Mit ihren Umzügen wollen die Zünfte die Menschen für das Brauchtum begeistern. Auch die kleinsten Teilnehmer, die das Geschehen noch nicht so richtig verstehen, sollen sich wohlfühlen. Dafür tun die Zünfte einiges – auch schon vor der Veranstaltung.
Aufwendig gestaltete Masken, Kunststücke und auch so mancher Schabernack: Was Erwachsene an den Fasent-Umzügen begeistert, erfüllt manche Kinder mit Unbehagen. Denn sie wissen das bunte Geschehen noch nicht richtig einzuordnen. Dennoch müssen auch sie die Umzüge nicht fürchten, betonen die Narren. Die „Rhinschnooge“ aus Kappel, die Hexenzunft aus Grafenhausen, die „Hoorig“ aus Ettenheim und die „Wölfe“ aus Ettenheimweiler erklären unserer Redaktion, welche besonderen Regeln im Umgang mit den Jüngsten gelten.
Kinder sollen von Anfang an begeistert werden: „Es liegt den Narren in den einzelnen Zünften am Herzen, die Zuschauer für das Brauchtum zu begeistern und nicht boshaft zu erschrecken“, stellt Oberzunftmeister Sebastian Winter von den Ettenheimer „Hoorig“ klar. Genau so sehen es auch die anderen Zünfte. „Es gebührt sich von selbst, dass unsere Hästräger sich kleinen Kindern gegenüber entsprechend einfühlsam verhalten“, betont Silke Kabisch von den „Wölfen“. „Wir freuen uns immer über strahlende Kinderaugen, wenn wir eine Süßigkeit übergeben können“, erklärt Johannes Saiger von den Kappeler „Rhinschnooge“. „Selbst unsere wildesten Hexen werden bei kleinen Kindern zahm“, schildert Jessica Moser von der Hexenzunft Grafenhausen. Doch was heißt das konkret?
Bei vielen Zünften – hier die „Hoorig“ – ist beim Umzug der Nachwuchs dabei Foto: Decoux
Empathie im Umgang mit Kindern ist bei allen Zünften das oberste Gebot: Diese Regeln im Umgang mit Kindern sind nicht explizit schriftlich dokumentiert, trotzdem achten die Zünfte streng auf deren Einhaltung, sprechen mit ihren Mitgliedern darüber und würden auch bei den Gastzünften ein Fehlverhalten ansprechen. „In unserer Gesamtsitzung werden aktuelle Themen angesprochen, sollten Verhaltensfehler aufgetaucht sein. An unserem Umzug sind die Ordner unseres Vereins unterwegs, um mögliche Verhaltensfehler festzustellen und zu korrigieren. Bislang sind dahingehend glücklicherweise jedoch keine solchen zum Thema Umgang mit Kindern an uns herangetragen worden“, erklärt Saiger von den „Rhinschnooge“. „Sowohl in unserer Zunft als auch auch in allen Zünften, die wir kennen und die auch auf dem Umzug zu uns kommen, ist klar, dass die Narren mit viel Empathie auf kleine Kinder zugehen“, berichtet Moser.

Dass bei den „Wölfen“ auch schon die Kleinsten eifrig mit dabei sind, nimmt auch den Kindern am Straßenrand die Angst. Foto: Decoux
Kinder erleben die Zünfte auch außerhalb des Umzugs: Schon vor dem Umzug verknüpfen die hiesigen Kinder die Narrenzünfte mit etwas Positivem. Alle vier Zünfte beschreiben, dass sie bereits schon in Kitas, Kindergärten und Schulen den Kindern die Fasent näherbringen – und sie so schon mit dem Häs vertraut machen. So werden etwa bei den Ettenheimer „ Hoorig“ im Vorfeld Häs, Masken und Abbildungen den Kindergärten bereitgestellt, damit die Kinder schon auf „Tuchfühlung“ mit den Figuren gehen können, berichtet Winter. So handhaben es auch die anderen Zünfte, erklärt Saiger von den „Rhinschnooge“: „Unsere Kitas, Kindergärten und die Schule besuchen wir jedes Jahr mit den Hästrägern, um den Kindern den Brauch zu erklären, das Häs und die Maske näherzubringen und diese auch anzufassen. Damit zeigen wir den Kindern frühzeitig, dass ein Mensch hinter der Maske steckt“.
