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Zollernalbkreis Schule in Corona-Krise: Lehrer am Organisieren, Eltern am Limit

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Die Grundschüler kehren in der nächsten Woche an die Schulen zurück. Foto: Kusch

Zollernalbkreis - An den Schulen im Zollernalbkreis kehrt nach dem Ende der Pfingstferien vom kommenden Montag an deutlich wieder mehr Leben ein. Das sogenannte rollierende System verlangte von Schulleitern und dem Schulamt im Vorfeld einiges an Organisation. Viele Eltern sind derweil weiter enorm gefordert und auch verunsichert. Wie sich die Schulen auf den Unterricht vorbereiten, lesen Sie in unserem (SB+)Artikel.

"Gestaffelt" lautet das Zauberwort beim Unterricht für die Grundschüler ab Montag, denn sie waren bislang am längsten zu Hause. Nach den Corona-Einschränkungen dürfen nun neben den Viertklässlern, die auf den Übergang zur weiterführenden Schule vorbereitet werden, und den Schülern weiterführender Schulen auch die Erst-, Zweit- und Drittklässler wieder zum Präsenzunterricht kommen.

Lesen Sie auch: So geht es mit dem Unterricht nach den Pfingstferien weiter

Freilich gilt auch für sie: Die Gruppen, die zeitgleich in einem Klassenzimmer unterrichtet werden, dürfen nicht zu groß sein. Also werden sie geteilt und Präsenzunterricht gibt es in jeder zweiten Woche, erklärt Schulamtsdirektor Maximilian Groß, stellvertretender Leiter des Staatlichen Schulamts Albstadt. Er nennt ein Beispiel: Die Klassenlehrerin der 3a unterrichtet die eine Hälfte, ihr Kollege die andere Hälfte ihrer Klasse. Dafür übernimmt sie die Hälfte seiner Klasse. Und beim nächsten Präsenzunterricht wird getauscht. So sei gewährleistet, dass eine Lehrkraft ihre eigene Klasse – mal die eine, mal die andere Hälfte – regelmäßige unterrichte und im Blick habe.

Wann, wer, wo – das hänge von den jeweiligen räumlichen Voraussetzungen an den Schulen im Zollernalbkreis ab, sagt Groß. Er lobt die Schulleitungen, ihre Flexibilität und ihren Einsatz: Alle hätten sehr gute Konzepte ausgearbeitet.

Einzig in Tieringen gab es da ein Problem: Dort unterrichteten zwei Lehrer, die aber nur "Homeschooling" machen dürften – Grund kann zum Beispiel das Alter oder eine Vorerkrankung sein –, und bei den anderen Lehrern der dortigen Grundschule reiche das Stundendeputat nicht aus. So wollte das Schulamt einen personellen "Überhang" in Weilstetten nutzen, doch die Lehrerin, die nach Tieringen geschickt werden sollte, sei selbst erkrankt. Groß und seine Kollegen haben allerdings schon eine andere Lösung ausgetüftelt: Sie wollen dafür sorgen, dass eine Lehrerin, die aus Nordrhein-Westfalen nach Balingen gezogen, aber noch nicht in den baden-württembergischen Schuldienst eingetreten ist, schnellstmöglich die Freigabe bekommt.

Umfang des Unterrichts so groß wie möglich

Den Umfang des Unterrichtsangebots so groß wie möglich zu halten, bleibt für Groß und seine Kollegen vorerst das größte Problem. Hinzu komme die dadurch verkomplizierte Koordination mit den Elternhäusern. Trotzdem ist der Schulamtsdirektor im Großen und Ganzen zufrieden mit dem bisher Erreichten. Von den Grundschulen weiß er, dass viele "sehr löbliche" Rückmeldungen der Eltern über den Einsatz der Lehrer kommen. Sorge macht ihm hingegen, dass es – "im einstelligen Prozentbereich" – Schüler gebe, an die man gar nicht rankomme, nicht einmal durch persönliche Besuche zu Hause. "Familienstrukturen, die die Kinder belasten", habe es in einigen Fällen schon vor der Corona-Krise gegeben.

Trotz allem ist Groß zuversichtlich, dass die Schulen in der Lage sind, den Kindern trotz der Auswirkungen der Pandemie das nötige Rüstzeug mitzugeben. Er selbst erinnert sich noch an seine Schulzeit in den 1960er-Jahren, als es so genannte "Kurzschuljahre" gegeben habe: Da musste man in einem Jahr den Stoff von zwei Schuljahren absolvieren", erklärt er. Dennoch sei ihm nicht bekannt, dass dadurch Defizite aufgetreten seien.

