Am Zollernalb Klinikum in Balingen und Albstadt schenken die Grünen Damen und Herren Patienten nicht nur ihre Zeit. Sie sind auch Helfer, Tröster und Mutmacher. In diesem Jahr feiert das Team um Leiterin Martina Strobel (Dritte von links) 15-jähriges Jubiläum. Foto: Andrea Maute

Ehrenamt mit Herz: Seit 15 Jahren sind die Grünen Damen und Herren im Zollernalb Klinikum im Einsatz – und aus dem Klinikalltag nicht mehr wegzudenken.

Viele Menschen, die den Eingangsbereich des Zollernalb Klinikums in Balingen betreten, halten zunächst inne. Ihr Blick schweift etwas unsicher durchs Foyer. Wo genau muss ich hin? Das ist die Frage, die unausgesprochen im Raum steht. ​ Wie in allen Lebensbereichen gehen Situationen, in denen man mit Unbekanntem konfrontiert wird, mit Verunsicherung einher. Wonach man sich in einem solchen Fall sehnt, sind Hilfe und Orientierung.

 

Ein Klinikaufenthalt, der häufig nicht nur mit Unsicherheit, sondern bisweilen auch mit Ängsten verbunden ist, ist für die meisten Menschen eine Ausnahmesituation. Umso beruhigender ist es zu wissen: hier wird man nicht alleine gelassen. Die freundlich lächelnde Dame am Stehtisch im Foyer hilft Patienten und Besuchspersonen gerne dabei, den richtigen Weg zu finden.

Und nicht nur das. Die Grünen Damen und Herren, wie die Ehrenamtlichen in Anlehnung an ihre hellgrüne Dienstkleidung genannt werden, üben eine Tätigkeit aus, die aus dem Klinikalltag nicht mehr wegzudenken ist.

Zeit schenken

Sie schenken Zeit, unterstützen bei Aufnahmeformalitäten, bringen die Patienten – wenn gewünscht – zur Station oder zur Untersuchung, begleiten bei Spaziergängen, kontaktieren Angehörige oder erledigen kleine Besorgungen vor Ort. Und haben nicht zuletzt etwas, das besonders wertvoll ist: ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte.

Grüne Damen und Herren, die es sich auf die Fahnen geschrieben haben, für ihre Mitmenschen da zu sein und ihnen beizustehen, gibt es im Zollernalb Klinikum seit nunmehr 15 Jahren. Den Grundstein legten, wie Teamleiterin Martina Strobel berichtet, einst Ursula Scholz und Heidi Bartholomae.

Und die Resonanz war von Beginn an groß. Am 25. Oktober 2011 bekundeten 20 Frauen und Männer mit ihrer Unterschrift die Bereitschaft, dieses wichtige Ehrenamt in den Häusern in Balingen und Albstadt auszuüben. „Gemessen an der Zeitspanne, in der es die Grünen Damen und Herren bereits gibt, sind wir noch eine junge Generation“, sagt Martina Strobel.

Denn ins Leben gerufen wurde der Besuchsdienst bereits 1969. Damals gründete Brigitte Schröder in Düsseldorf die Kranken- und Alten-Hilfe „Grüne Damen und Herren“, die heute eine der größten Ehrenamtlichenorganisationen der Republik ist. Gleichwohl sind auch 15 Jahre ein Grund zu feiern.

Von Anfang an mit dabei sind Brunhilde Haid und Rosemarie Kleinert. Zu den Frauen der ersten Stunde haben sich nach und nach viele weitere Ehrenamtliche gesellt. Aktuell sind in Balingen und Albstadt insgesamt 37 Teammitglieder (32 Grüne Damen und fünf Grüne Herren) tätig.

Neben der gemeinsamen Aufgabe werden etwa Kaffeenachmittage, Feiern und Ausflüge veranstaltet. „Das hält das Team zusammen“, weiß Martina Strobel. Regelmäßig finden auch Treffen mit Vorträgen statt, die der Weiterbildung dienen.

Apropos Einarbeitung: Wer mit dem Gedanken spielt, sich im Zollernalb Klinikum als Grüne Dame oder Grüner Herr zu engagieren, wird nicht ins kalte Wasser geworfen, sondern gewissenhaft auf ihre oder seine Aufgabe vorbereitet. Zum Einstieg gibt es eine Basisschulung, die in Balingen kürzlich 29 Teilnehmer absolviert haben. Ferner tauschen sich die Teammitglieder immer wieder über ihre Erfahrungen aus. Denn dieses Ehrenamt geht mit viel Verantwortung einher. Was sollte man dafür mitbringen? Neben rund vier Stunden Zeit pro Woche (vormittags) eine ganz besonders wichtige Eigenschaft: „Man muss zuhören und sich selbst zurücknehmen können“, macht Martina Strobel deutlich. Denn im Mittelpunkt stehe nicht der Helfer, sondern stets der Patient. Des Weiteren sind Kontaktfreude, Freundlichkeit, gute Umgangsformen und Einfühlungsvermögen essenziell für den Dienst am Nächsten.

Helfer, Tröster, Mutmacher

Da ein Klinikaufenthalt immer durch eine Krankheit bedingt ist, sei es außerdem wichtig, den Menschen mit einer positiven Ausstrahlung zu begegnen und ihnen die nötige Zeit zu geben, um sich zu öffnen.

Ob und wie schnell die Patienten den Grünen Damen und Herren ihre Sorgen und Nöte anvertrauen, sei ganz unterschiedlich. „Bisweilen dauert das ein bisschen, aber dann sprudelt es aus vielen richtig heraus“, weiß Martina Strobel. Als Tröster und Mutmacher wird den Ehrenamtlichen, die der Schweigepflicht unterliegen, vieles erzählt, das auch für sie belastend ist. Wichtig ist in diesem Zusammenhang deshalb der Begriff Resilienz. Dass sie nicht zuletzt in diesem Bereich intensiv geschult werden, liegt der Teamleiterin ganz besonders am Herzen.

Was ist für sie, nach all den Jahren und Erfahrungen als Grüne Dame der schönste Dank für ihre ehrenamtliche Tätigkeit? Hier muss Martina Strobel nicht lange überlegen. „Wenn ich aus dem Zimmer gehe und der Patient lächelt.“ Dankbar ist sie ebenfalls, dass die Grünen Damen und Herren auch vonseiten des Personals und der Geschäftsführung große Wertschätzung entgegengebracht wird. Von der Klinik erhalten die Ehrenamtlichen ihre Dienstkleidung, ein Mittagessen an den Einsatztagen und eine Fahrtkostenpauschale.

Da sich die Grünen Damen und Herren ansonsten selbst finanzieren, würden sie sich sehr über Spenden freuen, die für gemeinsame Aktivitäten und Weiterbildungsmaßnahmen des Teams verwendet werden.