Auch die Hexen kommen bei den Kindern gut an. Foto: Hofmann
Die Grafenhausener Hexen befreien unter anderem die Kinder vom Unterricht – und die Schulleiterin landet nach einem mündlichen Schlagabtausch im Teufelskorb, so dass die Kinder Fasent machen dürfen. „Das kommt immer sehr gut bei den Kindern an“ – und erreiche auch die, die Fasent sonst nicht so wahrnehmen, schildert Moser. Bei den Brauchtumsabenden der Wölfe kommen schon die ganz Kleinen als „Baby- und Mini-Wölfe“ auf die Bühne und auch von den Veranstaltungen im Dorf kennen alle Kinder die Masken ihrer jeweiligen Zunft. So verknüpfen die hiesigen Kinder die Fasent mit Rathausstürmen, Schulbefreiungen oder auch den vielen Kinderfasentveranstaltungen, mit Tanz, Spiel und Spaß. „Die Kinder zeigen immer wieder Bewunderung und können es oft kaum erwarten, selbst eine Maske zu tragen“, schildert Saiger.
Masken erzeugen keinen Schrecken: Vielleicht ist es auch all diesen positiven Erlebnissen zu verdanken, dass bei den meisten die Masken der Zünfte gut ankommen: „Gerade die Maske der Rhinschnooge wird als Insekt wahrgenommen und ruft dann auch oft Summgeräusche bei den Kindern hervor“, berichtet Saiger. Ähnlich sieht es auch bei den Wölfen aus: „Wir erleben häufiger, dass sich Kinder über die Wölfe freuen, als dass sie sich fürchten. Das liegt vermutlich auch daran, dass unsere Holzmasken nicht ganz so gruselig aussehen wie vielleicht andere Gestalten“, berichtet Kabisch. Auch die „Hoorig“ wirken positiv auf die Kinder, schildert Winter: „Stadtlatschi und Muckendatscher haben beide lustige lachende Masken und sind eher begeisternd denn einschüchternd“. Und selbst die Hexen erhalten auch von den Kleinen viel Applaus: „Gerade unsere Hexenmasken und auch die von unserem Teufel sind eher freundlich aussehende Masken. Wir erleben fast ausschließlich Begeisterung am Umzug und wenn der Teufel aus dem Korb springt, dann ist das immer eine tolle Überraschung.“
Ab welchem Alter ein Umzug sinnvoll ist, hängt vom jeweiligen Kind ab
Auch Eltern sind in der Pflicht: Beim Umzug dabei sein, können im Prinzip Kinder jedes Alters – allerdings müsse man immer wieder individuell auf das jeweilige Kind Rücksicht nehmen, betonen die Zünfte. Das einzuschätzen, obliege den Eltern. Hilfreich sei es zudem, wenn die Eltern den Kindern schon zu Hause erklären, was auf dem Umzug passiert, dass es nur verkleidete Menschen sind, dass alle nur Spaß machen, niemand zu Schaden kommt, erklärt Moser, die selbst zwei Kinder hat. Sie rät zudem dazu, Babys einen Gehörschutz aufzuziehen. Trotz all dem kann es aber vorkommen, dass die Kinder Angst haben. „Oft ist das auch phasenweise in der Entwicklung des Kindes verschieden, das heißt Kleinkinder haben zum Teil weniger beziehungsweise keine Ängste im Gegensatz zu größeren Kindern“, betont Winter. „Meines Erachtens ist es wichtig, dass wenn ein Kleinkind panische Angst hat, man sich als Eltern gegebenfalls auch dazu entscheidet, einen Umzug wieder zu verlassen und es im nächsten Jahr wieder zu versuchen“, macht Moser deutlich. Sie hat das auch schon einmal bei ihrer Tochter gemacht. „ Im nächsten Jahr war die Angst wie weggeblasen, mittlerweile ist das alles kein Problem mehr und sie ist Feuer und Flamme für die Fasent, die Umzüge und alles was dazu gehört“, berichtet sie.
Nächster Umzug
Als nächste Zunft laden die Ettenheimer „Hoorig“ am morgigen Sonntag, 2. Februar, ab 14 Uhr zum Umzug durch die Ettenheimer Altstadt ein. Mit dabei werden auch die Ettenheimweilerer Wölfe sein. Die Kappeler „Rhinschnooge“ veranstalten ihren Umzug durch den Ort am Rosenmontag, 3. März, ab 13.31 Uhr. Die Grafenhausener Hexenzunft lädt auf Fasentsdienstag, 4. März, ab 13.31 Uhr zu ihrem Umzug ein.