Robin Gassmann aus Neuried ist als Unternehmer und Business-Influencer auf Instagram erfolgreich. Über seine seltene Krankheit, durch die er auffällig anders aussieht, spricht er offen. Dafür erntet der 27-Jährige auch viel Hass, gegen den er aktiv vorgeht.
Schicke Anzüge, teure Autos, Dienstreisen – und ein auffälliges Aussehen: Mit seinen Videos erreicht Robin Gassmann auf Instagram teilweise mehr als Millionen Menschen. „Ich zeige, wer ich bin, und das ist für die Leute interessant. Ich verstelle mich nicht“, erklärt der 27-jährige Unternehmensberater und Business-Influencer, der aufgrund einer sehr seltenen Genmutation anders aussieht, als andere Menschen, im Gespräch mit unserer Redaktion.
Die Frage „Was ist denn mit dem los?“ sei schon sein ganzes Leben präsent. „Heute nutze ich meine Krankheit aktiv als Mittel“, so Gassmann. Auf seinem Instagram-Account, auf dem er 13 800 Follower hat, gibt er Einblicke in sein Leben, spricht über seine Arbeit, zeigt sich in Luxusautos, auf Dienstreisen, teilt persönliche Gedanken und macht auch seine Krankheit zum Thema. „Mir geht es darum, zu zeigen, wie ich als Mensch auftrete. Aber ich flexe dort auch bewusst. Denn für viele ist ‚Behinderung und Business‘ im Kopf immer noch nicht kombinierbar. So schaffe ich Bewusstsein für dieses Thema.“
Schon im Alter von 13 Jahren hat Gassmann, der in Schutterzell aufgewachsen ist und inzwischen in München wohnt, seine erste Webseite programmiert. Nach einer abgebrochenen Ausbildung am Flughafen in Stuttgart und einem angefangenen FSJ beim DRK studierte er Informatik und rutschte dann, während des Studiums, in die Selbstständigkeit. „Ich habe Webseiten für 500 Euro erstellt, irgendwann kamen auch größere Kunden und 2018 habe ich mein Unternehmen mit der Absicht gegründet, hierauf meine Zukunft zu bauen“, so der 27-Jährige.
Schmerzen hat der 27-Jährige keine
Heute hat er 24 Mitarbeiter, berät andere Unternehmen und hilft diesen dabei, ihre Ziele zu erreichen. „Bis 2023 habe ich klassisches Marketing gemacht, mit meinen Mitarbeitern Webseiten erstellt, Logos entworfen oder Social-Media-Profile betreut. Heute bin ich ausschließlich in der Beratung tätig und investiere in Unternehmen und Start-Ups“, erklärt Robin Gassmann. Seine Karriere in den sozialen Medien habe 2020, kurz vor der Corona-Pandemie, begonnen. „Mit Videos auf ‚Tiktok‘ hat alles angefangen. Damals ging es darum, Jugendlichen zu sagen: Du kannst das“, berichtet er. Neben Instagram ist der 27-Jährige heute auch auf Youtube und LinkedIn aktiv.
„Auf dem Blatt Papier bin ich zu 80 Prozent schwerbehindert. Aber ich fühle mich nicht so“, sagt Gassmann über seine Krankheit. Die Haut um seine Augen herum ist rot, er verliert Schuppen und seine Haut ist so trocken, dass er sie häufig eincremen muss. „Ich kann nicht schwitzen, weshalb ich im Sommer aufpassen muss. Schmerzen habe ich keine“, so der 27-Jährige. Seit zwei Jahrzehnten forsche die Uniklinik Freiburg an seiner Krankheit, doch was genau es ist, wieso er sie hat und wie man sie heilen kann, wisse keiner. „Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich natürlich, dass meine Augen auffällig sind und ich weiß, dass ich Rheuma in der einen Hand habe“, erklärt Gassmann, „aber alles in allem denke ich, ich bin gesund – mit ein paar Abstrichen.“
Business-Influencer geht gegen Hasskommentare vor
Nicht bei allen kommen seine Social-Media-Inhalte gut an: In den Kommentaren unter seinen Videos finden sich zahlreiche böse und menschenverachtende Bemerkungen: „Roter Kajal geht zu weit“ oder „Neurodermitis Endstufe, mein Beileid“ sind zwei der noch eher harmloseren Beiträge. „Das geht von soft bis zu tief rechts“, berichtet der 27-Jährige. „Ich sehe es als meine Aufgabe, aktiv etwas dagegen zu tun. Weil ich es gut wegstecken kann, aber andere eben nicht“, erklärt er. So geht der Business-Influencer etwa explizit auf Hasskommentare auf seinem Account ein, bezieht dazu Stellung und geht auch rechtlich gegen sie vor – mit Erfolg. „Dadurch, dass ich diese Dinge auf Social Media zeige, gab es schon Leute, die mir rückgemeldet haben, dass sie sich und ihr Verhalten jetzt mehr reflektieren.“ Wie geht er mit diesem ganzen Hass um? „Mir ist bewusst, dass Menschen manchmal schneller schreiben als sie denken. Sie lassen einfach alles raus. Ich weiß, dass sie es nicht machen, um die andere Person zu verletzen, sondern um sich selbst besser zu fühlen. Den Leuten ist oft nicht bewusst, dass sie mit ihren Worten Menschen treffen“, erklärt Gassmann.
Einen großen Teil zu seinem heutigen Selbstbewusstsein habe seine Zeit auf der Esther-Weber-Schule in Emmendingen-Wasser beigetragen. Nachdem er bis zur siebten Klasse auf eine normale Schule gegangen war, wechselte er dort auf das Internat. „Als meine Eltern mir das verkündet haben, meinte ich: ‚Ich will nicht zu den Behinderten.‘ Nach fünf Tagen habe ich gemerkt: Es ist geil hier“, erinnert er sich. „Wenn ich dort nicht auf die Schule gekommen wäre, hätte ich mich nicht so entwickelt, geschweige denn diese Resilienz.“
Er fühlt sich in der Region zu Hause
Trotz seines Jetset-Lebens – „ich reise drei bis vier Mal die Woche an spannende Ziele, teilweise natürlich für die Arbeit“ – fühlt sich Robin Gassmann in der Ortenau sehr wohl. „Ich schätze die Mentalität hier sehr und fühle mich hier zu Hause, ganz klar.“ Er ist nicht nur in Neuried aufgewachsen, seine Eltern wohnen bis heute in der Region. „Ich komme regelmäßig zur Schutterzeller Mühle, um Flammenkuchen zu essen. Außerdem arbeite ich auch mit einigen Partnern aus der Region zusammen.“
Neben der Verurteilung und dem Hass in den sozialen Medien ist auch das „vor der Kamera gut aussehen müssen“ etwas, das der 27-Jährige an seiner Tätigkeit nicht mag. „Ich trage immer bewusst gute Anzüge, so tritt die Krankheit in den Hintergrund“, erklärt er. „Das ist eigentlich schade, weil man nicht so wahrgenommen wird, wie man ist. Ich muss mich definitiv immer mehr beweisen als andere“, erklärt er. Was ihn dann doch dazu bewegt, weiterzumachen? „Dass sich Menschen mit mir mitfreuen, mitfiebern und mir schreiben: ‚Du hast es verdient‘.“ Die Verbindung mit seinen Followern und der Austausch mit anderen Menschen bedeuten ihm viel. Denn neben dem Hass erlebe er auch aufrichtiges Mitgefühl.
Der Promi im Netz
Auf Instagram findet man Robin Gassmann unter @robin_gassmann. Weitere Infos zu ihm und seinem Unternehmen gibt es online.