Schlangenmensch Lorenzo Bernardi, einer der heimlichen Stars der Circus-Show. Foto: Roland Beckl

Der Circus Charles Knie zeigt auf dem Balinger Messegelände Attraktionen Schlag auf Schlag mit vielen Artisten und einem sympathischen Clown. Mehrere Shows wurden gespielt.

Von weitem erinnert das Zirkuszelt mit den rot-weißen Streifen an ein gigantisches Erdbeer-Sahne-Konfekt. Das weckt Kindheitserinnerungen.

 

Diese assoziieren Circus aber auch mit Tigern im Käfig, tanzenden Elefanten und Pappnasen-Clowns. Auf der Circus-Homepage ist hingegen von einer Show mit Akrobatik und viel Wasser die Rede.

Im Foyer tummeln sich die Besucher zwischen Zuckerwatte-, Popcorn-, Aperol-Spritz- und Currywurst-Ständen. Verkäuferinnen und Verkäufer sind adrett in Gestalt, Kleidung und Make-up.

„Viel Spaß“ ist keine Floskel

Auf Nachfrage bestätigt Veronika, die das naturtrübe Radler reicht, lächelnd: „Ja, wir sind auch die Akrobaten.“ Das klingt nach Familienbetrieb.

Der Kontrolleur, der die Karten scannt, wünscht viel Spaß und hält dabei Augenkontakt. Keine Floskel, er meint es ernst.

Die Tribüne bietet mehr als 1200 Besuchern Platz, über die Tage werden sie mehrfach gefüllt. Die Ränge füllen sich, aber es bleiben einige Plätze frei.

Naja, es ist halt Samstagmittag. Im Ländle genau die Zeit, in der der Rasen gemäht wird.

Dann wird es dunkel im Zelt. Eine sonore Stimme aus dem Off begrüßt, kündigt dies und das an. Die Spannung steigt.

Vom Getränkeverkauf in die Champagnerschale...

Es geht los. Blaues Licht. In der Mitte der Manege räkelt sich eine Meerjungfrau auf einer riesigen Champagnerschale. Zum Gesang einer weiß gefiederten Amazone auf der Empore lässt sie sich an einem Ring 15 Meter in die Höhe ziehen. Moment, das ist doch Veronika!

Veronika Ernesto Foto: Roland Beck

Sie windet sich anmutig im Takt zur Musik um Seil und Ring, lässt ich fallen, taucht ins Champagnerglas ein, turnt in Begleitung von Wasserfontänen wieder nach oben. Die Unterkiefer der Besucher nach unten. Ein Jongleur lässt sieben Bälle flitzen, eine Dresseurin im knappen Glitzerkleid sieben prächtige Papageien frei in der Manege kreisen.

„Wow, wow, wooow! Halloooo!“ tönt es rechts aus den Rängen. Im Lichtkegel erscheint ein lustiger Kerl im bunten Anzug: Michael, der portugiesische Clown, der durch den Abend führt und sich einer Kunstsprache bedient, die aber doch jeder versteht.

Ohne Pappnase und Perücke wirkt er smart und drollig zugleich. Er tritt so charmant in Interaktion mit dem Publikum, dass dieses kaum merkt, dass die Manege umgestaltet wird.

Clown Michael Cadima (rechts) Foto: Roland Beck

Die Emporen-Amazone singt wieder, eine spanische Tanzgruppe kündigt Lorenzo, den Schlangenmenschen, an. Dieser windet sich elegant in einen Glaskasten, kleiner als das Handgepäck im Urlaubsflieger.

Chinesische Akrobaten hechten durch Metallringe in olympiaverdächtiger Höhe. Eine Gruppe von Piraten tanzt in Kostümen, von denen Walt Disney hätte träumen können.

Trapezkünstler zwischen Wasserfontänen. Bunte Wasserfontänen ohne Akrobaten. Fantastische Bilder.

20 Minuten Pause und weiter geht’s. Tänzerinnen, Trapezkünstler, Wasserfontänen, die singende Emporen-Amazone. Ein Neptun mit Apollofigur verbiegt sich in sieben Metern Höhe im einhändigen Handstand.

...und weiter auf rasante Rollschuhe

Ein rasantes Rollschuh-Paar auf einem Zwei-Quadratmetern-Tisch. Moment, das ist doch wieder Veronika! Maverik balanciert auf mehreren Lagen kippelige Rollbretter.

Und immer wieder der portugiesische Publikumsliebling. Kinder glucksen vor Vergnügen. Clown Michael hat eben seine Hose verloren.

Die Chinesen kehren zurück, mit einer unglaublichen Diabolo-Choreografie. Es geht Schlag auf Schlag.

Diese Kombination von Körperbeherrschung, Akrobatik, Geschicklichkeit, diese Kostüme und Wasserspiele, diese Farben und Musik, diese Rasanz! Nach knapp drei Stunden ist anhaltender Beifall im Stehen selbstredend.

Dressuerin Laura Uranova Foto: Roland Beck

Selbst schuld, wer stattdessen seinen Rasen mäht

Einige Plätze waren frei. Schade drum: Wer an diesem Mittag Rasen gemäht hat, ist selber schuld.

"Wow, wow, wooow! Halloooo!“ jauchzt ein Pimpf auf dem Weg zurück zum Parkplatz. Aha, portugiesische Nachwirkungen. Diese Vorstellung wird der kleine Mann wohl noch in 20 Jahren mit Circus assoziieren. Sympathisch.