wettkämpfen keine strahlenden Sieger abgaben und die Teilung zwischen Ost und West die Bildung einer neuen deutschen Identität beschwerte.
Oliver Masucci spielt Karl Adam
Karl Adams verbriefte Verstrickungen im NS-Staat verschweigt Salonen nicht, auch wenn er sie arg beschönigt. Gleich zu Anfang des Films sitzt der Ex-Boxer und Lehrer (Oliver Masucci) vor Laienrichtern, die 1947 über sein Schicksal im neuen West-Deutschland entscheiden sollen. Über einen Mann, der 1933 in die Nazi-Kampforganisation „Sturmabteilung“, kurz SA, eintrat, die während der Weimarer Republik als brutale Ordnertruppe der Partei zum Aufstieg verholfen hatte - was Salonen unterschlägt, wie Adams Eintritt in die NSDAP 1939. Bis auf die Tatsache, dass Adam an einer Eliteanstalt zur Erziehung des „Führernachwuchses“, Napola genannt, Boxen trainierte. Das sind harte Fakten, die auf Adams Befürwortung des deutschen Faschismus unter Adolf Hitler verweisen.
Bei Salonen ist Adam einer von den Guten
In Salonens Darstellung ist Adam einer von den Guten, bloß ein Mitläufer. „Ihr wisst nicht, wie das damals war!“, rechtfertigt er sich im Film vor seiner Mannschaft aus Halbstarken, deren Väter mehrheitlich im Krieg gefallen sind. Und reproduziert damit typische Stanzen, mit denen Deutsche im Nachhinein ihr moralisches Versagen zu erklären versuchten. Hannu Salonen sieht in seinem Protagonisten einen Mann, der trotz seiner Fehler ein Held sein darf. Gegen den Widerstand der elitären westdeutschen Ruderclubs baut Adam mit vom Krieg traumatisierten Teenagern den Ruderclub Ratzeburg auf, an einem See, durchschnitten von der innerdeutschen Grenze zur DDR. Adam teilt gegen einen ehemaligen SS-Offizier (Heino Ferch) und Rivalen aus Napola-Zeiten aus, der nun im Vorstand der Ruderelite Adams „Lumpen-Achter“ diskriminiert. Er kämpft aber auch für seine Jungen wie den wütenden Vaterlosen Manfred Rulffs (Leonard Kunz), der sich gegen Widerstände in eine höhere Tochter verliebt. Mit dem zwischen DDR und BRD pendelnden, mit beiden Systemen hadernden Philosophiestudenten Hans Lenk (Felix Kammerer) streitet er über die eigene Haltung zur Vergangenheit, während Hans kaum erträgt, dass Adam zur Stärkung des Teams die noch von der Nazi-Ideologie durchdrungenen Söhne überzeugter Ex-Funktionäre zur Mannschaft holt.
Ehrgeizig mischt Salonen Elemente aus Biopic, Sportfilm, Romanze und Historienfilm, tut sich aber schwer damit, sämtliche Themen und Probleme ausgewogen zu jonglieren. Die Figuren wirken mit ihren zeittypischen Problemen zwar glaubwürdig, dass Salonen Karl Adam aber zum Idol stilisiert, stößt bitter auf, trotz Oliver Masuccis Versuchen, der Figur Kanten abzuringen.
Vor dem Hintergrund des aktuellen Rechtsrucks besehen, entpuppt sich „Adams Acht“ letztlich als böse Parabel: Auch mit den Rechten im Boot kann man für Deutschland rudern und siegen. Adenauers BRD lässt grüßen!
Jetzt im Kino
„Adams Acht“: Deutschland 2024. Regie: Hannu Salonen. Mit Oliver Masuccci, Heino Ferch. 124 Minuten. Ab 6 Jahren.
