Ein Zug hält am Schenkenzeller Bahnhof: Vom 15. Dezember an wird das ein seltenes Bild sein. Foto: Niklas Ortmann

Hiobsbotschaft für Bahnfahrer in Schenkenzell und Loßburg: Bis voraussichtlich Ende 2026 halten nur noch wenige Züge an den beiden Bahnhöfen. Der Grund ist skurril.

Schenkenzells Bürgermeister Bernd Heinzelmann spricht von einer „mittleren Katastrophe“, sein Loßburger Amtskollege Christoph Enderle bezeichnet die Situation als „unterirdisch“. Die beiden Bürgermeister haben sich am Donnerstag zum Pressetermin im Schenkenzeller Rathaus eingefunden, um eine Hiobsbotschaft zu verkünden, von der sie selbst erst kurzfristig erfahren haben: Vom 15. Dezember an bis voraussichtlich Ende 2026 halten nur noch wenige Züge in Schenkenzell und Loßburg-Rodt – zwischen 9 und 23 Uhr ist es sogar nur ein einziger je Fahrtrichtung.

 

Der Grund: Mit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember werden auf der Kinzigtalbahn neue Züge eingesetzt, die über einen ausfahrbaren Tritt für barrierefreien Zugang verfügen. Das Ein- und Ausfahren kostet auf die Fahrt gesehen jedoch zusätzliche Minuten – die dazu führen, dass den Zügen nicht mehr genug Zeit bleibt, um am Freudenstädter Hauptbahnhof zu wenden. Hierfür würde eine neue Weiche benötigt, die die DB InfraGO – ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn – wohl erst 2026 einbauen kann.

Die Konsequenz: Die Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) hat entschieden, dass die betroffenen Züge bis dahin zwei Bahnhöfe auslassen – die Wahl fiel auf Schenkenzell und Loßburg. Denn dort steigen die wenigsten Fahrgäste ein und aus, wie aus einer Stichprobenzählung hervorgeht, die die NVBW von Januar bis Juni erhoben hat. In Loßburg sind es demnach 220 Fahrgäste und in Schenkenzell 297, während Alpirsbach (444), Schiltach Mitte (539) und Schiltach (634) stärker frequentiert sind.

Kommunikation in Kritik

Dass die Wahl auf ihre Bahnhöfe gefallen ist, halten die beiden Bürgermeister für betriebswirtschaftlich nachvollziehbar – was sie dagegen scharf kritisieren, ist die Dauer der Einschränkung und der Zeitpunkt, an dem sie davon erfahren haben. Heinzelmann sei Anfang November bei einem Termin mit der NVBW „komplett auf dem falschen Fuß erwischt worden“; Enderle hingegen beklagt, dass er vonseiten der Nahverkehrsgesellschaft überhaupt keine Informationen erhalten habe – stattdessen habe ihn der Landrat darauf hingewiesen, dass sein Bahnhof wohl zwei Jahre lange nicht angefahren werde.

Druck auf DB InfraGo

Durch diese (Nicht-)Kommunikation bleibe ihnen nun nur noch wenig Zeit, um zu reagieren, klagen die Bürgermeister. Sie wollen nun Druck auf die DB InfraGo ausüben, damit die Weiche am Freudenstädter Hauptbahnhof schnellstmöglich eingebaut wird.

Auch der Bahnhof Loßburg-Rodt wird betroffen sein. Foto: Niklas Ortmann

Immerhin: „Uns wurde versprochen, wir erhalten einen Schienenersatzverkehr“, erklärt Heinzelmann. Doch dass der Frust bei den Fahrgästen groß sein wird ahnen, die Bürgermeister bereits – denn auch diese seien noch nicht offiziell informiert worden.

Projekt liegt auf Eis

Seinen Frust kann auch Enderle nicht verbergen, der in den vergangenen Jahren versucht hat, die Mobilitätswende voranzubringen und „Leute auf die Schiene zu kriegen“, wie er betont. Der Plan: Loßburgs Bahnhof sollte zu einem multimodalen Verkehrsknoten ausgebaut werden, also ohne lange Wege und Wartezeiten von möglichst vielen Verkehrsmitteln erreicht werden können. Doch das Vorhaben, für das auch im Haushalt 2025 Geld vorgesehen ist, liegt durch die Pläne der NVBW nun auf Eis.

Nerven liegen Blank

Und dabei liegen die Nerven in Loßburg nach drei Jahren Sanierung der Ortsdurchfahrt, für die das Regierungspräsidium ursprünglich ein Jahr vorgesehen hatte, blank. „Das frustriert mich noch mehr“, sagt Enderle. Und Heinzelmann blickt bereits mit Sorge auf die Sanierung der beiden Schiltacher Tunnel und die Erneuerung der Bahnbrücke in Schenkenzell Richtung Alpirsbach, was wohl auch 2026 auf die Gemeinde zukommt. „Man kommt aus einer unschönen Situation in die nächste“, klagt er.

Diese Züge halten ab dem 15. Dezember noch

In Loßburg Richtung Hausach
5.35 Uhr (Montag bis Freitag), 6.16 Uhr (Samstag und Sonntag), 6.39 Uhr (Montag bis Freitag), 7.22 Uhr, 8.26 Uhr, 12.26 Uhr (Montag bis Freitag), 23.07 Uhr

In Schenkenzell Richtung Hausach
5.52 Uhr (Montag bis Freitag), 6.32 Uhr (Samstag und Sonntag), 7.00 Uhr (Montag bis Freitag), 7.38 Uhr, 8.43 Uhr, 12.45 Uhr (Montag bis Freitag), 23.23 Uhr In Schenkenzell Richtung Freudenstadt
5.40 Uhr (Montag bis Freitag), 6.45 Uhr, 7.52 Uhr, 8.31 Uhr, 23.36 Uhr

In Loßburg Richtung Freudenstadt
5.57 Uhr (Montag bis Freitag), 7.02 Uhr, 8.08 Uhr, 8.48 Uhr, 23.52 Uhr