Oberzunftmeister Andreas Glattacker versprach den Besuchern zu Beginn „Bankett für Leib und Seele“. Foto: Kristoff Meller

Premiere des Zunftabends in der Alten Halle in Haagen – und was für eine!

„Ein Bankett für Geist und Seele“ – Oberzunftmeister Andreas Glattacker hatte im Programmheft nicht zu viel versprochen. Seit September, berichtet Zunftmeisterin Britta Klettke, habe die Zunft an Texten, Pointen und Auswendiglernen, an Maske und Kostümen gefeilt, während Kulissenmaler Wolfgang Krell mit tollen Bühnenbildern das i-Tüpfelchen setzte.

 
Auch die Märtwiiber hatten ihren Auftritt. Foto: Kristoff Meller

Nach dem Einmarsch der Cliquenabordnungen und den Grußworten, unter anderem von Protektorin Luitgard Ehmsen und Gildenmeister Marc Hagin, servierten die Zunftmeister ein Programm von sieben „Nümmerli“ – treffsicher im Witz und reich an Pointen. Auf der Bühne standen die Akteure in teils neuen Konstellationen: Karl-Heinz Sterzel hatte im vergangenen Jahr seinen letzten Auftritt, auch Thomas Wagner war diesmal nicht mehr dabei.

Die überbordende Spielfreude prägte gleich den Auftakt. Eine Tüllinger Rebbegehung nahm ihren närrischen Lauf als trinkfreudiges Stelldichein von Karlheinz Ruser (gespielt von Philipp Buser), Oliver Ruser (Norman Meier) und einem ebenso durstigen wie bärtigen Oberbürgermeister (Andreas Glattacker). Die launige Hommage an heimisches Wein- und Biervergnügen würzten zahlreiche gesangliche Neuinterpretationen, etwa „Da hätt’ ich niemals nein gesagt“ frei nach Roland Kaiser und Maite Kelly.

Szenenwechsel zur Bundeswehr: Zunftgeselle Stephan Ziegler führte als Major das Kommando und musterte kurzerhand „Stadtrat mit Esprit“ Matthias Lindemer (Norman Meier) sowie den neuen Seniorenbeauftragten Maximilian Zeiträg (Philipp Buser) aus.

Empathie mit Gestrandeten

Anschließend präsentierten sich die Akteure unter dem Titel „Was zoll’s“ in Hochform. Der Beitrag, der die Handschrift von Hubert Bernnat trug, spannte als historisch grundierte Nummer den Bogen zurück ins Jahr 1772. Bernnat, im dritten Jahr mit dabei und gleich zweifach als Autor vertreten, stand hier selbst als Gustav Magnus von Wallbrunn auf der Bühne – jener Landvogt, der Lörrach und das Wiesental enger an den Basler Wirtschaftsraum anbinden wollte, umrahmt von weiteren aufwendig kostümierten Figuren wie dem Fabrikanten Küpfer (Nico Vogt) und einem Zollpräsidenten namens Johann Paul Trump (Stephan Ziegler). Eine fast filmreife Glanznummer mit kapitalismuskritischen Untertönen spielte auf dem Lörracher Bahnhofsplatz.

Hubert Bernnat als Gustav Magnus von Wallbrunn wusste, wo’s langgeht beim Thema Zoll. Foto: Kristoff Meller

Zwei „Stammgäste“ (toll: Stephan Ziegler und Andreas Glattacker), die dort ihren Alltag zwischen Biergenuss und Beobachterposten verbringen, treffen auf ein Paar aus der Nordstadt (Philipp Buser und Norman Meier), das ein „soziales Pflichtjahr für Senioren“ ableistet.

Mit starken Gesangseinlagen zu bekannten Musical-Melodien sang sich das Quartett in die Herzen des Publikums und gab dabei eine charmante, aber deutliche Empfehlung: Ein bisschen mehr Empathie bitte für jene, die auf dem Bahnhofsplatz gestrandet sind. Und: Ein „sozialer Brennpunkt“ gehöre zu einer richtigen Stadt eben dazu.

Rotlichtbezirk in Holzbauweise

Lörrach als wachsende Stadt, die gerade die 50 000‑Einwohner-Marke überschritten hat, lieferte auch für weitere Nummern die Steilvorlage – etwa bei der Bordellfrage: Nach dem Motto „Für jede Mann hänn mir e Miez“ errichtete der Zunftabend den ersten klimaneutralen Rotlichtbezirk in Holzbauweise auf dem Lauffenmühle-Areal.

Auch die Wehrpflicht war Thema. Foto: Kristoff Meller

Gastronom Mick Gäntzel, herrlich gespielt von einem bunt tätowierten Hubert Bernnat, eröffnet dort die „Taverne zur Roten Laterne“, einen „Heimathafen für alle“ und alles andere als eine „Notlösung“.

Aus Hauingen und Haagen wird „Haagingen“

Neben Ideen zur Sportplatzfrage zwischen Haagen und Hauingen, die kurzerhand zu „Haagingen“ fusionieren, hatten auch die Märtwiiber ihren Auftritt, grandios gespielt von Philipp Buser und Norman Meier, die allerhand Lörracher Stadtgespräch aufmischten. Kurze Moderationen verschiedener Akteure hielten zwischen den Sketchen den roten Faden. Musikalisch trugen die „Nightshadows“ mit Rolf Hauser und Manfred Stratz den Abend und sorgten dafür, dass in den Umbaupausen gesungen wurde.