Auch an der Hechinger Realschule beginnt am Montag der Unterricht im rollierenden System. Immerhin "kehrt damit wieder ein Stück Normalität" ein, sagt Schulrektor Stefan Hipp. Der Präsenzunterricht geht mindestens über die Dauer von vier Schulstunden. In den Wochen ohne Unterricht in den Klassenzimmern, werden die Kinder und Jugendlichen per Video beschult. Das erledigten die Lehrer von zu Hause aus. Der Unterricht ist beschränkt auf die Hauptfächer Deutsch, Englisch und Mathe sowie das Wahlfach. Nicht nur für die Schüler, auch für die Lehrer bedeute diese neue Unterrichtsform eine erhebliche Umstellung – und eine Mehrbelastung. Hipp: "Die Lehrkräfte sind voll eingespannt."

Während der "Corona-Ferien" haben die Lehrer Kontakt mit allen Eltern der gut 630 Schüler telefonisch und per E-Mail gehalten. Zusätzlich zur Notfallbetreuung macht die Realschule auch Kindern und Jugendlichen ein Angebot, die mit dem Fernunterricht per Internet nicht so gut zu erreichen sind. Schüler, die aus der Sicht der Lehrer dadurch benachteiligt sind, haben ab Montag Präsenzunterricht.

Im Schulalltag müssen auch sie sich an die Maskenpflicht auf den Fluren halten. Im Unterricht und in der großen Pause können sie die Bedeckung ablegen. Die Flure können sie nur in eine Richtung begehen, und die Klassenräumen werden nach dem Unterricht jeweils desinfiziert.

Für Eltern bringen die Corona-Zeit und das rollierende System derweil auch Herausforderungen mit sich, wie es eine 34-jährige Mutter dreier Kinder im Gespräch mit unserer Zeitung schildert. Ihr jüngstes Kind, sechs Jahre alt, betreut sie seit Ausbruch der Corona-Pandemie zuhause – einen Anspruch auf Notfallbetreuung haben die Eltern nicht. Wenigstens habe ihr Bub Anfang Juni für vier Tage zurück in den Kindergarten gedurft, sagt sie, weil er ein Vorschüler sei. Nach den Sommerferien kommt er in die erste Klasse. Ob der Jüngste, wie von der Landesregierung angekündigt, ab Ende Juni tatsächlich wieder voll zurück in die Kita kann? "Ich hoffe es sehr", sagte die Mama. Verlässliche Informationen aber gebe es bisher keine.

Noch neun Tage an die Schule bis Sommerferien

Einen klaren Plan hat sie derweil für ihre siebenjährige Tochter – auch wenn dieser enorme Lücken aufweist: Das Mädchen besucht die zweite Klasse einer Balinger Grundschule. Bis zu den Sommerferien kann sie noch in drei Wochen jeweils von montags bis mittwochs den Unterricht besuchen, insgesamt neun Tage also. Ansonsten gilt wie seit März: Gelernt wird zuhause. Mit Unterstützung der Eltern, der Mama vor allem, weil der Papa im Homeoffice arbeitet und tagsüber nicht gestört werden kann.

Das sogenannte Homeschooling habe, sagt die Mutter, bei ihrer Siebenjährigen eher schlecht als recht funktioniert, auch weil die Tochter schon davor Probleme gehabt habe, sich zu konzentrieren. Erschwerend kam nun hinzu, dass der kleine Bruder auch immer zuhause war. An den von der Schule vorgegebenen Wochenplänen hätten sie mitunter auch am Wochenende geackert. Die 34-Jährige schnauft tief durch: "Es ist alles sehr anstrengend."

Anders als bei der Grundschul-Tochter sei dagegen die Situation bei ihrem 15-jährigen Sohn: Der Unterricht zuhause sei gut gelaufen, die Aufgaben habe er zuverlässig erledigt bekommen. Das hänge wohl mit dem Alter ihres Sprösslings zusammen, sagt die 34-Jährige. Der Junge besucht die neunte Klasse einer weiterführenden Schule in Balingen. Seit Mai findet für ihn und seine Klasse auch wieder Unterricht statt – wenn auch eingeschränkt: nur in den Kernfächern Deutsch, Mathematik und Englisch, und auch nur an vier Tagen die Woche, jeweils dreieinhalb Stunden täglich. Diese knappe Zeit sei dann auch entsprechend "vollgepackt", so die Mutter.

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