Trotz wachsendem Hirntumor und Chemotherapie verliert der Zwölfjährige David Kalipke aus Furtwangen sein Lachen nicht. Foto: Kalipke

David Kalipke aus Furtwangen hat einen Hirntumor. Nach einer Operation vor mehr als einem Jahr und intensiver Chemotherapie ist der Tumor erneut aktiv und wächst. So geht es ihm jetzt.

„Muss ich sterben?“, fragte David Kalipke aus Furtwangen seine Mutter, als er vor rund anderthalb Jahren seine lebensverändernde Diagnose erhalten hat.

 

Der Zwölfjährige hat einen anaplastischen glialen Tumor – einen aggressiven Hirntumor. Nach der ersten Operation vor mehr als einem Jahr und intensiver Chemotherapie breitet sich der Krebs in Davids Kopf erneut aus.

Seitdem begleiten Davids Familie Angst, Hoffnung, Schmerz und der tägliche Kampf gegen einen unsichtbaren Feind. Es ist „ein Rückschlag auf dem Weg ins Leben“, sagt seine Mutter Sandra Kalipke. Und doch gibt David nicht auf.

Davids Tumor wächst weiter

Nach monatelanger Therapie und Bestrahlung erhielt die Familie im Januar die erneute, erschütternde Nachricht: Davids Hirntumor ist wieder aktiv und zeigt Wachstum. Das „Monster in Davids Kopf“ – wie die Familie den Tumor nennt – greift an zwei neuen Stellen an. „Diese Worte zu hören, zerreißt einem als Eltern das Herz.“

Der Zwölfjährige David Kalipke aus Furtwangen mit seinem Vater Stefan. Foto: Kalipke

Als wäre ein Hirntumor nicht schon schwer genug für den Zwölfjährigen, hat der Junge von Geburt an einen Gendefekt, der seine Situation noch komplexer macht. Er lebt mit einer seltenen genetischen Erkrankung namens Neurofibromatose Typ 1, auch als NF 1 bekannt. Die Krankheit begünstigt und beschleunigt das Wachstum von Tumoren.

Der neue Befund hat David und seiner Familie den Boden unter den Füßen weggezogen. „Man glaubt, kurz durchatmen zu können – und plötzlich wird einem wieder bewusst, wie zerbrechlich alles ist und wie schnell sich die Welt verändern kann“, schreibt Davids Mutter in einem Spendenaufruf auf der Plattform GoFundMe.

Davids Alltag wird von seinem Tumor bestimmt: Die behandelnden Ärzte in Tübingen haben Davids Therapieplan seit der neuen Diagnose angepasst. Er bekommt seine Chemotherapie inzwischen jeden Tag. Dazu zweimal täglich seine weiteren Medikamente.

Dreimal wöchentlich macht er Krankengymnastik, um seinen Körper stark zu halten. Dann gibt es einmal in der Woche Blutkontrollen. Dazu kommen regelmäßige Besuche von einem Palliativteam, um die Familie in dieser schweren Zeit zu begleiten, aufzufangen und um Sicherheit zu geben.

David hat Pflegegrad 4 und eine hundertprozentige Behinderung – die Selbstständigkeit, die ihm so wichtig ist, ist dadurch stark eingeschränkt. Besonders jetzt in der Frühpubertät sei es für ihn belastend, im Alltag auf Hilfe angewiesen zu sein – etwa beim Duschen oder beim Gang auf die Toilette.

Zwischen Alltag und Chemotherapie

Zwischen Chemotherapie und Klinikbesuchen versuchen Sandra und Stefan Kalipke, David ein normales Leben zu ermöglichen – „so normal, wie es eben geht“, sagt Sandra. Derzeit sei es David nicht möglich, zur Schule zu gehen. Von Davids Schule, der Werkrealschule Furtwangen, wird die Famile jedoch in allen Schritten unterstützt. Derzeit werde nach Möglichkeiten geschaut, wie der Zwölfjährige mithilfe eines Avatars am Unterricht und dem Sozialleben in der Schule teilhaben kann.

Seit Kurzem erhält David zusätzlich zu der Chemotherapie Methadontherapie und eine Hyperthermie: eine medizinische Behandlung, bei der Gewebe gezielt auf 39 bis 43 Grad Celsius erwärmt wird, um Krebszellen abzutöten oder deren Empfindlichkeit gegenüber Chemo- und Strahlentherapie zu erhöhen.

Der Besuch in Kliniken ist für den zwölfjährigen David Kalipke aus Furtwangen inzwischen zum Alltag geworden. Foto: Kalipke

David fährt dafür dreimal pro Woche nach Filderstadt zur Behandlung. Die Kosten von rund 800 Euro pro Woche werden nicht von der Krankenkasse übernommen und müssen von der Familie selbst bezahlt werden.

Schweizer Team forscht an Davids Tumor

Im Februar hat sich zudem etwas Besonderes ergeben: Ein Forschungsteam aus Zürich und Washington hat Interesse an Davids individuellem Fall gezeigt. Die Spezialisten prüfen nun Davids Tumormaterial im Labor. „Die haben dort viel mehr Möglichkeiten“, sagt Davids Mutter. Die Familie erhofft sich, durch die internationale Hilfe die Biologie des Tumors besser zu verstehen und gezielt Medikamente zu testen, die möglicherweise Wirkung zeigen könnten.

Die Familie sei auch bereit, für eine mögliche Behandlung in die USA zu reisen. Das große Interesse des Forschungsteams habe der Familie Hoffnung auf neue Behandlungsansätze und Möglichkeiten gegeben – und neue Hoffnung, den Krebs zu besiegen.

„Als Eltern wünscht man sich nichts sehnlicher, als sein Kind zu schützen. Und wenn man merkt, dass man es nicht kann, bleibt nur eines: da sein, lieben und trotzdem weitergehen – Schritt für Schritt“, sagt Sandra.

Zwischen Chemotherapie und Klinikbesuchen versuchen Davids Eltern, ihm so gut es geht ein normales Leben zu ermöglichen. Foto: Kalipke

Rund um die Uhr muss David betreut werden. Seine Eltern wechseln sich phasenweise ab, wer arbeitet und wer mit ihm alle Termine wahrnimmt und für den Jungen da ist. „Dass das überhaupt möglich ist, ist natürlich nicht selbstverständlich“, zeigt sich Kalipke dankbar gegenüber der großen Unterstützung, welche die Familie bisher von allen Seiten erfahren habe.

Neben der emotionalen Last stellt Davids Tumor die Familie vor eine große finanzielle Herausforderung. Viele der Behandlungsansätze, wie die Hyperthermie und die Methadontherapie, werden nicht von der Krankenkasse übernommen und müssen aus eigenen Mitteln finanziert werden. Auch eine mögliche Behandlung in den USA sei für die Familie ohne finanzielle Hilfe nicht zu stemmen.

Das ist Davids großer Wunsch

Worüber die Eltern besonders dankbar seien: David verliere sein Lachen nicht, selbst wenn sein Körper müde sei. Die Ärzte betonen immer wieder, wie wichtig positive Erlebnisse sind. Schöne Momente, Licht und innerer Halt seien genauso wichtig für den Jungen wie die medizinische Therapie.

Trotz all der Niederschläge und Hindernisse, mit denen der Zwölfjährige in seinem jungen Leben bereits kämpfen musste, bleibe er mutig, warmherzig und positiv. Statt die Hoffnung zu verlieren, setzt er sich Ziele: Sein großer Wunsch sei es, einmal in seinem Leben noch einen Tandemsprung zu machen.

Spendenaktion für Davids Behandlung:
Die Bürgerstiftung Furtwangen nimmt Spenden für Davids Behandlung mit dem Verwendungszweck „Spende für David“ entgegen. Bei größeren Beträgen werden von der Bürgerstiftung auch Spendenbescheinigungen ausgestellt. Auch bei der Sparkasse Schwarzwald ist ein Spendenkonto für David eingerichtet. Zur Spendenaktion auf GoFundMe geht es hier.